Montag, 30. Juli 2012

Lifetime Mod


"Ein richtiger Mod zu sein ist keine Phase sondern eine Lebenseinstellung." George hat sich in seiner frühen Jugend ent­schieden ein Mod zu sein: "Es war die Musik, die man vorher noch nie gehört hatte, die Haltung dem Leben gegenüber." Mods wollten nicht das vorhersehbare und durchgeplante Leben ihrer Eltern wieder­holen: "Wir wollten frei sein und die Dinge so machen, wie wir sie richtig fanden. Und auf keinen Fall so leben wie unsere Eltern."
George war in den frühen 60igern eigent­lich noch zu jung für die Clubs. "Aber ich hab 4 Brüder, alle waren Mods, da bin ich überall mit reingekommen." Für seine Eltern sei das sicher nicht leicht gewesen, sagt George, der heute selbst Vater ist.
Das viele ausgehen, die Kleidung, die Dro­gen, der Roller, all das hat ganz schön viel Geld gekostet. "Wir haben alle gearbeitet. Man konnte kein Mod sein und nicht ar­beiten." Ich frage George, wo der Unter­schied war zu seinen Eltern, die ja auch immer gearbeitet haben. "Es ist nichts falsch daran zu arbeiten. Sich klein zu fühlen und einer Art Lebenslandkarte zu folgen schon eher." erklärt er mir.
"Being a real mod isn't a part-time decision, it's a matter of life." George made his decision to be a mod in his early youth: "It was about the music we've never heard before, it was about the attitude to life." Mods didn't want to repeat the predictable and well-ordered life of their parents: "We wanted to be free and to make things as we accepted them to be true. And of course we didn't want to live as our parents did."
Actually George was a bit too young in the early sixties for entering the clubs. "But I have 4 brothers, all of them were mods, so it wasn't too much of a problem to vist the clubs." For his parents the situation probably wasn't that easy, George, who is a father himself, admits.
Going out, the clothes, drugs, the scooter, a lot of money went on that. "We were all working. You couldn't be a mod, if you didn't work." I ask George what's the difference to his parents, who needed to work, also. "There's nothing wrong about work at all. To feel humble or to obey a predefined life-map however is."



Die Kleidung, das Aussehen, die Musik und der Roller, all diese Symbole und Möglich­keiten des Selbstausdruckes waren wichtig, um einen Platz im Leben zu finden mit dem man sich identifizieren konnte, an den man glauben konnte. George hatte 4 oder 5 Anzüge, jeder einzelne für ihn persönlich maßgeschneidert. "Und der Parka natür­lich. Der war wichtig, weil man mit dem Roller ja oft liegengeblieben ist, dass dann der Anzug geschont wird." Das war natürlich alles nicht billig. "Kennst du diese Bowling-Schuhe, die man früher getragen hat?" fragt er mich. "Die fanden wir toll, aber sie waren zu teuer. Wenn man bowlen gegangen ist, konnte man sie sich ausleihen. Also sind wir bowlen gegangen. Wir sind rein, haben unsere alten Schuhe dort gelassen und sind wieder raus. So haben wir das gemacht."
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The clothes, the style, the music and the scooter, all these symbols and opportunities for selfexpression have been of importance to live a life which they could deem worthy, they could identify with. George owned 4 or 5 suits, every single one was custom-made for him. "And a parka, of course. That was neccessary, because the scooter broke down every once in a while, so the suit wouldn't get harmed." All this cost a lot of money, of course. "Do you know these bowling-shoes of those days? " George asks. "We thought they were really cool, but we couldn't afford them. If you went to play bowls you could loan them. So we went to the bowling centre. We went in, dropped our own old shoes and then we left again. That's how we managed it."
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Sonntag, 29. Juli 2012

Vorgestern, gestern und heute





Erst seit wenigen Jahren lebt Ruth, die ich vor gut 3 Monaten in aller Eile angesproch­en und fotografiert habe, in Brighton. Das war ihr Traum und Wunsch, den sie sich selbst erfüllt hat.
Fotografiert zu werden ist ihr etwas pein­lich und gleichzeitig amüsiert es sie sehr, dass ich gerade sie anspreche. Sie kann nicht recht verstehen, was ich an ihr finde. Ich versichere ihr, dass ich sie ganz bezau­bernd finde und versuche zu erklären, dass ich immerzu Menschen auf der Straße anspreche.
Zum Abschied gibt mir Ruth den Tip unbe­dingt die örtliche Stadtbücherei aufzu­suchen, wo sie selbst gerade herkommt: "Da ist es sehr nett, es gibt Kaffee und die Mitarbeiter kümmern sich sehr um die Besucher."
Wenige Tage später lerne ich Andy kennen, der sich in seiner Funktion als Kommunal­politiker für den Bau eben jener Bücherei stark gemacht hat.
Kleine Welt, kleines Brighton, denke ich und freue mich.
Just a few years ago Ruth, who I approached in a hurry about 3 months ago, moved to Brighton. This has been her dream and her wish, which she finally has let come true.
She feels a bit uncomfortable to get photographed, but at the same time she's quite amused that I picked her of all people. She can't see any reason. I try to assure her that I think she's very adorable and I explain that I approach people on the street all the time.
Saying goodbye she warmly recommends to visit the local library, where she herself just came from: "It's a very nice place, they offer coffee and the staff is always taking good care of the visitors."
A few days later I get to know Andy, who as a community politician campaigned for this library. Small world, small Brighton, I think to myself and I'm glad.



Gestern habe ich mich auch gefreut, denn da bekam ich eine mail von einer mir unbekannten Leserin, die mir schrieb, sie habe meinen Blog über einen Artikel bei Spiegel Online gefunden. Nun geht es in diesem Artikel eigentlich nicht um anders-anziehen sondern viel mehr um Aris Advanced Style, der ausschliesslich ältere Herrschaften fototografiert: vornehmlich Frauen, die zudem modisch deutlich extravaganter sind als Ruth oder so ziemlich alle, die hier vorkommen.
Egal ob bunt und extravagant oder schlicht bis Rentner-beige: alten Menschen ein Forum zu geben ist offenbar eine Meldung wert.
Neulich wurde ich gefragt, warum die rahmengebende Rubrik für die alten Damen und Herren hier im Blog "Die Vorhut" heißt. Die Vorhut, das sind für mich all jene, die schon länger auf dem Weg sind. Die schon mehr erlebt, erfahren und ausprobiert haben. Und von deren Wissen, Erfahrung und Herzensreichtum alle profitieren, die erst später losgelaufen sind, um sprachlich mal im Bild zu bleiben. Zum Beispiel das gesamte Mittelfeld, zu dem auch ich mich zähle, sowie die Nachhut (die ebenfalls mit einer eigenen Rubrik hier vetreten ist).

Die beiden Damen im Park tragen übrigens königlich englische Namen: Elisabeth und Margaret. Anders als Ruth leben sie bereits beinah ihr Leben lang in Brighton.

Vorgestern hatte mein Blog seinen dritten Geburtstag den ich vor lauter und hoch­konzentrierter Arbeit fast ganz vergessen hätte. Mit Ruth, Elisabeth und Margaret halte ich nun also heute mein virtuelles nächtliches Kaffeekränzchen. Und freu mich.
Danke!
Yesterday I've been glad, also. I received a mail from an unknown woman who told me that she found my blog through an article at Spiegel Online. Actually this article wasn't about anders-anziehen, but rather about Ari's Advanced Style, who focuses on the elderly. Mostly women and mostly a lot more style-aware than Ruth or all of my blog-inhabitants.
But no matter whether all dressed up in fancy style or in a simple senior-beige: to give a forum for the elderly is  worth a news article, obviously.
The other day someone asked me why the category for the elders is called "the vanguard", in german. To me the vanguard describes all those who are on the way since a longer time than the others. Who have witnessed, experienced and tried a lot more. From whose experience, knowledge and nobleness of the heart we all, who are following, benefit. For example the whole midfield, where I belong to, but also all the young ones, who are labeled as the rear guard in this blog, by the way.

The two ladies in the park have queenlike names: Elisabeth and Margaret. Different from Ruth they're living in Brighton almost a lifetime.

The day before yesterday  was my blogs third birthday, which I almost forgot completely, because of overmuch demanding work. So, with Ruth, Elisabeth and Margaret I'll now have my virtual nighttime coffe party and I'm glad, again.
Thanks!


Dienstag, 24. Juli 2012

Urlaub in Stiefeln





Abeo macht Urlaub. Und ein wenig Zeit da­von hat er, wie viele andere auch,  dem Kölner Dom gewidmet.
Mit etwas Abstand und skeptischer Miene hat er sowohl den Dom als auch das teure Geschäft davor im Blick, in das seine mutmaßlichen Anverwandten entschwun­den sind, während ich wiederum ihn im Blick habe. Ich überlege, ob jemand der so mexikanisch aussieht wohl auch tatsächlich Mexikaner ist.
Und während ich einerseits fest damit rechne, dass er gleich mit einer Antwort im breitesten bayrisch untermauert, wie sehr man doch mit seinen Vermutungen dane­ben liegen kann, stelle ich stattdessen wenige Sekunden später fest, dass so manche sichtbare Erkennungssymbolik verlässlich und verstehbar ist. 

Abeo ist Mexikaner, lebt aber seit über 10 Jahren in Dallas. Er betreibt dort ein mexikanisches  Restaurant und wer nun meint, wir hätten das Gespräch auf eng­lisch geführt, der irrt. Ich spreche kein spanisch, Abeo kaum englisch. Offenbar ist sein unmittelbares Lebensumfeld stark mexikanisch geprägt: quasi die vertraute Welt in einer neuen Welt.
Ich frage Abeo nach seinen Stiefeln, denn auch wenn ich mich nicht auskenne sehe ich doch, dass es Schlangenlederstiefel sind. Während ich das frage fürchte ich mich schon vor einer sich anbahnenden Diskussion diesbezüglich hier im Blog, das will ich nicht verschweigen.
Ich verstehe, nach vielen und langwierigen Verständnisfragen, dass der Schlangenle­derstiefel an sich für Abeo ein Status­symbol ist. Und nicht nur für ihn, sondern für alle, die seine Welt bevölkern. Dass es in Deutschland verpönt ist, mit Kleidung und Accessoires aus Schlangenleder herum­zulaufen, nimmt er gelassen und ein wenig erstaunt zur Kenntnis.
Dabei scheint ihn weniger der Umstand an sich zu beeindrucken, als vielmehr, dass ich so darauf herumreite. Abeo hat ca. 5 Paar Schlangenlederstiefel und passende Gürtel dazu. Für ihn liegt darin neben Tradition auch Normalität.
Abeo takes a vacation. And like many other tourists in Cologne he spends some time at the Cathedral. He stands a few meters apart, keeping one eye on the cathedral, but also regarding the expensive store in front of it sceptically, which was entered by his his assumedly relatives a second ago. I in turn have him in view, considering, if someone who looks so mexican actually is mexican.
While I expect, that he'll answer my question in a broad bavarian dialect, proving how one's presumptions can fail, instead I realize a second later, that some sent messages and symbols are easily to read und reliably comprehensible.

Abeo is Mexican, but since about 10 years he's living in Dallas. There he runs his own restaurant, providing mexican food. So, if you now expect us to have talked in english, this is wrong. I can't speak spanish and Abeo hardly speaks english. Obviously his next-door circumstances are all mexican; a familiar world inside an unknown world, so to say.
I ask Abeo about his boots. Although I don't know much about it, I  easily can realize that he wears snakeskinboots. Asking this I'm yet afraid of the discussion this blogpost may arouse, to tell the truth.
After quite a few comprehension questions I learn that for Abeo, and for the world he's living in, snakeskinboots serve as a status symbol. When I tell him, that in germany wearing clothes made of snakeskin is a taboo, he takes it calmly, while he seems to be astounded in a way.
But what astounds him most obviously isn't the fact itself, but that I don't stop dwelling on this subject. Abeo owns 5 pairs of snakeskinboots with corresponding belts. For him this is an ancient tradition and it also reflects normality.

Sonntag, 15. Juli 2012

Ohne dieses Niederknien





"Wissen Sie, ich bin eine gläubige Christin. Das gibt mir Halt." antwortet Frau K. auf meine Frage, wie sie im Alter ihr Leben lebt. Frau K. ist 81 Jahre alt und war 45 Jahre lang berufstätig: "Als kaufmännische Angestellte." Sie fühlt sich fit, auch wenn sie kein Fahrrad mehr fahren kann: "Ich bin mein Leben lang Fahrrad gefahren, heute geht das nicht mehr. Ich fahre aber noch Auto." sagt sie und schlägt vor, dass ich sie neben ihrem Auto fotografiere.
Als Mensch, der zwar in einer christlich so­zialisierten Gesellschaft großgeworden ist, selbst jedoch keinerlei religiöse Erziehung  erfahren hat, wohnt mir eine tiefe Skepsis inne, die sich auf jede, mir nur schwer verständliche, Verehrung von Göttern und Gurus bezieht. Das äußere ich auch Frau K. gegenüber und formuliere, wie erschüt­ternd grausam ich beispielsweise das Bild des Jesus am Kreuz finde. Frau K. versteht was ich meine und teilt in gewisser Weise sogar meine Ansicht, wenngleich die Kreu­zigung an sich in ihren Augen einen zentralen Punkt des christlichen Glaubens darstellt: "Ich bin in einer freien Christen­gemeinde. Da haben wir kein Kreuz an der Wand. Ich muss das Kreuz nicht sehen, ich muss es innen fühlen." Frau K's. Gemeinde orientiert sich am Alten Testament. "Bei uns geht es sehr einfach zu. Wir lesen Bibeltexte und beten, aber ohne dieses Niederknien. Das Bild des Kreuzes ist von Menschen gemacht, Gott wollte das nicht."
Zum Abschied lädt Frau K. mich ein: "Kommen Sie doch einmal mit. Bei uns gibt es einige, mit denen Sie das Thema sicher noch erschöpfender diskutieren können" sagt sie fröhlich und eilt behende davon.
"You know, I'm a believer. That gives me security." Mrs. K answers on my question, what her life is about at an older age. Mrs K. is 81 years old and she was employed for 45 years: "As a commercial employe." She feels fit although she wouldn't ride a bike anymore: "I used to cycle a lifelong, that's not possible anymore. But I still drive my car." she says, suggesting to take the photo in front of her car.
Though I grew up in a christian oriented society I wasn't raised religiously myself at all. So I have to admit that I'm quite sceptical about any kind of worship of Gods and Gurus, which for me is even hard to understand. I tell all this to Mrs. K. and as an example I try to express the cruelty of the image of Jesus on the cross. Mrs. K. can understand that and she even sympathizes with my opinion, although to her mind the cruzifixion represents an essential point of christian belief: "I'm member of a free christian community. We don't have a cross at the wall. I don't need to see the cross, I must feel it inside."
Mrs. K's community refers to the Old Testament. "We are practising in a very modest way. We read the bible and we pray, but without this kneeling down. The image of the cross is made by humans, God didn't ask for it."
As we say goodbye Mrs. K. invites me: "You can come along once. There might be some, with whom you could have an even more detailed discussion on this."

Freitag, 13. Juli 2012

Und nun: Rechtliches


Mein Blog ist um eine Unterseite reicher: hier finden sich nun ein paar Hinweise zum Thema Rechtliches. Genauser gesagt zu den Themen Urheber- und Persönlich­keits­recht.

Und ein paar Worte zum Findungsprozess habe ich ebenfalls niedergeschrieben:


"Olivenbäume und Antworten brau­chen Zeit" lautet die Überschrift des ersten Kapitels von Rafik Schamis Roman "Die dunkle Seite der Liebe".
Dieser Aphorismus geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Weniger wegen einer ausge­prägten Affinität zum Olivenbaum an sich, als vielmehr wegen der Antworten. 7 Jahre und länger dauert es bisweilen, so habe ich nach­gelesen, bis ein Olivenbaum die ersten Früchte trägt. Wie lange es mitunter dauern kann, bis eine Antwort herangereift ist weiß ich hingegen aus eigener Er­fahrung.
Antworten muss man nicht notwendiger­weise auf Fragen anderer geben. Im Ge­genteil, die quälendsten Fragen stellt man sich oftmals ganz alleine. (Nicht selten nachts.)
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My blog contains a new site: here you can find some basic informations con­cerning the legal basis. More precisely concerning copyrights and personality rights.


And I've written down some words con­cerning the process of discovering how to frame these statements:

"Olive trees and answers require time" is the headline of the first chapter of Rafik Schamis "The dark side of Love".
I can't get his aphorism out of my head anymore.
Not because I have an strong affinty for olive trees, but rather because of the answers. Occasionaly it takes about 7 years until an olive tree bears its first fruits, how I found out lately. How long it may take to find some answers I know from my own experience.
Answers doesn't necessarily need someone elses question. Quite contrary; the most racking inquirys are completely selfmade. (Often they occur at night-time)
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Mittwoch, 11. Juli 2012

Hochzeitsreise





So frisch und unvermittelt mein Wunsch ist, nach Applecross an Schottlands West­küste zu reisen, so zweifelsfrei hat er sich bereits an einem sicheren Plätzchen in mir eingenistet. Und das liegt an Ruairidh. Für deutsche Ohren ungewohnt erfordert die Aussprache dieses seltenen gälischen Namens eine gewisse Zungenfertigkeit: simpel ausgedrückt spricht es sich ähnlich wie Rudi, erklärt mir Ruairid entgegen­kommend. Wobei das "d" darin einem gerollten "r" ähnelt. Bei jenen die fähig sind ihrer Aussprache einen gälischen Klang zu verleihen klingt es wie Ruaree, nur schöner.
Ins deutsche abgeleitet lautet der Name Roderick. Das klingt ein bisschen wie "rothaarig" und das ist auch eine der ihm zugeschriebenen Bedeutungen.
I have a new and unexpected wish, which occured popped up all of a sudden, but anyway it yet made itself quite comfortable deep inside my heart and became serious in no time: I definitely want to travel to Applecross in West- Scotland. And this wish is generated by Ruairidh. To germans this rare gaelic name isn't that easy to pronounce and it demands some verbal glibness. Somehow it sound similar to the german name Rudi, Ruairidh explains obligingly. If he says it's more like Ruaree; it sounds really nice!
The german version of this name is Roderick, which sounds a bit like  the german "red-headed", which is one of quite some meanings this name obviously has.



Ruairidh hat seinen abgelegenen Heimatort verlassen der hierzulande bei so manchem Fernweh auslösen dürfte, und dessen Name zudem Rückzugsort bedeutet. Seit kurzem ist er also selbst auf Reisen.
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Ruairidh, which by the way means something like "the sanctuary" in gaelic, left his remote home village, which might easily arouse peoples desire to travel over here. Since a short while he's travelling himself.
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Sonntag, 8. Juli 2012

"Typisch Tussi"





Um es gleich vorwegzunehmen; die Über­schrift beschreibt weder Melani im roten Kleid noch ist sie ein Spiegel meiner per­sönlichen Meinung. Eigentlich lässt die darin enthaltene Aussage sogar jeden An­spruch auf Wahr- oder gar Wahrhaftigkeit vermissen.
Am treffendsten lässt sich die Überschrift wohl in die Kategorie Projektion einsor­tieren. Wer sich schminkt, frisiert und hübsch macht, sich bei der Wahl der Kleidung Zeit nimmt oder Mühe gibt, dem wird nicht selten Eitelkeit und Oberfläch­lichkeit nachgesagt, wobei diese Begriffe natürlich selbstredend negativ besetzt sind und möglicherweise mehr mit dem beur­teilenden als dem beurteilten zu tun haben.
Melani hat Spaß daran, sich feminin zu kleiden, sie genießt es Frau zu sein. Sie tanzt gern Burlesque, nicht zuletzt weil sie darin eine Möglichkeit sieht, ihre Weib­lichkeit auszuleben: "Das kann man ja sonst heute kaum mehr machen, ohne in den Verdacht zu geraten, eine Tussi zu sein."
Auch beim Thema Gleichberechtigung und Emanzipation trägt man in geschminktem Zustand also bisweilen schwereres Gepäck; dass man beim weiblich-sein kein Weibchen ist, ist nicht unbedingt in allen Köpfen angekommen: "Wenn man einen Rock und hohe Schuhe trägt wird man oft gefragt ob man noch was vor hat. Ich möchte aber feminin rumlaufen können, ohne noch was vorzuhaben."
"Chick-like" is the translation of the german headline and to cut it short it's  neither a discription of Melani in her red dress nor my personal opinion. Actually the headline even lacks of any demand of truth or truthfulness.
The headline probably is best explained by the word projection. Women who are wearing make-up, taking good care of their hair-do or who choose their wardrobe thoroughly  often are categorized as superficial and vain and of course these words are connoted negatively, even if they probably tell more about those who judge than those who get judged.
Melani likesto dress up femininely, she enjoys being a woman. She loves to dance burlesque, not least because this gives her an opportunity to act out her femaleness: "This is hardly possible nowadays, if you won't get suspected being a chick."
So if it comes to emancipation or sexual equality it still may be even harder to be taken seriously if you pretty yourself up. That being dressed up doesn't automatically means to be dumb hasn't reached the minds of all people yet.
"If you're wearing a skirt and high-heels you often get asked if you'll be going out. But I want to dress up femininely without going out."


Bestimmte Elemente des Burlesque-Tanzes hat Melani in ihr alltägliches Bewegungs-Repertoire aufgenommen: "Es gibt da große Bewegungen und Gesten, zB. wenn man sich hinsetzt. Das wirkt vielleicht seltsam auf andere, aber es macht Spaß und fühlt sich einfach gut an."

"Die sind schon sehr persönlich" antwortet Melani auf meine Frage, was ihre Tattoos ihr bedeuten. Ihren linken Arm ziert ihre Katze Mimi: "Die wird noch bunt und überhaupt wird das hier noch alles voll," sagt Melani und zeigt auf ihre Arme. Ganz altmodisch und entsprechend verschämt frage ich, wie sie ihre Tattos wohl findet, wenn sie 65 ist. "Da hast du doch sicher drüber nachgedacht?" sage ich und fühle mich unsagbar spießig. "Man lebt nur einmal" antwortet Melani. "Eigentlich hab ich da nicht so drüber nachgedacht. Ich finde es jetzt richtig und gut."
Melanis Tatoos erzählen kleine Geschich­ten: Der bunte  Totenkopf auf ihrer Brust ist in Anlehnung an einen der größten und wichtigsten Feiertage in Mexico ent­standen: der Dia de los Muertos: Tag der Toten. In Mexico wird das Thema Tod, anders als bei uns, nicht tabuisiert. Am Tag der Toten kommen nach dem Volksglauben die Verstorbenen zu Besuch und das wird ausgiebig und bunt gefeiert. Dieser Gedanke gefällt Melani: "Da ist dann dieser Totenkopf als Symbol eben viel passender für mich, als wenn ich mir da 'ne große Sonnenblume stechen lasse."
Some elements of burlesque-dance Melani integrated to her all-day-repertoire of personal style of movement. (sorry for my bad english)
"There are a lot of sweeping gestures in burlesque-dance, for example if you take a seat. Maybe this looks strange to others, but it's fun and it simply feels good to me."

"They are quite personal" Melani replys on my question, what her tatoos mean to her. Her left arm shows her cat Mimi: "This tatoo will get colored later and besides there will be tatoos all over." Melani says, pointing at her arms. Pretty old-fashioned and according to that feeling awkward I ask, how she'll think about her tatoos at the age of 65. "You must have considered that thoroughly, didn't you?" I ask, feeling completely narrow-minded. "You only live once" Melany answers. "Actually I didn't really consider that beforehand. Today I think I'm doing the right thing."
Melanis tattos are telling little storys: the colored skull on her chest is dedicated to one of the most important and popular feast days in Mexico: the Dia de los Muertos, the Day of the Dead. The mexicans doesn't ignore death, it's not tabooed like it is in our culture. In popular belief at the Day of the Dead the departed are visiting the living. This calls for an extensive and colorful celebration, which lasts several days. Melani rather likes the idea: "So this skull fits much better to me as, lets say, a huge sunflower."

Sonntag, 1. Juli 2012

Von oben gesehen...


...erzählt die Straße ihre Geschichten. Naja, eigentlich denkt man sich die Ge­schichten vermutlich zum größeren Teil einfach selbst aus. Und jeder reimt sich seine eigene angenommene Wahrheit zusammen, je nachdem wie die ver­meintlichen Indizien und Symbole im Geiste besetzt sind und somit gedeutet werden. Morgen zeige ich deswegen mal wieder ein Foto von vorn. Mit nachfragen und so.
Seen from above the street tells it's storys. Well, actually most of these storys probably are made up by ourselves. And anyone can figure out his or her personal presumed truth, depending on how the seen signs and symbols are interpreted and connoted. So, tommorrow I'll post a photo from the front side again. With asking questions and stuff like that.