Montag, 27. Januar 2014

31 Stockwerke



In Köln Ehrenfeld steht ein Hochhaus – das Herkuleshochhaus. Es ist eines der höchsten Gebäude der Stadt, und es dürfte in Köln kaum jemanden geben, der es nicht kennt. Von weitem wirkt seine Fassade, als wäre sie bunt gekachelt, und sie passt somit eigentlich ganz gut nach Köln, denn viele Hausfassaden sind hier gekachelt. Das ist selten wirklich schön, aber insgesamt ist es ein vertrauter Anblick in dieser Stadt. Das Herkuleshochhaus hat durch seine Fassade, sowie durch seine für Köln eher ungewöhnliche Höhe sogar einen gewissen Kultstatus erlangt. Es schmückt Postkarten, Frühstücksbrettchen und mit Fotomotiven bezogene mdf-Platten einer modernen Szene, die  eine inzwischen etablierte Form des Lokal– bzw. Regionalpatriotismus abbildet. Dennoch hat das bunte Haus, das auch Papageienhaus genannt wird, nicht den allerbesten Ruf. Vage Gerüchte machen ebenso vage die Runde; um den Zustand des Hauses und den der Wohnungen, und um deren Bewohner. Von Drogen, Kakerlaken, „nur Ausländern“ und Polizei ist die Rede, von Suizidanten, die sich am Pförtner vorbei ins Haus hineinschleichen, weil es hoch genug ist um herunterzuspringen. 




Neulich habe ich zufällig gelesen, dass im Herkuleshochhaus rund tausend Menschen leben. Das ist eine beachtliche Zahl, die ich seitdem versuche mir vorzustellen.

Von weitem sieht das Haus vor allem groß aus. Das ist es auch: 102 Meter ragt es in die Höhe, 31 Stockwerke versammeln sich darin. In China würde man erst seit 2 Metern überhaupt von einem Hochhaus sprechen, in Köln gilt ein anderer Standard. Wenn man sich dem Haus nähert, wird es plötzlich seltsam klein. Je näher man kommt, desto weniger raumgreifend wirkt der Bau, denn plötzlich befindet man sich in einer recht gewöhnlichen Wohnstrasse, von der aus man auch den Hauseingang sehen kann. Damit wird das Haus real und greifbar.
Weiter gehts, bitte hier entlang ...




Das ist die erste Verblüffung, die mir bewusst wurde, als ich begonnen habe, mich mit dem Herkuleshochhaus auseinanderzusetzen. Das Haus ist umzingelt von großen Straßen, die täglich zigtausende Menschen in ihren Autos daran vorbeiführen. Aber all die vielbefahrenen Strassen, die das Herkuleshochhaus umgeben, trennt eine dünne Barriere aus ganz normalen Wohnhäusern und seltsam verschlungenen Fußgängerbrücken von einer sichtbaren Erreichbarkeit der Hauses. Es bleibt abstrakt.

Man muss von einer dieser Straßen nur einmal rechts abbiegen, in eine unscheinbare Seitenstraße, durch die zu fahren oder zu gehen für niemanden Sinn macht, der hier nicht wohnt. Sofort verändert sich  die Perspektive. Und zwar nicht nur die optische. Man betritt einen Raum, der konkrete Lebenswelt bedeutet. Biegt man nach 50 Metern um die nächste Ecke, findet man sich am Fuße des Herkuleshochhauses wieder. Hier wirkt es zwar immer noch groß, aber schon deutlich begreifbarer. Ich fühle mich an Herrn Tur Tur erinnert, der Scheinriese aus Jim Knopf, der beim näherkommen immer kleiner wird.




Das Haus wirkt zwar auf seltsame Art kleiner, wenn man unmittelbar davor steht. Die Struktur der Fassade allerdings nicht. Was von Ferne wie die typische Kölner Kachel erscheint, entpuppt sich aus der Nähe als großflächige Fassadenverkleidung, die weder wohnlich noch einladend wirkt. Die Fensterrahmen bilden mit der Außenwand eine ebene Oberfläche, keine Laibungen, keine Fensterbretter, keine Nischen weit und breit. Gedanklich überträgt man diesen ungemütlichen Zustand auf den Innenraum, wenn vielleicht auch unbewusst.
Was aus der Ferne betrachtet hübsch bunt gestaltet ist – auch wenn sich hier die Kölner Geschmacksgeister scheiden – von nahem entsteht der Eindruck trostloser Zweck­mäßigkeit.




Nachdem ich gelesen hatte, dass tausend Menschen im Herkuleshochhaus leben, hat es begonnen mich zu interessieren. Seit 22 Jahren lebe ich in Köln, die meiste Zeit in Ehrenfeld. Das Herkuleshochhaus ist mir bekannt und vertraut auf unbestimmte Art. Die Vorstellung dort zu leben hat neben ratlosem Unverständnis stets Schauder in mir hervorgerufen, sowie eine vage Erleichterung, dass ich mit der Möglichkeit nicht ansatzweise konfrontiert war oder bin.  Ich nehme an, das geht vielen Kölnern so. Das ist allerdings nur eine Vermutung.




Zunächst habe ich das Haus also mit meiner Kamera umrundet. Aus allem möglichen Himmels- und Blickrichtungen habe ich ein Foto gemacht und mich auf diese Weise langsam herangepirscht.

Später, beim sichten der Fotos, war ich einigermaßen erschüttert. Ich hatte tatsächlich ausschließlich hübsche Bilder gemacht. Sozialromantik vor blauem Himmel.
Ich habe mich gefragt, wie das hatte passieren können. Wo war sie, die nüchterne Trostlosigkeit, die ich nah am Haus so deutlich empfunden hatte?
Ich glaube, ich habe sie aus Höflichkeit ausgelassen. Wie jemand, der sich wegdreht, wenn jemandem etwas peinliches passiert, um ihn nicht obendrein zu beschämen. Natürlich hinterfrage ich mein fotografisches Tun, habe mich aber dennoch entschieden, in diesem Artikel genau diese Fotos zu zeigen.



Seit dieser ersten Annäherung war ich noch ein paar Mal beim Herkuleshochhaus. Ich habe davor gestanden, habe mit Menschen, die darin wohnen, gesprochen, ich bin hineingegangen und einmal hat mir ein Wohnungseigentümer seine leerstehende Wohnung im neunten Stock gezeigt. Ich habe die Pförtnerin kennengelernt und miterlebt, wie sie von einer Frau, die im Haus lebt, um eine Zigarette gebeten wurde. „Na gut, eine kannst du haben.“ In der Hand hatte die Frau ein Marmeladenglas voller 1 und 2 Cent Stücke, mit denen sie nun irgendwo Tabak kaufen gehen wollte.
Ich habe dagestanden, mal vor diesem, mal vor jenem Eingang und mich gefragt, ob ich wohl wirke, wie eine talentlose Observierungspraktikantin. Denn irgendwann habe ich gemerkt, dass hinter den anonymen Fenstern Menschen sind.




An den beiden Eingängen ist viel weniger los als ich angesichts der tausend Bewohner vermutet hätte. Und nicht jeden, der vorbeikam, wollte ich gerne ansprechen. Und fast alle, die ich angesprochen habe, wollten von mir nichts wissen. 
Einmal kam tatsächlich die Polizei. In Zivil. Plakativer hätte man sie in keiner Vorabendserie darstellen können.  Ich habe einige Auszüge mitangesehen, aber bislang noch keinen Einzug. 
All das sind aber noch immer nur erste Eindrücke, und wiederholt  stelle ich  fest, dass ich nicht frei von vorgefertigten Annahmen bin, die bislang  keineswegs im Handstreich ins Gegenteil verkehrt wurden. 

Mein Plan ist, das Haus und seine Bewohner kennen zu lernen. Zumindest ein paar, im Ansatz, in Ausschnitten. Mich interessiert, wie es sich lebt in einem so großen Haus mit derart vielen Menschen. Bislang renne ich allerdings keine offenen Türen ein.
Ein Bewohner riet mir, einfach mal eine Stunde Fahrstuhl zu fahren. Ein anderer meinte, ich solle mich für eine Weile einmieten. Beides ziemlich gute Ideen, wie ich finde, die mir zeigen, dass manches sich beim Tun entwickelt.


Kommentare:

  1. Nun ist bei einem offenbar falschen Tastendruck mein erster Kommentar verschwunden und ich frage mich, ob ich ihn sinngemäß nochmal tippen soll oder ob es so sein sollte, dass meine Gedanken hier doch nicht erscheinen... Der erste Kommentar erzählte ganz kurz, dass mich beim Lesen und Anschauen die Höhe des Hauses nicht mehr losließ - wahrscheinlich deshalb, weil einem meiner Onkel (woanders!) einst schon ca. 25 Meter Höhe ausreichten, um "erfolgreich" zu einem ähnlichen Siuzidanten zu werden. Umso dankbarer bin ich, dass Deine bildliche und schriftliche Beschreibung des Hauses es schafft, es auf mich einigermaßen sympathisch wirken zu lassen; sogar die Teile, die Du zum Beispiel als "wenig einladend" bezeichnest. (Vielleicht ist auch Lesen und Anschauen schon eine kleine - etwas verändernde - Form des Tuns!) Ich bin gespannt, welche weiteren persönlichen Wege der Annäherung an Haus und Bewohner Du finden wirst (so Du uns gegebenenfalls auch daran teilhaben lässt)!

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  2. Danke, dass du dich so intensiv mit dem Haus auseinandergesetzt hast. Mir geht es ähnlich wie du beschrieben hast: Seit Jahrzehnten in meinem Blick, wenn auch der Grüngürtel dazwischen liegt, fast täglich an der Ampel mit Blick auf die ansässigen Firmen, misstrauisch am Abend und bis vor kurzem auch nur eine abstrakte Beziehung zum Haus. Bis jemand aus dem Viertel dorthin zog und anscheinend zufrieden ist: Preis-Leistungsverhältnis ist ok, man wird in Ruhe gelassen und die Aussicht ist phantastisch.
    Ab heute mache ich meine Augen richtig auf!
    Gruß von einer Nachbarin
    Christine

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    1. Oh, du kennst also jemanden, der dort lebt? Wäre es vielleicht möglich, dass du einen Kontakt herstellst? Das wäre toll!
      Und was du beschreibst, habe ich auch bereits von einer ehemaligen Hausbewohnern gehört, die ich beim Auszug getroffen habe.

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    2. Das kann ich gerne versuchen.
      Wenn er einverstanden ist, melde ich mich wieder.
      LG
      Christine

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    3. Buntpapierfabrik27. Januar 2014 um 23:01

      Nach einem Telefongespräch sind es sogar zwei. Der eine hat vor Jahren darin gewohnt, ebenso wie sein Sohn und sein Vetter,der dort mehrere Wohnungen besitzt. Seinen Erinnerungen an die Zeit sind schon intessant. Der andere wohnt im 21. Stock, den werde ich morgen befragen. Und wenn er mag, dann melde ich mich.
      Eine Erinnerung hatte ich auch. Mit dem Rad im letzten Herbst bin ich die Brücke heruntergefahren und hatte ein ganz unwirkliches, fremdes Gefühl, als wäre ich in einem Ghetto oder einem anderen Stern. Du beschreibst ja ähnliches. Langsam beginnt mich das Haus zu interessieren...
      Späte Grüße von der anderen Seite der Inneren Kanalstraße von
      Christine, die auch viele Jahre in Ehrenfeld gelebt hat

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    4. Oh, das klingt ja ganz vielversprechend. Der Mann mit den Erinnerungen würde mich auch interessieren. Vielen Dank für deine Hilfe, vielleicht klappt ja was, das wäre toll. lieben Gruß, Smilla

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  3. Oft gesehen und immer geschaudert, ähnlich wie beim Anblick von Chorweiler oder Mechenich.
    Das Schlimme ist, wohnt man in solch einem Haus, bekommt man fast nirgends wo anders eine Wohnung. So ist es Freuden passiert, die wegen der Arbeit vom Spreewald nach Köln gekommen sind.

    Danke für diesen Artikel. Danke das Du inne hälst, und uns zeigst, was wir oft nicht mehr war nemen.

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  4. Genau, das "Innere" und das "Innenleben" würde ich jetzt auch gern noch sehen und darüber hören. Ein sehr interessanter Bericht und tolle Fotos.
    Es macht nichts, dass die trostlosen Fotos fehlen. Die Tatsachen (102 m hoch, 1000 Bewohner) sprechen für sich und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand freiwillig in so ein Haus einzieht. Es sei denn für eine Recherche...
    Liebe Grüße, Juliane

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    1. Oh, eine junge Frau habe ich bereits getroffen, die gerne dort eingezogen ist. Und die auch ganz gerne dort gewohnt hat. Bald mehr von ihr, hier.

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    2. Ich bin seit neusten selten Bewohnerin in diesem Haus. Es ist Spannend aber ich lass jede Begegnung bzw jeden Moment auf mich zukommen. Ich bin ein Neugieriger Mensch aber in diesen Haus ist wirklich jeder Willkommen. Von Student bis über Beamter......oder Fam. neu in der Brd. Schade finde ich das ich nicht ganz oben Wohnhaft bin.

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  5. Hmmm dann pass gut auf dich auf. Ich war auch schon ein paar mal drin .Es hat was vom wilden Westen und ich könnte mir vorstellen, das sich nicht gerne jeder fotografieren lässt. OBEN gibt es ein Schwimmbad mit einem sensationellen Ausblick, natürlich ;-)

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  6. Spannend...so oft bin ich schon daran vorbeigefahren und habe mich gefragt, wie es sein muss dort zu leben...Ich weiß, dass Freunde von mir dort zu Studentenzeiten (vor vielen Jahren) eine Weile gewohnt haben und meine mich zu erinnern, dass sie froh waren dort wieder wegzuziehen.
    Bin gespannt was Du erlebst.
    Liebe Grüße schickt Bettina

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  7. Beim durchsehen der Fotos kam mir auch sofort der Gedanke, dass das ein sehr schönes, sogar einladendes Haus ist. Aber das schreibst Du ja selbst auch - Dein Kamerablick scheint tatsächlich die bunte Schokoladenseite eingefangen und die Trostlosigkeit nicht auf's Foto gebannt zu haben...

    Ich kann mir übrigens doch gut vorstellen, in so einem Haus zu wohnen: Von weiter oben muss man einen fantastischen Blick haben und die äußere Trostlosigkeit der Fassade sieht man dann innen ja wahrscheinlich nicht mehr, wenn man sich nett einrichtet...

    Herzlich
    Stefanie

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  8. ich habe eben schon kommentriert, aber mich lässt die Differenz zwischen (trostloser) Wirklichkeit und fotografierter Schönheit nicht los. Vielleicht ist es das, was Kunst sehr oft schafft: Durch den Rahmen (Fotos und Dein großartiger Blog) und das bloße Tun (jemand macht sich die Mühe, Dinge durch die Linse zu dokumentieren) werden Profanitäten erhöht, gleichsam auf einen schönen Sockel gestellt und erhalten dadurch eine ästhetische, künstlerische Anmutung. Ist es das?

    Liebe Grüße,
    Stefanie

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    1. Ja, ich glaube, da ist was dran, allerdings würde das auch noch funktionieren, wenn mehr 'unschönes' abgebildet wäre. ich habe wohl tatsächlich Dinge ausgelassen. Wobei ich natürlich inzwischen noch mehr Fotos gemact habe, mit dem immer gleichen Ergebnis, dass ich selbst das trostlose noch irgendwie ansprechend finde. Ich will ja auch das Haus nicht denunzieren, vielleicht ist das ein wesentlicher Grund. ich denke darüber nach, es ist ein sehr interessantes Thema. Leider bin ich nun in Eile...

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  9. Ein Blick ins Innere des Kolos würde mich interessieren und ich frage mich, wie wird wohl die Aussicht von innen nach außen sich verändern... je höher eine steigt.
    Mir fällt gerade ein, dass ich als Kind für ein Jahr in einem Hochhaus gewohnt habe. Weiß ich. Daran erinnern kann ich mich nicht.
    Vielleicht poste ich davon ein Bild. Innen wie außen. 1971. Dann werde ich Dich darüber informieren.
    Interessanterweise schaue ich von meiner Wohnung aus auf ein graues, hässliches Hochhaus in einem eher "teureren" Stadtteil. Es ragt über allem. "Wie ist das eigentlich passiert?" frage ich mich gerade. Hier in meinem Stadtteil so ein Klotz.
    Jetzt wo ich darüber nachdenke fällt mir auf, dass ich das Haus im Grunde "ausblende". Potzblitz !

    Hm... was ich tragisch finde ist, dass diese Hochhäuser verzweifelte Menschen anlocken, die sich dann aus der Höhe stürzen. In Bremerhaven gibt es die beiden "Columbuscenter".

    http://photos.wikimapia.org/p/00/00/67/86/14_big.jpg

    Heute gehen sie bei den anderen hohen Bauwerken drumrum unter, aber früher waren sie der Hingucker und die Wohungen waren beliebt zwecks der Aussicht... obwohl die langsam zugebaut wird... Wo war ich?
    Vor zwanzig Jahren hat man die oberen Stockwerke der Colmbuscenter so umgebaut, dass sich Menschen nicht mehr sprungtechnisch das Leben nehmen können.
    Ich denke gerade: Ist es ein Unterschied, wenn die Person nicht mehr von der höhsten Stelle springen kann?
    **
    Zumindest ist "euer" Hochhaus farbig. Wie würde es wohl in steinplattengrau wirken? Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass sehr einfältige Wohnhausanlagen und Wohnungsbau-Stadtteile etc. versuchen das Gleiche durch Farbe zu verändern und bewirken dabei dann doch nur die Gleichheit? Oder das WIndkraftanlagen nun von unten nach oben in verschiedenen Grüntönen angemalt werden? Als würden sie dann weniger die Landschaft an der Küste verschandeln.

    VIele Gedanken. Inspirationen. Idee.
    Danke Smilla!! Und ich bin gespannt, wie es weiter geht mit Dir und dem Papageienhaus in Köln.
    Herzliche Grüße
    Oona

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    1. Danke für deinen Kommentar, ich glaube, dass das herkuleshochhaus auch von viele ausgeblendet wird. Vielleicht sogar gerade weil es so schön bunt ist, da stört es nicht weiter. Vielleicht ist das aber auch zu zynisch gedacht..

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  10. Ein etwas anderer aber nichtsdestoweniger sehr interessanter Artikel, liebe Smilla. Ich finde es sehr spannend, wie Du Dich dem Haus und seinen Bewohnern annäherst und dabei Deine Beobachtungen und Empfindungen und Gedanken registrierst und berichtest. Ein spannendes Projekt finde ich und ich bin sehr gespannt, wie es sich weiter entwickeln wird und was Du berichten wirst.

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  11. Wow. Jetzt bin ich aber mal gespannt auf die Fortsetzung! Ich hoffe sehr, dass es Dir gelingt, vom distanzierten, rein äusserlichen Blick in das Innere des Gebäudes vorzudringen und sozusagen das Herz, das Leben darin einzufangen. Denn was mich viel mehr irritiert an Deinen Bildern vom Herkules ist weniger die Poesie, die Du ihm übergestülpt hast (die unterstreicht ja erst mal nur Dein besonderes Interesse für das Gebäude, macht neugierig und selbst einen hochhausabgeneigten Betrachter wohlwollend, sich das Gebäude mal genauer anzusehen), nein, mich irritierte viel mehr die fast vollkommene Menschenlosigkeit der Bilder, die so gar nicht mit der Information zusammengeht, dass hier rund 1.000 Menschen leben sollen. Da denkt man automatisch an Gewimmel, an ein ständiges Kommen und Gehen. Aber hier bekomme ich zunächst mal den Eindruck, hier wohnt vielleicht gar keiner. Nur ein paar vage Andeutungen, geöffnete Fenster, ausrangierte Klamotten, ein flüchtiger Radfahrer, ein geparktes Auto, die die Annahme erlauben, dass hier doch jemand lebt. Da werde ich neugierig und möchte nun natürlich sehen, wer wohl dort lebt und wie es im Inneren aussieht (so, wie man es befürchtet, oder doch ganz anders?).
    Den Vorschlag, sich dort für eine Weile einzumieten, finde ich übrigens enorm spannend (verlangt allerdings vielleicht auch einiges ab)! Ein wenig muss ich an das Experiment einer Bloggerin denken, die sich vorgenommen hatte, sich für einen gewissen Zeitraum jeden Tag in ihrem Kiez (war es in Berlin?) mit Kuchen bei irgendeinem Nachbarn vorzustellen. Da kamen eine Menge spannender Besuche bei raus.
    Ich habe jedenfalls auch manchmal den Verdacht, dass es sich in Hochhäusern ganz gut leben kann (als Kind lebte ich auch mal in einem, allerdings war es gerade mal 1/3 so hoch wie dieses, was in der Kleinstadt, aus der ich komme, aber schon enorm war), meist hat man wirklich einen super Ausblick und oft sind auch die Wohnungen nicht schlecht geschnitten. Da denke ich beispielsweise vergleichsweise häufig in den ach so schicken, aber sehr beengten Neubausiedlungen: was nützt mir das tollste Architektenhaus, wenn ich dann für alle Ewigkeit auf Nachbars neobarocken Klinkerbau gucken muss...da ist es vielleicht am Ende besser umgekehrt und man schaut aus dem Hässlichen auf das Schöne? Na gut, ich sage das natürlich etwas provokant und mit einem leichten Augenzwinkern, denn ernsthaft in ein Hochhaus einziehen wollte ich bisher natürlich nicht. Dennoch bin ich über alle Maßen gespannt, wie Deine Recherche weitergeht!
    Bei ziviler Polizei musste ich natürlich gleich an Schimanski und das Hochhaus denken, in dem er gewohnt hat...klischeehafter könnte es wohl kaum sein! Solche Bilder stellen sich beim Wort "Hochhaus" bei mir automatisch ein und passen zunächst so gar nicht zu Deinem fast-fröhlich bunten Kachelhaus, darum ist es ein sehr spannender Auftakt, der in der Fortsetzung hoffentlich noch mehr interessante Aha-Effekte bringen wird, ganz wie man es von Dir gewohnt ist.

    Viele Grüße
    tanïa

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    1. das Kuchen-nachbar Projekt klingt spannend, das werde ich mal suchen gehen. Deine Gedanken zum Ausblick kann ich teilen. Dass die Wohnungen im herkuleshochhaus schön geschnitten sind, ist aber ehr wohl nicht der Fall. es gibt überwiegend kleine Appartements, die wirklich sehr zweckmäßig sind. Das Appartement, was ich gesehen hab, hatte zum Beispiel Stauraum durch ein Podest, der sich quer durchs Zimmer zog. Das war ganz hübsch gemacht, aber viel Platz gabs wirklich nicht.
      Die menschenlosigkeit verblüfft mich wie gesagt auch. natürlich habe ich einzelne Personen auch nicht mit ins Bild genommen, aber es war nicht sehr schwer, Fotos zu machen, ohne dass jemand drauf ist. Vielleicht muss ich mal morgens um acht da stehen, oder abends, wenn die Monteure heimkommen, die angeblich in Kleinbussen vorgefahren werden. Es ist spannend ...

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    2. Liebe Smilla,

      hier der link zum Kuchen Projekt http://hausbesuchwins.wordpress.com/

      lieben Gruß
      Kathrin

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  12. Was für ein tolles Projekt! Viel Erfolg damit!

    Mir gefallen die Bilder und das Haus auch - als Nicht-Kölnerin, die es regelmäßig von Ferne sieht, wenn ich nach Köln fahre, hat es mich schon immer fasziniert.

    Im Vergleich zum Uni-Center wirkt es von außen extrem einladend. Ein Verwandter von mir hat dort mal gewohnt und das war heftig - ein echtes Wohnklo, ziemlich weit oben - ein toller Blick, der mir den Atem raubte.

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  13. Spannend! Werde mal meine Schwägerin aus Köln fragen, was die dazu zu erzählen weiß, mehr oder weniger Vages...
    Das mit Hochhäusern in China ab 2 Meter- da stimmt was nicht?
    Dein Vorhaben erinnert mich bisschen an das von Meike Winnemuth:
    http://zurueckauflos.com/

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    1. oh, ich meinte, dass in China ein Hochhaus erst bei 100 Metern beginnt, also 'seit 2 Metern' bezogen auf das Herkuleshochhaus. Alles darunter ist in China einfach ein Haus. Ja, auf das Projekt von Meike Winnemuth bin ich auch ein bisschen neidisch...

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  14. Mein Mann hat im Herkuleshochhaus gewohnt, bevor wir verheiratet wurden und ich habe sehr schöne Erinnerungen von den Besuchen dort und vom Silvester im Partyraum im 31. Stock!

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  15. Neidisch auf die Winnemuth - hier auch! :D

    Toller Artikel [wenn du überall einen Flattr-Button hinmachst, flattr ich ständig. Ehrlich]. Bei mir ist es so: Ich erzähle seit Monaten/Jahren, dass ich auch deswegen "Geld verdiene", um nicht "in solchen Wohnungen" [wahlweise Plattenbau/Hochhaus/...] wohnen zu müssen. Und dann war ich vor Monaten zum ersten Mal bei Bekannten in eben einem solchen "Hochhaus", und wie du und die Kommentatoren schreiben: Man hat eine tolle Aussicht, und, mal abgesehen davon, dass die direkten Nachbarn laut/blöd/whatever sein könnten und dann halt sehr dicht an einer dran, seine Ruhe.

    Ich werde meine Abneigung neu überdenken - danke für diesen Anstoß!

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  16. Ich habe dort mal gewohnt - weil ich auf die Schnelle eine Bleibe in Köln brauchte. Und weil ich mich hier nicht auskannte.
    Kaum war ich eingezogen, hatte ich den Mietvertrag auch schon wieder gekündigt. Ich habe mich dort mehr als unwohl gefühlt...

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  17. Sehr interessant, ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Bei meiner ersten eigenen Wohnung bin ich auch in ein riesiges Haus mit hunderten Wohnung gezogen. Alle hatten Nummern, meine war App. 61. Ich bin in diesen endlosen Fluren tatsächlich kaum einmal einem anderen Menschen begegnet, nur in der Wohnung neben mir regte sich Leben. Allerdings gingen dort immer nur Menschen hinein und nie kam einer heraus.....;-)

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  18. ...ich finde es traurig, wenn ich lesen muss, wie abwertend in einigen kommentaren über scheinbar prekäre wohnverhältnisse/mieter geschrieben wird. es ist anzunehmen, dass die meisten bewohner nicht freiwillig "un"-schön (dort?) wohnen. dass bei solchen massenwohnverhältnissen (auch in luxus-türmen) steigende anonymität/angst/isolation entsteht, ist eigentlich nichts spektakulär neues sondern ein bekanntes problem in allen großstädten, was besonders hart alte menschen und kinder betrifft.

    was es dort noch zu erforschen gibt, erschließt sich mir nicht.

    trotzdem schön fotografiert...;-)

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    1. Hallo Anonym, ich habe nun alle Kommentare nochmal gelesen;
      besonders abwertende Kommentare kann ich nicht entdecken, kritische Haltungen Wohnkollossen gegenüber vielleicht. Der Tenor scheint mir allerdings zum einen Interesse, zum anderen gibt es aber bereits in den Kommentaren auch positive Einschätzungen oder Sichtweisen, die mich erst recht anspornen, meine eigenen, von mir beschriebenen Vorurteile zu überprüfen.
      Anonymität, Angst Isolation entsteht ja auch durch Ignoranz und Nichtbeachtung. Ich hatte versucht genau diesen Umstand zu schildern, wie leicht es ist, das Herkuleshochhaus zwar zu sehen, aber als etwas abstraktes. Als würden dort keine 1000 Menschen leben.
      Mir geht es nicht um Forschung, der Begriff impliziert mir eine zu sachliche Herangehensweise. Mir geht es darum zu sehen, wie das Leben in einem solch riesigen Haus mit derart vielen Nachbarn ist. Ich habe keine konkrete Arbeitshypothese, ich will weder das eine noch das andere herausarbeiten, feststellen oder irgendwem beweisen. Es ist der Versuch mich einem Ort mit seinen Menschen zu nähern. Und dieser Ort liegt in meiner eigenen Nachbarschaft, keine 2 km weit entfernt.

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  19. Ich habe als Kind einige Zeit in Köln gewohnt und bin oft mit meinem Onkel an dem Haus vorbei gefahren und habe die schauderlichsten Selbstmordgeschichten erzählt bekommen. Man könne die Fenster ab dem 4. Stock nicht mehr öffnen, damit die Menschen nicht aus selbigen in den Tod springen können.
    Mir ist das sehr in Erinnerung geblieben, weil ich genau diesen Gegensatz, wie du ihn beschreibst so stark empfunden habe. Das bunte, hübsche Hochhaus und all das Leid, das es offenbar in sich trägt.
    Wieder einmal ein bemerkenswerter Blogartikel von dir. Danke dafür.

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  20. Hallo Smilla,
    wie schön mal einen Blog aus Köln zu lesen. Tolles Projekt bei dem ich dir viel Erfolg und interessante Einsichten wünsche. Die Fotos der Reflektionen des Herkuleshochhauses in den Nachbarfenstern haben es mir besonders angetan. Freue mich auf mehr Berichte.

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  21. Hallo Smilla,
    solch Hochhäuser erwecken oft / immer eine Mischung aus Neugierde, Schauder, Verwunderung, Faszination. Sind sie doch ein spezieller - und großer - Mikrokosmos, noch dazu mit Mythen und Gerüchten umrankt. Jetzt Ehrenfelderin, wohnte ich in meiner Heimatstadt Osnabrück in Sichtweite des Iduna-Hochhauses, dazu gibt es auch Fotostrecken, u.a. hier:

    "Das Iduna Hochhaus in Osnabrück

    Osnabrück wurde laut einer Umfrage des Stern Magazins 2003 als die Stadt Deutschlands gewählt mit den glücklichsten Bewohnern, Dessau in Ostdeutschland als die Stadt mit den unglücklichsten Bewohnern.

    Ich habe die glücklichsten Deutschen im Iduna Hochhaus in Osnabrück besucht. Es wurde von der Versicherungsgesellschaft vor ca. 28 Jahren gebaut. Das Haus mit 124 Wohnungen und 18 Stockwerken bietet eine gute Übersicht der Bewohner von Osnabrück, da dort Leute aus allen sozialen Schichten wohnen."

    http://www.sandrahoyn.de/galleries/portrait/wo-die-gl-cklichsten-deutschen-wohnen

    Ich war dort mal zu Besuch bei Bekannten - es war deprimierend.

    In Mainz wohnt ein Freund von mir in einem ähnlichen Bau und liebt das sehr! Auch dort, wie meist bei solch Bauten, gibt es die Dachterasse und das Schwimmbecken und die Sauna auf dem Dach sowie 70er Jahre Fliesen im Treppenhaus.

    Mich faszinieren solch Gebäude und die Beweggründe der Architekten/Städtebaupolitiker und die Entwicklung über die Jahrezehnte und auch in verschiedenen Ländern. Die Vele die Scampia bei Neapel sind auch faszinierend.

    Bin gespannt auf weiteres von Dir zum Herkuleshaus!

    Liebe Grüße, Stefanie

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  22. Mich haben solche Klötze auch schon immer fasziniert, vieleicht ja, weil ich in einem kleinen hutzeligen Zechenhaus großgeworden bin. In Harlem konnte ich mal für eine Woche gratis in einem montrösen Komplex wohnen. Absolut faszinierend.

    In der Nähe des Herkuleshochhauses haben wir uns auch mal eine Wohnung angeschaut. Der Kontrast des Hochhauses zum Rest der umliegenden Straßen ist wirklich toll.

    Jetzt wohnen wir in Bickendorf und haben einen ähnlichen Klotz vor der Nase, von dem ich mittlerweile auch schon massenhaft Fotos geschossen habe. Dieses zum Beispiel: http://denkfabrikblog.de/2014/01/22/silo-komplett/

    Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass man in das hässlichste Haus der Straße ziehen sollte, weil man es dann wenigstens nicht sieht, aber hier ist es anders. Es wird einfach nie langweilig.

    Bin gespannt, was zu diesem Haus noch hier erscheint...

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  23. Ich muss, seit ich mal selbst Post ausgetragen habe, bei solchen Riesenhäusern immer als erstes an den Briefträger denken...

    Tausend Menschen, tausend Seelen auf so engem Raum, das allein hat schon etwas Bedrückendes, finde ich. Da kommt dann auch gleich die Assoziation Taubenschlag. Da ich selbst in einem (viel kleineren) Mehrfamilienhaus mit sehr hässlicher Verkleidung aufgewachsen bin, weiß ich zum einen, dass sich drinnen wahre Schätzchen verbergen können - aber auch, wie "man" wahrgenommen wird, wenn man in dem Haus wohnt.

    Sehr, sehr interessante Gedanken! Ich mag deine langsame Annäherung an diesen bunten Riesen.

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  24. Hey.

    Fand das mal sehr Interessant zu lesen was Kölner von diesem Haus halten, bzw. wie es betrachtet wird! Deinen Artikel find ich sehr schön :)

    Ich wohne zwar nicht in dem Hochhaus selbst, aber genau daneben, im Haus 3. Das gehört auch zu dem Herkuleshaus, somit nutze ich auch den Pförtnerdienst oder dergleichen.
    Hier ist es teilweise auch ganz lustig ^^ haha.

    Ich wohne jetzt seit 4 Jahren hier, ist nicht gerade das schönste, aber auch nicht sooooo schlecht wie alle immer denken. Mir ist hier noch nichts schlimmes passiert in all den Jahren- zumindest nichts was einem nicht auch wo anders passieren könnte, in Köln.
    Natürlich sind die Wohnungen- meine Wohnung, nicht mit einer schönen Altbauwohnung zu vergleichen. Möchte auch nicht auf dauer hier wohnen bleiben, aber man kann es sich durchaus gemütlich machen hier.

    Da es schon recht alte häuser sind, hat man natürlich hier und da Probleme- die Wasserrohre sind nicht mehr das allzu beste.
    Deshalb hatte ich in den letzten Jahren schon öfters Wasserschäden, welche meistens immer von irgendwelchen Wohnungen über mir verursacht wurden.
    Was hier zum Beispiel auch ganz schlimm ist, ist die "Marienkäferplage". Dadurch dass mein Fenster zur Inneren Kanalstrasse raus geht und vor den Fenstern büsche und bäume stehen, tümmeln sich die Käfer überall! Sobald man das Fenster öffnet...ganz grausam!
    Meiner Katze gefällt das natürlich sehr gut! :)

    Ich weiss nicht was dich genau interessiert, aber wenn Du Lust hast, dann kann man sich gerne mal austauschen.

    Das Herkuleshaus verfügt wie schon genannt über ein kleines Schwimmbad auf der obersten Etage, sowie einen Waschraum den man nutzen kann- und unten im Keller kann man auch seinen Sperrmüll kostenfrei abstellen.

    Lieber Gruss,
    M.

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  25. Achso, ich muss "Jubil" übrigens teilweise Recht geben!
    Die Leute sind schon immer etwas erstaunt wenn ich sage, dass ich hier wohne.
    Aber ich selber gebe darauf wirklich überhaupt nichts!!

    Klar, würde ich wo anders wohnen wollen, aber der Wohnungsmarkt war damals (bzw. ist es immer noch) recht, Entschuldigung, beschissen!
    Gerade wenn man als Freelancer beim Film arbeitet, somit kein regelmäßiges Einkommen hat, ist es wirklich sehr schwierig als junge Frau eine Wohnung zu bekommen- zumindest in guter Preislage wenn man nicht gerade auf 20 Quadratmetern leben möchte oder in einer Wohngemeinschaft.

    M

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    1. Hallo M. oh, du wohnst dort! Bitte melde dich doch bei mir, das wäre ganz famos! lg smilla
      smilla(ät)anders-anziehen.de

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  26. Lustigerweise war ich am Wochenende in Köln und habe einfach mal die Augen offen gehalten, nachdem ich deinen Beitrag hier gelesen hat - und: ich habe es gesehen!! :)

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  27. Die schon beschriebenen Erfahrungen mit Hochhaus- bzw. Burghöhe haben wohl eine andere, wie ich finde wirklich nette Hochhausgeschichte überlagert, die mir soeben eingefallen ist: Als ich fünf oder sechs Jahre war, wohnten meine Mutter und ich in Stuttgart, in einem Viertel oder Stadtteil, in dem auch viele andere Menschen mit Behinderungen wohnten. Dort gab es ein sehr rolligerechtes Hochhaus, keine 31 Stockwerke, aber immerhin acht. "Im Achten" wie das oberste Stockwerk immer nur hieß befand sich ein Restaurant. Mein damaliger Kumpel T. (auch Rollifahrer und unwesentlich älter als ich) und ich bekamen eines Tages ein paar dieser eigentlich unsäglichen "Mitleids-Mark" geschenkt. Wir waren etwas hin und hergerissen, ob wir diese und den Vorschlag, damit in den "Achten" zu fahren, annehmen sollten oder nicht. Wir entschieden uns dann dafür und waren stolz wie Oskar, diese Unternehmung auf eigene Faust durchzuziehen. Später gab es ein Foto von uns, wie wir in jener Stimmung vor unserem Eis und/oder Getränk saßen, und ich glaube auch von unseren sehr erleichtert dreinblickenden Müttern. Auch eine Spur Stolz angesichts unserer "Tat" war nicht nur in unseren, sondern auch in den Gesichtern unserer Mütter zu erkennen. Erst viel später konnte ich den Schreck erahnen, den die beiden gehabt haben müssen, als T. und ich plötzlich vorerst unauffindbar zu sein schienen...

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  28. Lange habe ich als Kind in Stuttgart in einem Hochhaus gelebt. Nicht ganz so groß, dafür aber nicht alleinstehend. Es waren 2 riesige Blöcke mit 12 Stockwerken, immer 2 Hausnummern für ein Haus.
    Dort hatten wir Krankenhausähnliche Flure und im gesamten Block waren es sicher auch über 1000 Wohnungen verschiedener Größe.
    Für die Autos gab es Tiefgaragen, in der Mitte kleine Läden (ein Bäcker, ein Schreibwarenladen, eine Apotheke und eine Drogerie). Das Gewusel hielt sich auch dort in Grenzen. Ich erkläre es mir damit, dass die Väter schon früh morgens zum Arbeiten sind, die Kinder etwas später nach und nach zur Schule, die Mütter waren entweder zu Hause oder sind nach/mit den Kindern zum Arbeiten gefahren.
    Deshalb gab es nur Nachmittags ab und an Kinder mit Ihren Müttern, oder auch ohne, auf dem Spielplatz.
    Bei so vielen Menschen in einem Haus gibt es fast genauso viele Lebensentwürfe und deshalb wenig Gewusel, weil es sich selten überschneidet.

    Ganz viele liebe Grüße von
    Tamy
    die auch immer wieder von Deinen Bildern und Beiträgen fasziniert ist!

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  29. Das bislang potthässliche Hochhaus habe ich bislang beim vorbeifahren auf der Inneren mehr oder minder ignoriert. Durch Deine Beschreibung wird es interessant und die anderen Photoperspektiven machen es fast schön-ich werde es zukünftig mit anderen Augen sehen und auch mal aus der Nähe betrachten!
    Danke für diesen schönen Beitrag!!!

    Liebe Grüße aus Köln :o)

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  30. Das Herkuleshochhaus ist sozusagen ein eigener Stadtteil für sich, die Leute die ebenfalls hier wohnen wissen was ich meine....es ist auch eine Art Auffangbecken ( Für mich war es das jedenfalls) Niemand zieht hier hin weil er es sich als Wohnziel vorgenommen hat. Es passiert aus Zufall....weil man gerade eine billige Bleibe sucht. Ich denke, dass das die Situation am besten beschreibt. Das Haus nimmt eben jeden auf, du lernst schnell Leute kennen. Nur durchs Fahrstuhl fahren passiert das schon. Der Ruf des Hauses eilt zwar immer negativ voraus aber wenn man neu in der Stadt ist wird es ein bisschen zur Familie....

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  31. Ich wohne seit 10 Jahren im Herkuleshochhaus. Bin mit 19 eingezogen, das ist meine erste Wohnung nach meines Auszug aus der Elternwohnung, und ich wohne immernoch drin. Es ist ein ganz normales Haus, es ist ruhig, man hoert die Nachbarn nicht, es hat auch seine Nachteile, aber im Grossen und Ganzen kann man drin ruhig wohnen.

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  32. hi, ich wohne seit 1997 im herkules haus. ich bin zum studieren nach köln gezogen und bin in der zeitung auf die wohnung im herkules hochhaus gestoßen. ich las nur 23. stock und dachte: hey, vllt. ist die wohnung in diesem bunten hochhaus.. das fand ich schon als schüler einfach cool. bin halt immer mit meiner damaligen freundin auf dem weg zum cinedom daran vorbeigefahren und haben jedesmal gesagt, dass wir irgendwann da mal wohnen würden....
    naja, bin dann alleine eingezogen. ich weiss aber noch wie es war, als ich die wohnung besichtigt habe.
    irgenwann im sommer habe ich mit der vormieterin den termin vereinbart. nachdem ich mir vom pförtner die klingelanlage hab erklären lassen (ich könnte heute aber immernoch nicht erklären, wie man bei einer bestimmten person im haus klingelt XD )
    bin ich raufgefahren, die vormieterin macht die tür auf ..... und ich wusste sofort : die bude nimmst du. ich konnte nämlich direkt durch die haustür und zimmertür nach draussen sehen...es war ein absolut glasklarer moment...ich hatte noch keinen schritt in die wohnung gemacht, da wusste ich das ich hier wohnen will. ich bin dann auch direkt zum, fenster hab rausgeschaut und hab mich sofort verknallt in diese aussicht. und heute liebe ich sie noch immer.
    ich kann über das herkules hochhaus soviel sagen....entweder du kommst damit klar, oder eben nicht. du kannst viele viele leute kennenlernen oder absolut isoliert, anonym hier leben. für mich ist das hier wie in einem adlerhorst. du towerst, gut 80 m über köln und tankst neu auf. egal wieviele probleme du auf bodenniveau hast....hier oben kannst nochmal neu nachdenken, den anderen blickwinkel nutzen um veränderungen einzuleiten und umzusetzen.
    aaaber....man sollte auch mit den schattenseiten des herkulehochhauses umgehen können... ;) viele grüße

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