Sonntag, 21. Februar 2016

Sich zeigen - nicht schweigen

Das bin ich. Ich zeige heute hier ein Foto von mir selbst - um Gesicht zu zeigen. Das Bild ist im letzten Sommer entstanden, nicht extra für diesen Post, aber das ist egal.
Sich zeigen - nicht schweigen, das reimt sich blöderweise, aber das muss nun auch egal sein.


„Wer schweigt, scheint zuzustimmen“ lautet ein Sprichwort. Anlässlich der jüngsten Ereignisse in Clausnitz und Bautzen ist es mir ein dringendes Anliegen, deutlich erkennbar nicht zuzustimmen. Es ist mir ein Bedürfnis nicht zu schweigen. Auch wenn es mir gleichzeitig gar nicht leicht fällt mich auf so direkte Art sichtbar zu machen und ich - vor allem öffentlich - gerade bei politischen Themen eher schweige, wenngleich ich damit keineswegs denen zustimme, die sich mit ihrer Meinung am lautesten die wichtigsten Plätze verschaffen.

Ich finde es unerträglich, das so etwas wie in Clausnitz oder Bautzen passieren kann. Dass es passieren darf. Es tut mir weh, zu sehen, wie viel Herzlosigkeit möglich ist. Ich bin fassungslos. Und zwar über jeden einzelnen rassistisch motivierten Übergriff, der in den letzten Monaten, nein Jahren stattgefunden hat.
Ich fühle mich hilflos - was kann man tun, um ein Umdenken in den Köpfen derer anzuregen, die da gewaltvoll ihren Hass gegen Fremde hinausschreien, die Unterkünfte abbrennen oder Hetzparolen verbreiten? Was kann man tun, um ihr Mitgefühl oder ihre Selbstreflexion zu aktivieren?

Im Video, das die Ankunft des Busses mit geflüchteten Menschen in Clausnitz zeigt, ist vorne im Bus ein Junge im blauen Kapuzenpulli zu sehen. Erst hält er sich an jemandem fest, dann blickt er weinend hinaus und geht anschließend die Stufen zur Bustür hinunter. Er soll da jetzt raus. Raus in die grölende angsteinflößende Welt vor dem Bus, hinein in ein Gebäude, das als neues Zuhause gedacht war und sich als Falle entpuppt.
Dass hinterher ein Polizeipräsident den Flüchtlingen im Bus und nicht der grölenden Menge davor, die Schuld an der Eskalation der Ereignisse geben darf verschlimmert die Ereignisse maximal und ist ein verheerendes Signal.

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Freitag, 5. Februar 2016

Am Ende des Tages ein Zebra



„Und, hast du schöne Fotos gemacht?“ fragt mich John Lennon in der Dämmerung. „Ne, ich hab nur Mist zusammenfotografiert.“ erwidere ich unfroh. John Lennon ist übrigens in Wahrheit Janis Joplin und irgendwie passt das zu meinem Tag: man sieht eben nur, was man sehen will. Oder kann. Janis Joplin kann ich nicht von John Lennon unterscheiden und im Karneval vermag ich keinen Frohsinn zu entdecken. Auf meinem diesjährigen Spaziergang durch die Kölner Weiberfastnacht weicht die Melancholie mir nicht von der Seite. Sie färbt meinen Blick und bremst meinen Schwung - also das bisschen, das mich überhaupt hat losziehen lassen. Und dann auch noch immerzu Regen.




In der Reihenfolge ihres Entstehens zeige ich nun also Fotos des gestrigen Tages. Die lückenhafte Zusammenhanglosigkeit darf als Indiz für meine innerliche Unentschlossenheit verstanden werden. Bis ich es schließlich getan habe, habe ich mich an der Frage abgearbeitet, ob ich nicht einfach wieder heimgehen soll.

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