Donnerstag, 18. Oktober 2012

Über Gastlichkeit und so. Ein Erkenntnisgewinn


So. Heute portraitiere ich mal meine Unterkunft. Für 5 Tage und 6 Nächte ist sie gedacht mir ein, äh, Heim in der Fremde zu sein. Nach 4 Tagen und 5 Nächten, in denen ich mich um eine positive Grund­haltung bemüht und einem allzu nüchtern-realistischen Blick verweigert habe, ver­lasse ich nun, vielleicht aus Notwehr und beginnender Verzweiflung, das Prinzip des Wohlwollens, dass üblicherweise meinen Portraits zugrunde liegt. Oder anders gesagt: wen ich nicht mag, den stell ich hier nicht vor.
Also sonst.
Dennoch beginne ich mit den Vorzügen dieses unwirtlichen Ortes, an den mich freier Wille und unfreiwillige Zuteilung geführt hat und dessen Name mein Ge­heimnis bleiben soll: Es gibt Strom, es ist trocken, ich bin nachts drin und nicht draußen, es riecht insgesamt nicht schlecht, ich werde wieder abreisen, es gibt Internet und immerhin  stellen dies und die Bettwaren einen Bezug zur Ge­genwart her, die ansonsten ein karges Dasein neben den dinglichen Zeugen von allzuviel Vergangenheit in uncharmantem Gewande fristet. 
Ok. Today I'll a portray my accommodation which is supposed to be my, well...,  home for 5 days and 6 nights. After 4 days and 5 nights of trying to keep up a positive view, refusing a literal attitude, I'm now going to drop the sympathetic principle of my portrays; maybe caused by the feeling of despair, maybe as an act of self-defense. Or in other words: I don't introduce who I don't like.
Ususally.
Anyway I'll start with the amenities of this inhospitable place, where I ended up half by choice and half against my will: it offers electricity, its dry, I'm inside at night, not outside, it doesn't smell too bad, I'll leave again, it offers internet and this, together with the bedding, has something bearing on presence, which is rarely to find in this place, as I can tell. It's a place of the past, but unfortunately as a very uncharming phenomenon.



Bei der Ankunft, Samstag abends um acht, ist die Rezeption der zentral gelegenen Unterkunft (die nebenbei bemerkt soo günstig gar nicht ist) nicht besetzt. Der Schlüssel steckt in der Zimmertür. 'Die sind ja locker' denke ich da noch. Am folgenden Morgen lerne ich die Rezeptionistin und Frühstückskraft des mehrstöckigen Hotels in Personalunion kennen. Die Dame macht einen insgesamt resignierten und mutlosen Eindruck. Immerhin muss sie nicht auch noch die Zimmer reinigen. (Die junge Frau, die eigens hierfür engagiert ist, scheint allerdings ähnliches für sich entschieden zu haben.)
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When I arrived on saturday, at 8 pm, the reception desk of the central located hotel (whic by the way isn't that cheap) was unoccupied. The room key was placed in the door lock. "They're quite laid-back" I still thought at this moment. The next morning I met the receptionist and the breakfast waitress of the multistoried hotel in personal union. The lady gave the impression of despiritedness and surrender. At least it wasn't her job to clean up the rooms, to top it all of. (The young lady however, who is employed for exactly this, obviously reached the same decision for herself.)
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Dienstag, 16. Oktober 2012

Fernweh





Wenn Frau Z. lacht, und das tut sie augen­scheinlich gern, dann ist es, als würde sie einen willkommen heißen. So, wie es Men­schen gibt, die mit angeborenem Rhyth­musgefühl und geübter Leichtigkeit im Tanz zu bezaubern vermögen, so lacht Frau Z. die Leichtigkeit herbei, ohne dass neben jener nichts anderes mehr Platz finden würde. Frau Z. erzählt aus ihrem Leben und erheitert dabei sich - und mich - mit ihren kleinen eingeschobenen Kommenta­ren am Rande.
Dabei war ihr Leben keineswegs immer leicht: 1946 ist Frau Z., die aus Polen stammt, aus der Kriegsgefangenschaft nach Augsburg gekommen, weil ihre Schwester dort lebte. 10 Monate hatte sie zuvor in einem Arbeitslager in der Lüneburger Hei­de verbracht.

Vor kurzem hat Frau Z. ihren 90. Ge­burtstag gefeiert: "Acht Tage lang." Sie hat einen großen Bekannten- und Freundes­kreis und so kamen alle mal vorbei: die Nachbarn im Haus, die Segelflieger, die Nachbarn in der Strasse, Freundinnen. Ihr Mann ist vor 10 Jahren verstorben. Weit über 50 Jahre waren die beiden ein Paar. Ihre gemeinsame Leidenschaft war das Segelfliegen, aber am liebsten sind sie zusammen gereist.
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When Mrs. Z. laughs, and she obviously enjoys to laugh, it seems like she welcomes one home. Just like people who have a gift for rhythm, who are able to bewitch others through their dance, Mrs. Z. is able to generate ease and lightness, yet there's still enough space for other moods and qualities of life, as well. Mrs. Z. tells some stories of her life and she amuses herself - an me, of course - with her funny incidental remarks.
Despite the fact, that her life hasn't been easy and comfortable at all times. In 1946, Mrs. Z., who is from Poland, came to Augsburg after she was released from war captivity. Before this she spent 10 months in a work camp in Lunenbug Heath.



A short while ago Mrs. Z. celebrated her 90th birthday: "For 8 days." She's part of a big circle of friends and acquaintances and a lot of them came over, one after another: the neighbours, the glider friends, old friends...
Her husband died 10 years ago. For more then 50 years they've been living together. They shared their passion for gliding, but most they enjoyed travelling together.
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Montag, 15. Oktober 2012

Ruhe durch Reihung


Auf die Frage "Was fällt Ihnen als erstes (oder zweites) zu Augsburg ein?" würde vermutlich niemand ein Foto dieser Serie als beispielhaften Beleg wählen.
Bei meinem sieben(!)stündigen Stadtspa­ziergang waren es aber genau diese Mo­tive, die mir sonntägliche Ruhe und kontemplative Einkehr beschert haben.
Probably nobody would choose a photo of this series to illustrate the typical site of Augsburg.
Anyway, exactly these subjects and sights, which I spotted during my city stroll of seven hours provided sunday-peace and contemplation for me.



Über gute, lebensnahe Tipps, die über die Augsburger Puppenkiste (wo ich gestern selbstverständlich schon gerührt Jim Knopf und Urmel zugewunken habe) und das Brecht Haus hinausgehen, freue ich mich. Weiter gehts, bitte hier entlang...
If you have any ideas, where I should go to learn more about Augsburg, just leave a comment.
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Freitag, 12. Oktober 2012

...nichts anders, außer das Gesicht





Fiona alias Fiona Famous
"Wenn junge Männer werden" hieß eine Theatergruppe meiner Heimatstadt, da­mals, als die ganze Welt gerade Anfang 20 war. Den Namen fand ich stets so treffend wie verwirrend, denn irgendwas ist ja nicht ganz korrekt an diesem Wortgebilde. Drei junge Männer waren es, die da "wurden", und das beeindruckendste an ihnen schien mir damals ihr Mut zum Ausdruck.
Ausgedrückt wurde was nahe lag; ehrlich gesagt kann ich mich nicht an Details erinnern. Es war eher die Wucht die eben jenem Ausdruck innewohnte, die Courage sich zu trauen, mit allem raus zu trauen, die mich nachhaltig hat inne halten lassen.
Wenn junge Männer werden, erwachsen vielleicht, oder sie selber, dann entdecken sie so allerlei. An und in sich. Zum Beispiel die Liebe zur Veränderung, zur Verwand­lung, zur Vielseitigkeit, zum schwul sein vielleicht und dass sich das persönliche Sein keinesfalls in einer eindimensional statischen Form festgelegt wissen möchte.
"When young men become" was the title of a theatre-group in my hometown, back then, when all the world has been in the early twenties. I always found this name as suited as confusing at the same time; somehow it sounds strange, after all. 
Three young men formed this theatre-group, three young men who have been 'becoming'. The most impressing thing about them to me was their expression.
I can't exactly remember what they exactly expressed, probably the obvious. It was more the intensity of their way to express, the courage to show whatever they considerd inportant, which impressed me deeply and which made me pause to reflect things.
When young men become, maybe adults, maybe themeselves, they can discover quite a lot. About themselves, inside themselves. Maybe the attraction for changing, for transformation, for multi­plicity. Maybe they discover they're gay or that the personal existence isn't willing to get reduced to a static, one-dimensional form of being.



Ben alias Lady Sarafina
Flo alias Fiona Famous (ganz oben), Ben (Mitte) als Lady Serafina und Sascha (unten), der die Daphne nicht nur in sich trägt, sondern auch an seinem Leben beteiligt, sind ebenfalls drei junge Männer die da werden oder schon sind. Der beste Weg zum Werden ist möglicherweise ge­rade das Sein, das Wahrmehmen und Anerkennen all dessen was so los ist in ei­nem selbst.
Femmes-Fa-Gee, das sind Fiona und Daphne, die gemeinsam mit Lady Sarafina und einem zunehmend ausgelassen agie­renden Publikum jüngst einen wunderbaren Abend zelebriert haben.
Bei den Vorbereitungen hinter der Bühne und vor dem Spiegel habe ich die drei jungen Männer mit der Kamera begleitet und zu Frauen werden sehen. Zu Über­frauen, wie Flo es ausdrückt.
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Flo, alias Fiona Famous (above); Ben (middle) as Lady Sarafina and Sascha (below), who doesn't only contain Daphne within himself but also integrates her in his life, are three young men, as well, who are becoming something, or maybe they are it already. The best way to become is probably to be, to witness and to accept all the inner, personal realities.
Femmes-Fa-Gees, aka Fiona and Daphne, together with Lady Serafina have been celebrating a georgeous night the other day, with their audience which also was acting more and more excitedly.
I, luckiliy, had the chance to accompany the three young men during their preparation for the show with my camera. Backstage and in front of the mirrors I could watch them changing to women. To mega-women, like Flo calls it.
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