Montag, 16. Januar 2017

Helgoland


Blick vom Oberland auf die Düne - (m)ein Sehnsuchtsort

Im vergangenen Jahr hatte ich zwei Mal das Vergnügen, auf Helgoland arbeiten zu dürfen. Überhaupt habe ich sehr viel gearbeitet im vergangenen Jahr. Viel arbeiten ist so ein Dauerthema in meinem Leben. Das wäre ja nicht schlimm, aber die Pausen kommen doch zu kurz, das muss ich schon zugeben. Wie machen die das, denke ich, wenn ich bei der Kaltmamsell und beim Herrn Buddenbohm lese. Beide gehen arbeiten und ab und an auch aus, sie lesen Bücher und schreiben darüber, sie kochen und backen, der eine tanzt, die andere macht reichlich Sport, und beide bloggen mit verlässlicher Regelmäßigkeit – über unterschiedliche (!) Themen obendrein. Herr Buddenbohm hat zudem Kinder, da fällt mir vor lauter Ehrfurcht über so viel Realitätsbewältigung gar kein passender Ausdruck ein.


Der Helgoländer Leuchtturm ist eckig 

Ich arbeite auch, blogge aber kaum. Hm. Froh macht mich das nicht. Das Arbeiten oft schon, nicht zu bloggen hingegen nicht. Sport, Tanz und Lesen kommen auch zu kurz, ebenso Müßiggang im Allgemeinen und nicht zu letzt der Schlaf. Irgendwas mache ich bei der Einteilung persönlicher Zeit grundsätzlich verkehrt (und das ohne Kinder). Ich ahne das und weiß doch nicht recht einen Ausweg. Es ist nämlich nun auch nicht so, dass mir mit all dem Geld, dass ich dieserart als Selbstständige erwirtschafte, goldene Zeiten im Alter bevorstünden. So gut rechnen kann selbst ich.

Damit das neue Jahr nicht übergangslos dem alten ähnelt habe ich es, um mir selbst den guten Willen zu beweisen, mit Urlaub begonnen. Und weil die freie Zeit auch bei meinen Jobs auf Helgoland - trotz planerischer Berücksichtigung - rasant zu kurz gekommen ist, bin ich nun nochmal hingefahren. Zum nachholen quasi. Und zwar mit Ehemann, der glücklicherweise aufrichtig begeistert wirkte.


Weiter gehts, bitte hier entlang ...







In ihrer Rubrik Serviceblog hat Isa kürzlich folgende Frage beantwortet: „Was kann man bei schlechtem Wetter auf Helgoland machen?“
„Nichts“, war ihre fröhliche Antwort (und noch etwas mehr, seht selbst).
„...und dann ist man fertig mit allem und muss nichts mehr machen.“ lautet ihr Fazit, das in mir die Gestaltung meiner Urlaubstage heilstiftend determiniert hat.



Nichts ist natürlich ein Begriff, der reichtlich Raum für Interpretation bietet. Ich erinnere mich an ein Interview in einer Dokumentation über Klaus Bednarz' Reisen an den Baikalsee, in dem er erzählt, dass er, wieder zuhause, viel Zeit damit verbringt, am Fenster zu sitzen und hinauszuschauen. 'Sie machen also Nichts?' hat die Journalistin ihn erstaunt gefragt, und er antwortete sinngemäß: Ja, wenn Sie das so sehen, dass am Fenster sitzen und hinausschauen Nichts ist, dann mache ich wohl nichts.“
Die Doku habe ich vor gut 15 Jahren gesehen und ich habe mir fast nichts daraus so gut gemerkt, wie diesen Satz, nein diese Replik (neben der Erkenntnis, dass ich eines Tages auch mal an den Baikalsee reisen möchte.)



Erholsam Nichtstun kann ich gut im Laufen. Sehr gerne schweige ich dabei. Manchmal fange ich an zu singen - das ist für mich selbst immer überraschend, aber auch stets ein gutes Anzeichen von Kontemplation und Erholung. Überhaupt erhole ich mich recht schnell, zumindest was den Wieder-Zugriff auf eigene Ideen im Speziellen und kreatives Potential im Allgemeinen angeht. Das beruhigt mich immer sehr. Wie bei so'm Sportler; Kondition ist, wenn man schnell wieder zu Atem kommt.



Meine Reisebegleitung (die ich sehr gut leiden kann)

Laufen geht auf Helgoland sehr gut. Also gehen, meine ich. Herumlaufen. Schlendern, Wandern – mal zügig, mal langsam. Je nachdem. Wenn man sich viel Zeit lässt und sich gründlich umsieht braucht man - für mein Empfinden - mindestens drei Tage, um das Wichtigste gesehen zu haben. Noch mal drei Tage obendrauf schaden in keinem Fall, denn bei anderem Wetter sieht alles ganz anders aus, und beim zweiten Mal sieht man ja ohnehin viel mehr, nicht wahr. Und auch bei weiteren drei Tagen wird es einem nicht langweilig, vorausgesetzt, man kann sich selbst halbwegs leiden (und auch seine Reisebegleitung).



Helgoland als Tagesausflug - das ist sicher möglich, aber kann nur mangelnder Zeit geschuldet sein oder mit dem Versprechen an sich selbst enden, recht bald für mehrere Tage wieder zu kommen. Ach so, offiziell gilt ja auch der zollfreie Einkauf als Reisegrund. Da ich selbst aber deutlich kaufresistent bin, habe ich da einen blinden Fleck.



Helgoland hat auch reichlich Geschichte. Nun bin ich die falsche für kundig-verbindliche Auskünfte und will auch keinen Bildungs-Druck aufbauen, aber für alle, die eine Reise in Erwägung ziehen: das ist schon alles sehr, sehr interessant und es gibt viele Möglichkeiten, sich der bedrückend beeindruckenden Geschichte Helgolands zu widmen.










Während unseres Aufenthaltes habe ich viele Fotos gemacht, wobei mein Vorsatz klar umrissen war: die Leichtigkeit beibehalten. So kommt es, dass ich ein oder zwei Ideen, die mit Aufwand, ja sogar Disziplin verbunden gewesen wären, nicht umgesetzt habe. Tja, muss ich eben nochmal hin, hurra.

Insgesamt sind ohnehin sehr viele Fotografen auf der Insel. Manchmal habe ich morgens aus dem Fenster geschaut und mich gefragt ob gleich irgendwo eine außerplanmäßige Bundespressekonferenz stattfindet oder ein wichtiges Fussballspiel. Da wird schweres Gerät über die Insel geschleppt und so manches Mal dachte ich mir, ach, komm, noch mehr Fotos braucht kein Mensch. Aber es macht mir nun mal so viel Freude, also hab ich doch fotografiert.
Die meisten fotografiebegeisterten kommen wegen der Landschaft und (jahreszeitenabhängig) wegen der ausgesprochenen Vogelvielfalt Helgolands und den Robben. Da sind natürlich lange Brennweiten hilfreich, und die sehen schnell martialisch aus.



Nun sind auch diese Fotos wieder (fast) menschenleer. Es ist tatsächlich so; Menschen anzusprechen um sie zu fotografieren erscheint mir - seit einer Weile und anhaltend - wahnsinnig anstrengend. Es ist nicht so, dass mich niemand interessiert oder der Impuls komplett ausbliebe. Aber ich hab es immer so gehalten, mich nicht allzu sehr zu forcieren, um meinem Gegenüber (und mir selbst) auch gerecht werden zu können.
Bei allen drei Helgolandaufenthalten habe ich mir manches Mal selbst mit Bedauern zugesehen, wie ich mit schweren Armen dastehe und keine Initiative mich ergreift und Sachen sagen lässt wie: „Ich hab da so einen Blog, in dem ich Menschen vorstelle ...“
Ich wünsche mir, dass sich das wieder ändert und ich lausche sehr aufmerksam in mich hinein, um den Moment nicht zu verpassen.







Häuser gibt's auf Helgoland natürlich auch. Ich zeig demnächst mal (m)ein paar Fotos.





Kommentare:

  1. Da im letzten Bild, mittendrin, wir könnten es wagen, nur so zum Vergnügen: einen kleinen Tanz - darf ich bitten?!? Anschließend fahre ich dann im zweiten Bild von oben herunter, im Zickzack, ebenfalls nur so zur Wonne! - Perfekter Zeitvertreib beim Warten auf den Moment, dem Du in Dir so aufmerksam lauschst.

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    1. Es gibt auf Helgoland übrigens auch einen barrierefreien Klippen-Rundweg. Ganz komfortabel und perfekt für Rollis.

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  2. Hallo Smilla, schön, dass du wieder da bist! Menschen gucken und fragen welche Geschichte sich da verbirgt ist spannend - ich liebe es selber sehr. Aber Landschaften haben auch Geschichten zu erzählen und deine Fotos von Helgoland sind Balsam für meine Seele.

    Viele herzliche Grüße
    Astrid

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  3. Schöne Bilder! Meine Reise geht demnächst auch auf die Insel..... Sylt. Immer wieder kommt die erstaunte Frage... im Winter? Ja, weil man da am Besten ausruhen kann. Auch ich will viel schauen und laufen .
    LG
    Christine

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  4. So schöne Bilder und Farben und so viel sinnvolles Nichts- da will ich auch hin,meint Doro

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  5. ... so schön, dass du wieder da bist. Deine Bilder schaue und schaue ich und merke dabei, wie ich mich darin verliere .... meine Gedanken fliegen und werden wieder ruhig. Unbedingt muss ich endlich wieder einmal ans Wasser.

    Alles Liebe dir

    Ulla

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  6. Ich schaue Dir so gerne zu! Ob das nun menschliche oder landschaftliche Begegnungen sind...

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  7. Laufen, Rumlaufen - das kann ich so gut als Erholung verstehen. Wahrscheinlich bin ich deshalb vor einiger Zeit aufs Wandern gekommen.
    Ich fühle mich schuldig, wenn du meine öffentlichen Tändeleien bewunderst: Das geht doch alles bloß, weil ich so faul bin! Wäre ich ein fleißiger, pflichtbewusster Mensch, käme ich zu all dem nicht. Wie du halt.

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    1. Also nun fühle ich mich schuldig, dass du dich schuldig fühlst. Wir sind ja Strategen! Und dass du faul bist (was ist das eigentlich) will und kann ich nicht glauben. Ich gebe mir übrigens grade wirklich Mühe die Arme meiner inneren Arbeitskrake im Zaume zu halten! Viele Grüße nach München! ich schulde dir ja auch noch einen Bericht aus Lenggries ... seit bald einem jahr!

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  8. Auf Helgoland war ich vor fast 30 Jahren.
    Und obwohl eine heute besser "übergesetzt" werden kann, so habe ich noch diese lange Hinfahrt im Sinne, Seekrankheit und dann das "rausschmeißen" aus dem großen Pott in ein winziges Boot tief unten....
    Deswegen wird Helgoland mich wohl nie wieder sehen. Dabei war und ist es sehr schön.
    Danke für die Fotos und das Du wieder für uns sichtbar fotografierst und schreibst.
    Ahoi
    Oona

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    1. Oh, man kann auch ganz bequem ab Cuxhaven mit der Fähre direkt im Südhafen anlegen, und im Sommer kommt noch der Halunder-jet aus Hamburg dazu, der ist ebenfalls ohne ausbooten. Fliegen kann man auch, da landet das Flugzeug auf der Düne, von wo man dann mit einer Fähre 5 Minuten rüberfährt. Ich würde immer das Cuxhaven-Schiff nehmen wollen, die Überfahrt ist wunderschön!

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    2. Oh... ich bin echt nicht auf dem Laufenden!
      Danke für die Tipps.
      Helgoland rückt quasi näher. Obwohl sie eine Hochseeinsel ist *lach*
      LG
      Oona

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  9. Awesome colorz! Nice and calm. Go ahead!

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  10. "Kondition ist, wenn man schnell wieder zu Atem kommt."

    ... allein schon DAfür [sic].

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  11. Herrliche Aufnahmen und schöne Gedanken.
    Nirgends kann man so schön nichts tun wie auf Helgoland ...

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