Mittwoch, 8. August 2012

Die nahe Zukunft für Spätentschlossene


Für Spätentschlossene, die ihre nahe Zukunft noch nicht verplant und somit zur freien Verfügung haben, oder jene, die ebendiese spontan umgestalten wollen, können oder müssen empfehle ich das 6 monatige Weiterbildungsprogramm Kostümbild der ifs. 
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Dienstag, 7. August 2012

Traumberuf: Binnenschiffer


"Als mich der Lehrer in der Schule gefragt hat, was ich werden möchte, habe ich geantwortet: Binnenschiffer. Ich wußte das als Junge schon und ich hab immer gesagt: Ich will Binnenschiffer werden und das werde ich auch." 1948, als Herr Krupp gerade 14 Jahre alt war hat er als Schiffs­junge seinen Berufswunsch wahr werden lassen. Da sei er aber nicht lange zur Schu­le gegangen, sage ich und Herr Krupp ant­wortet: "Ne, damals waren andere Zeiten. 8 Jahre Volksschule, mehr hab ich nicht. Ich bin nie auf eine höhere Schule ge­gangen."
Auf seinem Weg zum Kapitän hat er sämtliche Hierarchie-Stufen durchlaufen. "Ich hab auch mal als Heizer gearbeitet auf einem Dampfschiff. Da war ich noch Matrose. Es war ein Heizer ausgefallen und ich hatte mir das irgendwie selbst beige­bracht. Da stand ich dann wochenlang in der Hitze und hab Kohlen geschippt."
Als Kapitän hat er erst Schleppschiffe ge­führt, dann Motorschiffe: "Das war die schöns­te Zeit." sagt Herr Krupp. Er hatte Kohle oder Schweröl geladen und ist den Rhein rauf und runter: "Bis Rotterdam".
Schließlich hat er noch 10 Jahre lang ein Passagierschiff geführt, bevor er zurück an Land gegangen ist.
"When the teacher at school asked me which profession I'd like to take up later, I answered: Boatman on inland waters. I knew this since I was a boy and I always said: I want to be a boatman on inland waters and I will be a boatman." In 1948, when Mr. Krupp was about 14 years old, he started to let his dream come true; as a ship's boy. So, you didn't go to school very long? I ask him. "No, those where other times, back then. 8 years primary school and that was it for me. I've never visited a high school."
On his way becoming a captain he ran though all command structures. "I even worked as a stoker, that was when I still was a bluejacket. A stoker had dropped  out and for some reason I had trained myself. So for weeks I've been working in the heat, shovelling charcoal."
As a captain he first was running tugboats, then motor boats. "That was my happiest time. Mr. Krupp says. His boat-load was charcoal or gas oil and he was running up and down the Rhine with his boat: "Towards Rotterdam".
Finally he was commanding a passenger boat for 10 years before he went 'on shore' again.



Heute verkauft Herr Krupp Tickets an Rheinschiffspassagiere und er hilft gerne und geduldig mit Informationen aller Art weiter. "Ich bin jetzt 78, ich könnte auch zuhause bleiben. Aber das will ich nicht. Mich macht der Anblick der Schiffe auf dem Rhein heute noch glücklich"
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Today Mr. Krupp is selling tickets to Rhineship-passengers and he's helpfully and patiently giving any kind of information to his clients. "I'm 78 now, I could stay at home. But I don't want to. Viewing the boats on the Rhine still makes me happy."
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Donnerstag, 2. August 2012

Tarlabaşi, Istanbul


Bevor ich 2010 das erste Mal nach Istanbul gereist bin habe ich neben allerlei Tips, was ich mir dort unbedingt ansehen müsse auch den eindringlichen Rat bekommen, einen Stadtteil auf jeden Fall zu meiden: Tarlabaşi. "Da hat sich lange Zeit nicht mal die Polizei reingetraut" lautete der finale Satz des Ortskundigen, dem die eine oder andere bildhafte Beschreibung vorange­gangen war, mit welchen misslichen Situ­ationen zu rechnen sei, sollte ich dennoch einem Besuch des Viertels nicht wider­stehen können. Wo genau der gefährliche Sündenpfuhl sich befinde, in dem Krimi­nelle, Transvestiten, Drogendealer und Meuchelmörder mir entgegenlauern wür­den, wollte ich gern wissen, nicht dass ich unabsichtlich dort hineinliefe. "Vom Taksimplatz rechts, steil bergab" lautete die Antwort und in meinem Kopf entstand das Bild einer engen, kleinen dunklen Gasse die ins Verderben hinein und möglicherweise nicht mehr herausführt.
Before I went on my first trip to Istanbul in 2010 I got quite some advices and recommendations where to go and what to see. But there also was one advice, where I definitely shouldn't go: Tarlabaşi. "For a long time even the police didn't go to Tarlabaşi." Cenk told me, giving some vivid expressions of what might happen, if I couldn't resist a visit, nevertheless. So I asked him, where this cesspool of inquity was,  where the criminals, transvestites, drug dealers and assassins would lie in wait for me, so I could prevent walking into it unintentionally. "Way down the Taksim-Square on your right side." Cenk answered and I immediately imagined a small and dark lane, leading me to perdition, probably not offering any point of return.



"Es ranken sich eine Menge Mythen darum, was in armen Gegenden vorkommt, was in Slums passiert." antwortet David Harvey, Professor der Anthropologie und Geo­graphie aus New York auf die Frage, wie er die Kriminalisierung der Armen als Argu­ment für städtische Erneuerung entkräften könne. Gestellt wurde ihm die Frage in diesem Video, das Jonathan Lewis für seinen Blog Tarlabaşi Istanbul, den er gemeinsam mit Constanze Letsch schreibt, gedreht hat.
Tarlabaşi verbirgt sich hinter keiner kleinen, dunklen Gasse. Tarlabaşi ist ein Teil vom bekannten Stadtteil Beyoglu, allerdings jenseits des Tarlabaşi Boulevard, da wo eben kaum jemand hingeht, der nicht dort wohnt.
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"There's a lot of mythology which goes on about what exists in poor neighbourhoods, what goes on in slums" David Harvey, a distinguished Professor for Anthropology and Geography, living and working in New York, answers on the question how he can rebut the criminalisation of the poor as an argument for urban renewal. Jonathan Lewis made this video-interview with David Harvey for his blog Tarlabaşi Istanbul, which he's running together with Constanze Letsch.
Tarlabaşi doesn't hide behind a small and dark lane. Tarlabaşi is a part of famous Beyoglu, just on the other, on the wrong side of the road: the Tarlabaşi Boulevard. Only a few people come to Tarlabaşi, not very many, who doesn't live there.
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