Samstag, 1. Juni 2013

Nächste Frage


Habe den Proust-Fragebogen für  Blogger im Zeitmagazin-Blog ausgefüllt. Der Fragebogen ist nicht neu; ich wusste also, was auf mich zukommt, als ich zugesagt habe.
Ich dachte mir, es wäre eine gute Gelegenheit meine Meinung bezüglich der Ratlosigkeit erzeugenden Dauerfragen zum Ausdruck zu bringen. So habe ich mir zum Schluß eine eigene Frage gegönnt, die da im Original-Wortlaut so zu lesen gewesen wäre:

„Eine Frage würde ich zum Schluss nun auch gern stellen: Ganz ehrlich: warum ausgerechnet immer wieder diese Fragen? Ich verstehe das nicht. Warum dem Hitparadendenken Vorschub leisten? Warum nicht ein wenig mehr zur vermeintlich unspektakulären Differenzierung einladen?“

Meine Antwort auf die Frage, wann ich die Unwahrheit schreibe ist ebenfalls gekürzt worden; die halbcoole Formulierung „nächste Frage“ stammt im Übrigen nicht aus meiner Feder. Da fällt mir das „wegatmen“ (s.o.) nun doch ein wenig schwer.

Wenn man sich die Mühe macht, und ein paar viele Fragebogen rückwärts liest, gewinnt man recht bald den Eindruck, dass so einige der Antwort gebenden mehr damit beschäftigt sind, den Fragen ironisch auszuweichen oder aber sie mit rüder Spitzfindigkeit zu kommentieren, als dass sie  interessante oder relevante Denkanstöße zu geben die Gelegenheit bekämen. Ich frage mich nach dem Sinn des Ganzen. Es handelt sich ja immerhin um ein Beiboot der ZEIT. Oder achtet die ZEIT Blogs derart gering, dass ihnen ein sinnstiftenderes Forum die Mühe nicht wert ist?

Kommentare:

  1. Hut ab vor Deinen gut formulierten und inhaltlich tollen Antworten, ich hoffe das bringt die verantwortlichen Redakteure ein wenig zum nachdenken... das sie Antworten von Dir kürzen und sogar verändern finde ich übrigens richtig erschreckend!

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  2. Danke, Sally.
    Nein, so erschreckend ist das nicht, bzw. ist das, ohne dir zu nahe treten zu wollen, ein wenig kurz gedacht. Es handelt sich um den ganz normalen Vorgang von schneiden oder editieren, ohne den so mancher Wort- oder Ton-Beitrag gar nicht zu rezipieren wäre.
    Genau genommen geht dieses editieren ja noch viel früher, nämlich in der Themenauswahl, los. Die wenigsten Dinge/Personen/Geschehnisse ... bekommen ja überhaupt eine Öffentlichkeit, auch wenn sie von deutlich größerer Bedeutung sind, als z.B. meine paar Antworten hier; tausend Sachen, die Beachtung mehr als verdient oder nötig hätten.
    (Hier sehe ich die große Möglichkeit von Blogs und Social Media; dass potentiell mehr Themen oder Menschen eine Öffentlichkeit bekommen können. Aber das ist wieder ein anderes Thema)

    Dass also mein Text der Schere zum Opfer fällt, damit muss ich leben, egal wie meine persönliche Befindlichkeit diesbezüglich im Einzelnen ist. Auch ich treffe ja in all meinen Posts eine Auswahl; ich schreibe nicht das ganze Treffen von A-Z auf, ich fasse zusammen und ich lasse gegebenenfalls bestimmte Aspekte ganz weg. Einfach weil es sonst zu lang, zu langweilig, zu unfokussiert wäre.

    Jedes Fernseh- oder Radiointerview, außer es ist live, ist ja geschnitten; alleine der vielen ähs und öhs wegen ein dankenswerter Arbeitsschritt. Aber auch hier sind vielleicht gerade die Pausen, in denen der Interviewte überlegt oder nach Worten sucht, interessant und sie zu komplett zu kürzen, würde das Gesagte in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

    Das ist aber in jedem Fall immer eine Manipulation über die man sich als publizierender im Klaren sein muss und die eine große Verantwortung mit sich bringt.



    Im Falle des letzten Satzes, also meiner Frage an den den Fragebogen, hab ich den kompletten Satz hier noch einmal aufgeschrieben, weil er mir so besonders wichtig ist. Und weil ich einen eigenen Blog und somit die Möglichkeit habe: Luxus, in gewisser Weise.
    Darüber hinaus hat auch das mir in den Text gelegte Wort „zulassen“ eine andere Bedeutung als meine Formulierung „einladen“. (Eine Ungenauigkeit, die mich mehr als die Kürzung selbst beschäftigt.)
    Im Fall der Antwort auf die Frage, wann ich die Unwahrheit schreibe ging mir das Ganze persönlich zu weit und, mehr als bei noch ein paar kleinen anderen Stellen, fiel mir – wie beschrieben – das wegatmen einfach schwer.

    Letztendlich aber halte ich den Fragebogen selbst für diskutierenswert.

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  3. Liebe Smilla,

    wunderbar! Herrlich! Der Fragebogen hat bei mir bislang bestenfalls gleichgültiges Überblättern ausgelöst - auch Deine Antworten hätte ich nicht gelesen, wenn Du nicht hier im Blog darauf aufmerksam gemacht hättest.
    Konformismus-Fragen einmal nonkonformistisch beantwortet - vielen Dank!
    Und übrigens: Die ZEIT hat Deine gekürzten Fragen wieder aufgenommen. Das freut mich fast am meisten, dass man (also in dem Falle: Du) doch so etwas wie mediale Macht ausüben kann!

    Herzlich
    Stefanie

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    1. Stefanie, vielen dank. Aber mit den geänderten Fragen irrst du dich; da steht alles noch genauso.
      Um "mediale Macht" gehts nir nicht, aber meine Möglichkeit mich zu äußern will ich nicht ungenutzt lassen.

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    2. Stimmt, entschuldige, ich hatte in der ZEIT nicht genau nachgelesen. Sehr schade!!

      Herzlich
      Stefanie

      P.S.: Mit "medialer Macht" meinte ich, dass es (naturgemäß) ein Ungleichgewicht gibt zwischen kommerziellen, von vielen Redakteuren hauptberuflich betriebenen Medien-Sprachrohren und den nicht-kommerziellen Wortmeldungen, die dann oft nicht so wahrgenommen werden, wie sie es verdient hätten.

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  4. @Smilla: Es ist schön Deinen Kommentar hier im Kommentarfeld zu lesen. Ich mag es, wenn Menschen so eine Art... hm... innere und äußere Weitsicht haben. Und Erfahrungen. Natürlich die eigenen.
    Außerdem wird mir ein weiteres Mal bewußt, wie sorgsam und achtsam und ganz eigen (im positiven Sinn) Du Deine... hm... Beiträge / Posts/ Deine Sicht der Dinge in deinem Blog zusammenfügst. Erstellst. Sichtbar machst. Das erzeugt in mir ein gutes Gefühl und die fördert die Entscheidung mich Dich und Deinem Blog innerlich zuzuwenden. Danke.

    Es kann nur ein mehr oder weniger großer Bruchteil sein vom Ganzen, was eine sieht, liest, spürt, hört oder sichtbar macht. In sich oder beim anderen.

    Vielleicht ist es ein Weg diese "Unvollständigkeit" als das anzusehen und wahrzunehmen, was sie auch sein kann: letztlich nicht anderes als in dem Moment vollkommen.

    Herzlichst
    Oona

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  5. Dieser Fragebogen ist mir auch bei Herrn Buddenbohm [und ihm ja anscheinend auch] schon sauer aufgestoßen. Fehlt eigentlich nur noch die Frage nach dem Lieblingsessen... Aber auch ich find' es gut, wie du damit umgehst und was du dazu kommentierst.

    Kurz zum unter einen Hut bringen der verschiedenen Facetten deiner Selbst: Interessant für mich ist/war in dem Zusammenhang der Begriff "Scanner-Persönlichkeit" und auch die Bezeichnung Multipotentialite - wobei du deinen roten Faden ja schon gefunden zu haben scheinst :).

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  6. klickerklacker2. Juni 2013 um 19:26

    Dont mess with SMILLA!

    Bedenke aber auch, dass die ZEIT ihren Blog aus liebe zur Sache macht und du deinen kommerziell....
    Ach nee, war ja www.anders-rum.de

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    1. klickerklacker: immer wieder schön, deine aufmüpfigen auf den Punkt-Kommentare zu lesen :D!

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  7. Es ist wirklich nicht einfach, mit Fragen dieser Art umzugehen. Sie neutral aufzunehmen, anzugehen, obwohl sich irgendwie schon die Haare kräuseln angesichts der ... Ja, was ist es? Banalität. Oder Fadheit? Vorgefertigtheit? Oder ist es das Gefühl, trotz der Fragerei gar nicht wirklich angesprochen zu werden? Desinteresse zu spüren? Schubladenpackerei, der man entkommen möchte?
    Und ja, auch mir wäre der Atem an der bewussten Stelle weggeblieben!

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