Samstag, 29. Dezember 2012

Dreizehn


Jüngst trug es sich zu, dass ich beim Roulette zugegen war. Nicht etwa um mein Glück zu wagen, sondern um das Ringen, Jagen und Bangen anderer um und nach eben jenem stimmungsvoll im Bilde fest­zuhalten. Und wie ich später die vom Eifer und der angespannten Konzentration hitziger Spielleidenschaft Zeugnis geben­den Fotos gesichtet habe, fiel mir eines auf: immer wieder spielte die Zahl 13 eine prominente Rolle. Vielleicht, so kam mir schließlich in den Sinn, hätte ich doch einmal auch selbst lässig die Jetons umher schmeißen  sollen. Denn dass die 13 die Zahl meiner abergläubischen Wahl gewesen wäre ist nur allzu wahrscheinlich. Ganz sicher hätte ich auf sie gesetzt. Nun ist gerade das "spielen um", zudem ums Glück, kein Motiv, dass mich durchs Leben trägt.
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Lateley I had the chance to attend an european roulette. Not for pushig my luck, but to capture the pursuit and yearn of fortune of those whow were ready to play the game. Later, when I checked the pictures I took, it striked me that the number 13 played a central role that evening. Suddenly a thought crossed my mind; maybe I should have grabbed the chance to bet, as well, at least even once. It is highly probable that the 13 would have been my superstitious choice. For sure I would have bet on the 13, though playing, especially if it comes to gambling, isn't a distinct attribute of mine.
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Freitag, 28. Dezember 2012

Revue (1)


Was zu kurz gekommen ist in diesem Jahr? Mein Blog. Sehenden Auges, mit ratlosem Bedauern und konfrontiert mit der Un­möglichkeit noch mehr zu schaffen und zu arbeiten, als ich nicht selten bis tief in die Nacht ohnehin schon getan habe, musste ich Monat um Monat erneut einsehen, dass hier mehr Ruhe herrschte als in meinem Leben. Und vor allem mehr als mir lieb war.
Dabei habe ich noch so viele Fotos, die zu veröffentlichen ich einfach nicht geschafft habe. Bis die Geschichten zu den Bildern in meiner Erinnerung zu blass und vage wa­ren, als dass ich sie noch hätte nieder­schreiben können. So wie die der jungen Frau, die ich im im verregneten Brighton angesprochen habe. Ihre Karte, die sie mir gab, habe ich verloren oder verlegt und so bleibt sie hier nun namenlos.

Sie ist Schneiderin und arbeitet bei einem Designer, den ich Tage zuvor geplanter­weise in Brighton getroffen hatte. So gern ich seine Mode - vorzugsweise für den Herren - mag, so leer ist die Begegnung geblieben, und ich habe mich entschieden nicht darüber zu berichten. Statt dessen traf ich also seine Angestellte Lizzy? Alice? Tage später auf der Strasse, die mich mit ihrer Mischung aus Präsenz und Zurück­haltung beeindruckt hat. 
Mit ihr beginnt meine zweiteilige Revue des sich dem Ende zuneigenden Jahres.
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So, looking back, what did I neglect this year? My blog, definitely. Though with my eyes open, realizing the fact I simply could'nt help it. There was so much work to do and to me it seemed to be impossible to do even more, than I did yet, often working until after midnight. So month by month I repeatedly had to admit that there wasn't as much going on at my blog, as it was in my life. Which hasn'nt been my choice all the time.
Actually I've made so many pictures during the year, not finding the time to write down all the storys who come along with them. Finally the stories were kind of fading away, even harder to put them in words. As with this young lady I've met in rainy Brighton. She gave me her card, but I lost it or maybe misplaced it. Thats why she stays nameless in this post. 

She's a seamstress, working for Designer who I've met some days before, by appointment. Although I really appreciate his clothes, especially the mens wear, our meeting was kind of irrelevant to me and so I decided not to write about it. Instead I've met his employee, Lizzy? Alice? a few days later, by chance on the street. She really impressed me with both her presence and her reclusiveness.
With her I'll start my little 2 part-petrospect of 2012.
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Mittwoch, 26. Dezember 2012

...weiter gucken


1966 haben Jan und Clasina sich bei einem Urlaub in Österreich kennengelernt.
Damals war Jan 34 Jahre alt, Clasina war 2 Jahre jünger. "Es war eine Reisegruppe. 10 Leute und er war einer davon" sagt Clasina. Seitdem sind sie ein Paar und momentan sind sie wieder auf Reisen; sie haben eine Flußkreuzfahrt gebucht und schippern seit 7 Tagen auf dem Rhein umher. Morgen geht es zurück nach Holland, wo die beiden leben. Auf meine Frage worin ihrer Meinung nach das Geheimnis einer glück­lichen Beziehung liegt, lacht Clasina fröhlich los, als hätte ich einen ebenso überraschenden wie komischen Witz ge­macht. Dabei schaut sie  Jan an, dem sie dann die Frage übersetzt. Auch er lacht nun und so lachen sie ein Weilchen gemeinsam. 'Das wissende Lachen der Erprobten', schießt mir als Gedanke durch den Kopf und Clasina setzt zu einer Antwort an: "Geduld. Geduld, mit allem was der andere macht. Wir haben beide schlechte Eigenschaften."  Man solle aber nicht so kleinlich am Moment kleben: "Wir gucken weiter." sagt sie und guckt mich forschend an, ob ich wohl verstehe, was sie meint.
Back in 1966 Jan and Clasina became acquainted during a holiday trip in Austria.
Jan was at the age of 34, Clasina was 2 years younger than him. "It was a tour group of ten, and he was one of them." Since then they are a couple and they still like to travel: currently they're on a river cruise on the Rhine for 8 days; tommorrow they'll be back in the netherlands, where they are from. When I ask them, what to their mind makes a relationship happy and lasting, Clasina starts laughing immediateley, like I'd have told a surprising and really good joke. She keeps looking at Jan, translating my question for him. Finally he also starts laughing,  and so they're laughing together for a moment. 'The  aware laugh of the tested', this thought quickly crosses my mind, and Clasina answers deliberately: "Patience. To be patient with anything your partner does. Both of us have misfeatures." But one shoudn't just small-minded consider the very moment: "We try to be far-sighted." she explains, having an inquiring eye on me, if I understand what she means.



Die beiden beraten sich kurz auf nieder­ländisch was noch zu nennen wäre, und Clasina fährt fort: "Außerdem die Freiheit alles zu tun was man selbst möchte. Jan spielt Schach und ich singe im Chor. Das ist wichtig, dass man diese Sachen macht, die man tun will. Wir machen aber auch viel gemeinsam, wir gehen viel wandern." Jede Woche machen sie rund um ihren Wohnort einen langen Spaziergang, wie Clasina es nennt: "So 25 - 30 Kilometer. Manchmal auch länger, dann sind wir ein paar Tage unterwegs."
Zum Abschied bedanken sie sich enthu­siastisch für die nette Begegnung. Dabei bin doch ich diejenige die zu danken hat: für die Offenheit, die Zeit, das Vertrauen und die wohlüberlegten Antworten. Vielen Dank, Clasina und Jan!
They quickly confer what else should be mentioned and Clasina goes on: "Furthermore the freedom to do all the things you personally want to do. Jan plays chess and I'm singing in a choir. That's important, to do those things. But we also share a lot of things. We go on hikes very often." Every week they  go for a long stroll, like Clasina calls it: "About 25 to 30 kilometers. Sometimes even more, then we're out for some days."
When we say good-bye they are enthusiastically giving thanks to me for the  pleasant meeting. And yet I'm the one who is thankful: thankful for the sincerity, the time, the trust and for the well-considered answers. So, thank you, Jan and Clasina!






Samstag, 15. Dezember 2012

Der Retro-Salon





Kaum guckt man mal ein paar Monate nicht vorbei..., denke ich mir, als ich neulich bei Esther für ein Shooting ein paar Requisiten leihen möchte.
Esther ist Raumausstatterin. Und zwar mit Leib und Seele. Ich bin beruflich mit ihr locker aber treu verbandelt, und immer wenn ich sie nach, bei, vor oder mitten in der Arbeit erlebe, kommt mir das Wort Vollblut in den Sinn. Vor über sieben Jahren hat sie sich mit  ihrem Werksalon selbstständig gemacht: für Foto, Film und Veranstaltungen verwandelt sie leere Räume und Hallen in neue Welten, die glaubwürdig und lebendig wirken.
Vor 3 Monaten hat Esther die leerstehende Etage unter ihrem Werksalon dazuge­mietet. Leer, karg und abgewirtschaftet wie die Räume nach dem Auszug des letzten Mieters waren, habe ich sie damals im Vorbeigehen kurz besichtigt. 
Well, it must been quite a while... I thought to myself, when I visited Esther the other day, to lend some props for a shooting.
Esther is an interior-decorator. With heart and soul, to be exact.  Even if it happens rarely, our job-pathes are crossing repeatedly and solidly, and every time I watch or witness her doing her work a word crosses my mind: thoroughbred. More than seven years ago she started her own business called Werksalon: she creates, designes and produces scenerys and interiors for filmers, photographers and for events.
One year ago she took her chance to rent the floor underneath the Werksalon. Back then I took a quick look at it by the way, when it looked totally abandoned, empty and run-down.



Und deswegen musste ich bei meinem jüngsten Besuch auch erst mal fassungslos innehaltend überlegen, ob ich mich in der Etage geirrt habe.
Als ich Esther frage, was sie an ihrem Beruf am meisten liebt kommt die Antwort ohne Zögern: "Werkeln."  Und nach einer kurzen Pause fügt sie an: "Es gibt nichts anderes was ich lieber mache. Das ist genau DAS."
Werkeln bedeutet für Esther Räume und Gegenstände zu bearbeiten, zu erschaffen und zu gestalten. Und das hat sie in den vergangenen Monaten auch mit und in der leerstehenden Etage gemacht.
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And for this reason I stopped abruptly the last time when I entered the room; totally confused I considered, if I missed the right door.
On my question what she loves most about her work Esthers quick reply is: "To putter around". And then she adds: "There's nothing I like more than doing what I do, it's exactly this."
Puttering around means for Esther to work at things, to create and to design things and to combine them. And that's what she did in her new rooms during the last months.
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Montag, 26. November 2012

Beauty





Henrik ist Schwede. Er stammt aus Stock­holm und lebt seit einer Weile in Göteborg, wo er Architektur studiert. Wohin genau er beruflich möchte weiß er noch nicht, was ihn interessiert hingegen schon: die Schön­heit. Ich frage ihn, was er darunter versteht: "Nichts im speziellen. Es ist eher ein Gefühl an dem man merkt, dass etwas schön ist." sagt er und klopft sachte mit der Hand auf seinen Bauch.
Henrik mag alte Häuser, alte Straßen, alte Stadtviertel: "Wenn etwas ganz neu ist, dann hat es noch keine Geschichte. Mich interessiert aber gerade die Geschichte, die Spuren von Menschen, das Ungeord­nete, wenn nicht alles ordentlich ist." Darin liegt für ihn Schönheit - in den Spuren der Zeit und des Vergangenen, in den Spuren, die Menschen hinterlassen und die vom Leben erzählen.
An seinem letzten Tag in Köln macht er einen Spaziergang durch Ehrenfeld. Er hat eine Kamera über der Schulter und läuft halb schlendernd, halb zielstrebig über die Straße, mit der kontemplativen Wachheit eines Menschen, der sich darauf freut, was sich ihm hinter der nächsten Ecke zeigt.
Ich zögere keinen Moment ihn anzu­sprechen.
Henrik is Swede. He's from Stockholm, but since a short while he lives in Gothenburg, where he studies architecture. Yet he couldn't specify his professional goals, but however he can tell what arouses his interest: beauty. I ask him what he exactly means by this: "Nothing special. It's about a feeling, I think, to consider something beautiful." he says, slightly tapping with his hand on his belly.
Henrik likes old houses, old streets, old districts: "When something is totally new it doesn't have a history yet. But it's the history which is interesting me, the traces of people, the disorder, if it's not tidy." That's what consists beauty, according to him: the traces of time and the past, marks made by humans, which are telling from life.
On his last day in Cologne Henrik takes a walk through Ehrenfeld. He has his camera with him and he crosses the street half unintentionally, half purposefully, revealing the contemplative alertness of someone who is curiously looking forward what he will see at the next corner.
I approach him, not missing a beat.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Über Gastlichkeit und so. Ein Erkenntnisgewinn


So. Heute portraitiere ich mal meine Unterkunft. Für 5 Tage und 6 Nächte ist sie gedacht mir ein, äh, Heim in der Fremde zu sein. Nach 4 Tagen und 5 Nächten, in denen ich mich um eine positive Grund­haltung bemüht und einem allzu nüchtern-realistischen Blick verweigert habe, ver­lasse ich nun, vielleicht aus Notwehr und beginnender Verzweiflung, das Prinzip des Wohlwollens, dass üblicherweise meinen Portraits zugrunde liegt. Oder anders gesagt: wen ich nicht mag, den stell ich hier nicht vor.
Also sonst.
Dennoch beginne ich mit den Vorzügen dieses unwirtlichen Ortes, an den mich freier Wille und unfreiwillige Zuteilung geführt hat und dessen Name mein Ge­heimnis bleiben soll: Es gibt Strom, es ist trocken, ich bin nachts drin und nicht draußen, es riecht insgesamt nicht schlecht, ich werde wieder abreisen, es gibt Internet und immerhin  stellen dies und die Bettwaren einen Bezug zur Ge­genwart her, die ansonsten ein karges Dasein neben den dinglichen Zeugen von allzuviel Vergangenheit in uncharmantem Gewande fristet. 
Ok. Today I'll a portray my accommodation which is supposed to be my, well...,  home for 5 days and 6 nights. After 4 days and 5 nights of trying to keep up a positive view, refusing a literal attitude, I'm now going to drop the sympathetic principle of my portrays; maybe caused by the feeling of despair, maybe as an act of self-defense. Or in other words: I don't introduce who I don't like.
Ususally.
Anyway I'll start with the amenities of this inhospitable place, where I ended up half by choice and half against my will: it offers electricity, its dry, I'm inside at night, not outside, it doesn't smell too bad, I'll leave again, it offers internet and this, together with the bedding, has something bearing on presence, which is rarely to find in this place, as I can tell. It's a place of the past, but unfortunately as a very uncharming phenomenon.



Bei der Ankunft, Samstag abends um acht, ist die Rezeption der zentral gelegenen Unterkunft (die nebenbei bemerkt soo günstig gar nicht ist) nicht besetzt. Der Schlüssel steckt in der Zimmertür. 'Die sind ja locker' denke ich da noch. Am folgenden Morgen lerne ich die Rezeptionistin und Frühstückskraft des mehrstöckigen Hotels in Personalunion kennen. Die Dame macht einen insgesamt resignierten und mutlosen Eindruck. Immerhin muss sie nicht auch noch die Zimmer reinigen. (Die junge Frau, die eigens hierfür engagiert ist, scheint allerdings ähnliches für sich entschieden zu haben.)
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When I arrived on saturday, at 8 pm, the reception desk of the central located hotel (whic by the way isn't that cheap) was unoccupied. The room key was placed in the door lock. "They're quite laid-back" I still thought at this moment. The next morning I met the receptionist and the breakfast waitress of the multistoried hotel in personal union. The lady gave the impression of despiritedness and surrender. At least it wasn't her job to clean up the rooms, to top it all of. (The young lady however, who is employed for exactly this, obviously reached the same decision for herself.)
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Dienstag, 16. Oktober 2012

Fernweh





Wenn Frau Z. lacht, und das tut sie augen­scheinlich gern, dann ist es, als würde sie einen willkommen heißen. So, wie es Men­schen gibt, die mit angeborenem Rhyth­musgefühl und geübter Leichtigkeit im Tanz zu bezaubern vermögen, so lacht Frau Z. die Leichtigkeit herbei, ohne dass neben jener nichts anderes mehr Platz finden würde. Frau Z. erzählt aus ihrem Leben und erheitert dabei sich - und mich - mit ihren kleinen eingeschobenen Kommenta­ren am Rande.
Dabei war ihr Leben keineswegs immer leicht: 1946 ist Frau Z., die aus Polen stammt, aus der Kriegsgefangenschaft nach Augsburg gekommen, weil ihre Schwester dort lebte. 10 Monate hatte sie zuvor in einem Arbeitslager in der Lüneburger Hei­de verbracht.

Vor kurzem hat Frau Z. ihren 90. Ge­burtstag gefeiert: "Acht Tage lang." Sie hat einen großen Bekannten- und Freundes­kreis und so kamen alle mal vorbei: die Nachbarn im Haus, die Segelflieger, die Nachbarn in der Strasse, Freundinnen. Ihr Mann ist vor 10 Jahren verstorben. Weit über 50 Jahre waren die beiden ein Paar. Ihre gemeinsame Leidenschaft war das Segelfliegen, aber am liebsten sind sie zusammen gereist.
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When Mrs. Z. laughs, and she obviously enjoys to laugh, it seems like she welcomes one home. Just like people who have a gift for rhythm, who are able to bewitch others through their dance, Mrs. Z. is able to generate ease and lightness, yet there's still enough space for other moods and qualities of life, as well. Mrs. Z. tells some stories of her life and she amuses herself - an me, of course - with her funny incidental remarks.
Despite the fact, that her life hasn't been easy and comfortable at all times. In 1946, Mrs. Z., who is from Poland, came to Augsburg after she was released from war captivity. Before this she spent 10 months in a work camp in Lunenbug Heath.



A short while ago Mrs. Z. celebrated her 90th birthday: "For 8 days." She's part of a big circle of friends and acquaintances and a lot of them came over, one after another: the neighbours, the glider friends, old friends...
Her husband died 10 years ago. For more then 50 years they've been living together. They shared their passion for gliding, but most they enjoyed travelling together.
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Montag, 15. Oktober 2012

Ruhe durch Reihung


Auf die Frage "Was fällt Ihnen als erstes (oder zweites) zu Augsburg ein?" würde vermutlich niemand ein Foto dieser Serie als beispielhaften Beleg wählen.
Bei meinem sieben(!)stündigen Stadtspa­ziergang waren es aber genau diese Mo­tive, die mir sonntägliche Ruhe und kontemplative Einkehr beschert haben.
Probably nobody would choose a photo of this series to illustrate the typical site of Augsburg.
Anyway, exactly these subjects and sights, which I spotted during my city stroll of seven hours provided sunday-peace and contemplation for me.



Über gute, lebensnahe Tipps, die über die Augsburger Puppenkiste (wo ich gestern selbstverständlich schon gerührt Jim Knopf und Urmel zugewunken habe) und das Brecht Haus hinausgehen, freue ich mich. Weiter gehts, bitte hier entlang...
If you have any ideas, where I should go to learn more about Augsburg, just leave a comment.
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Freitag, 12. Oktober 2012

...nichts anders, außer das Gesicht





Fiona alias Fiona Famous
"Wenn junge Männer werden" hieß eine Theatergruppe meiner Heimatstadt, da­mals, als die ganze Welt gerade Anfang 20 war. Den Namen fand ich stets so treffend wie verwirrend, denn irgendwas ist ja nicht ganz korrekt an diesem Wortgebilde. Drei junge Männer waren es, die da "wurden", und das beeindruckendste an ihnen schien mir damals ihr Mut zum Ausdruck.
Ausgedrückt wurde was nahe lag; ehrlich gesagt kann ich mich nicht an Details erinnern. Es war eher die Wucht die eben jenem Ausdruck innewohnte, die Courage sich zu trauen, mit allem raus zu trauen, die mich nachhaltig hat inne halten lassen.
Wenn junge Männer werden, erwachsen vielleicht, oder sie selber, dann entdecken sie so allerlei. An und in sich. Zum Beispiel die Liebe zur Veränderung, zur Verwand­lung, zur Vielseitigkeit, zum schwul sein vielleicht und dass sich das persönliche Sein keinesfalls in einer eindimensional statischen Form festgelegt wissen möchte.
"When young men become" was the title of a theatre-group in my hometown, back then, when all the world has been in the early twenties. I always found this name as suited as confusing at the same time; somehow it sounds strange, after all. 
Three young men formed this theatre-group, three young men who have been 'becoming'. The most impressing thing about them to me was their expression.
I can't exactly remember what they exactly expressed, probably the obvious. It was more the intensity of their way to express, the courage to show whatever they considerd inportant, which impressed me deeply and which made me pause to reflect things.
When young men become, maybe adults, maybe themeselves, they can discover quite a lot. About themselves, inside themselves. Maybe the attraction for changing, for transformation, for multi­plicity. Maybe they discover they're gay or that the personal existence isn't willing to get reduced to a static, one-dimensional form of being.



Ben alias Lady Sarafina
Flo alias Fiona Famous (ganz oben), Ben (Mitte) als Lady Serafina und Sascha (unten), der die Daphne nicht nur in sich trägt, sondern auch an seinem Leben beteiligt, sind ebenfalls drei junge Männer die da werden oder schon sind. Der beste Weg zum Werden ist möglicherweise ge­rade das Sein, das Wahrmehmen und Anerkennen all dessen was so los ist in ei­nem selbst.
Femmes-Fa-Gee, das sind Fiona und Daphne, die gemeinsam mit Lady Sarafina und einem zunehmend ausgelassen agie­renden Publikum jüngst einen wunderbaren Abend zelebriert haben.
Bei den Vorbereitungen hinter der Bühne und vor dem Spiegel habe ich die drei jungen Männer mit der Kamera begleitet und zu Frauen werden sehen. Zu Über­frauen, wie Flo es ausdrückt.
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Flo, alias Fiona Famous (above); Ben (middle) as Lady Sarafina and Sascha (below), who doesn't only contain Daphne within himself but also integrates her in his life, are three young men, as well, who are becoming something, or maybe they are it already. The best way to become is probably to be, to witness and to accept all the inner, personal realities.
Femmes-Fa-Gees, aka Fiona and Daphne, together with Lady Serafina have been celebrating a georgeous night the other day, with their audience which also was acting more and more excitedly.
I, luckiliy, had the chance to accompany the three young men during their preparation for the show with my camera. Backstage and in front of the mirrors I could watch them changing to women. To mega-women, like Flo calls it.
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Montag, 24. September 2012

Dornen. Und Rosen






"Wer es nicht wagt, den Dorn zu fassen, sollt' jede Sehnsucht nach der Rose welken lassen" lauten zwei Zeilen eines Gedichtes von Anne Brontë.
Twydall ist 22 und dieses Zeilen sind für ihn eine Art Leitmotiv im Leben, dass, um im Bild zu bleiben, schon so manche Dor­nen für ihn bereitgehalten hat, die aller­dings keineswegs, wie man nun annehmen möchte, immer zu Rosen gehört hätten.
Als Twydall noch keine 18 war hat er in einem kleinen Gebüsch inmitten eines Kreisverkehrs gewohnt. Seine Mutter hat er im Glauben gelassen, er wohne bei Freun­den und offenbar war sie mit diese vagen Auskunft zufrieden.
Zuhause hat er es einfach nicht mehr ausgehalten und so hat er die Obdach­losigkeit dem unbehausten Elternhaus vor­gezogen. Frei hat er sich gefühlt und erleichtert darüber, auf sich gestellt zu sein. Dass seine Mutter, die Twydall allein erzogen hat, weder inneren noch äußeren Platz für ihn zur Verfügung hatte, schmerzt ihn manchmal. Trotzdem ist er nicht böse auf sie, er versucht zu verstehen. Sie, ihre Situation, die Zusammenhänge.
"He who dares not grasp the thorn should never crave the rose", these are two lines of Anne Brontës poem "The narrow way".
Twydall is 22 and in a way these lines describe a basic motto of his life, which, to use the same mataphor, has confronted him with quite some thorns, yet, and not all of them have belonged to roses, as  may be imagined.
When Twydall was hardly 18 he has been living under some small bushes in the middle of a roundabout. He told his mother that he would stay at some friends house and obviously she was totally fine with this vague information.
He simply could'nt stand living at home any­more and so he favoured being homeless over living in a place where he didn't feel at home anyway. So he felt free and he was relieved to be on his own. Although his mother couldn't offer him neither inner nor outer space, which makes him sad from time to time, he's not angry with her. He trys to understand; her, her situation, the circumstances.




Allmählich ist Twydall in den Zeiten des Kreisverkehrs in die Drogen abgerutscht. Gras, Pillen, Alkohol, alles mögliche.
Irgendwann hat er begriffen, dass es so nicht weitergeht.
Mit den Drogen hat er inzwischen aufge­hört, das Thema sei für ihn durch, sagt er. Und lächelt eine kleine Relativierung hin­terher.
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When he was living at the roundabout Twydall got lost bit by bit; he was on drugs more and more: alcohol, pills, weed, anything.  At some day he realized that he couldn't go on like that.
Meanwhile he has quit the drugs, he says, he's over it. And then he gives me a little qualifying smile.
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Freitag, 21. September 2012

...tief in die Tasten


Eher selten kommt es vor, dass ich hier über mich selbst berichte. Natürlich trete ich, quasi über Bande, neben den Por­traitierten, immer auch in Erscheinung. Durch die Fotos, die Texte, durch die Auswahl der Personen, die ich auf der Straße anspreche.
In guter, will sagen großer Gesellschaft befinde ich mich vermutlich, wenn ich nun schreibe, dass ich dazu neige, mein Tun, dessen Wert oder vielleicht auch nur den Aufwand, gering zu schätzen.
Nicht nur viel Zeit, wie mir unlängst durch ausgiebigen Mangel an eben jener mehr als deutlich wurde, widme ich diesem Blog.
Auch viel Raum ist nötig; Raum, den ich jenen widme, die ich fotografiere, mit denen ich spreche, deren Geschichte ich versuche so niederzuschreiben, dass die­jenigen sich in meinen - also ihren - Portraits auch wiederfinden und sie sich durch sie gesehen fühlen.
Ich selbst bekomme so natürlich auch Raum und werde ebenfalls gesehen; ein wichtiger Punkt bei all der Bloggerei. 
It doesn't  happen too often,  that I write posts about myself. Of course I appear in each post, indirectly, through my photos, my words, through the people I've spotted.
Probably there are quite some people who know very well what I mean, when I tell you that I tend to minify my work, it's value or maybe even just it's effort.
It's not only a lot of time which this blog requires, it's also a question of space. Space I apply on all those who I portray,  who I take photos of, whose storys I write down, giving my best to do it so well, that people will find themeselves in my - in their - portraits, that they may feel appreciated.
Of course I get space, as well, I get appreciated also; an important point concerning this blogging-thing.


Irgendwann neulich, an irgendeiner Ampel an der ich mit dem Fahrrad stand, ging vor mir jemand über die Straße und so schnell meine Neugierde geweckt wurde, so plötzlich ist ein Gedanke durch mein Hirn geflitzt, der den Ansprech-Reflex jäh hat sterben lassen: "Warum soll ich diesen Menschen jetzt wichtiger nehmen als mich?" So perfekt formuliert mein stets verwirrter Geist natürlich nicht, inhaltlich stimmt der Satz dennoch. Und da ist mir aufgefallen, dass ich ein wenig müde bin.
Dass ich auch ein wenig am suchen bin, dass ich meine Portraits etwas anders gestalten möchte. Allerdings erfordert das noch mehr Zeit, mehr Planung. Ich bin am überlegen.
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One of these days I've been out on my bike,  waiting at the lights, when an interesting person just crossed the street in front of me. As fast as my curiosity was stirred a particular thought suddenly crossed my mind, which immediately killed the "approach-reflex": "Why should I attach more importance to this person than to myself?" Of course my constantly confused brain isn't able to phrase like this, but contentually this is what I thought.
In this moment I realized that I'm a bit tired. That I'm in search of something, in a way, trying to find a new level for my portraits. This will require even more time, a better shedule. I'm still considering.
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Dienstag, 18. September 2012

...de Trebb erop





Karl ist 76 Jahre alt und genauso lange lebt er schon in Ehrenfeld. "Aber natürlich nicht im gleichen Haus" sagt er. Was sich hier so hochdeutsch liest ist einer von wenigen Sätzen die Karl nicht für meine - und das möchte ich betonen - durchaus dialekt­affinen Ohren wiederholen muss. "Tiefes Kölsch, also der unverfälschte Dialekt, wird heute nur noch von wenigen, zumeist älteren Kölnern gesprochen, die ihren Wort­schatz noch ohne moderne Kom­munikationsmedien in der Kindheit bilden konnten." weiß Wikipedia und ohne Zweifel gehört Karl zu den erwähnten.
Das mit den modernen Kommunikations­medien trifft teilweise auch heute noch auf ihn zu. "Internet? Hab ich keins zu­hause." Fernsehen guckt er selten: "...mal nen guten Krimi. Aber ich kann nicht den ganzen Tag so rumsitzen."
Was er früher gearbeitet hat, frage ich Karl: "Briketts." 25 Jahre lang war er als Brikettfahrer festangestellt. "Bloß im Sommer hab ich mich 3 Monate lang abgemeldet. Das merk ich heute bei der Rente. Aber jetzt ist es zu spät." Später hat er dann Entrümpelungen gemacht, seit 10 Jahren ist er in Rente.
Karl hat 5 Kinder von 2 Frauen. Seit 4 Jahren ist er frisch verlobt. "Warum denn nicht?" sagt er, als ich mich noch erstaunt über seine Verlobung freue. Mein Kom­mentar, dass er ja sehr jugendlich daher­kommt, freut wiederum ihn: "Ja, wie 18, ich weiß. Ich spring auch heute noch die Treppen rauf."
Noch ein Satz, den Karl nicht wiederholen muss: "I' spring och hück no de Trebb erop."
(oder so ähnlich...)
"Wichtisch im Lääve sin schöne Frauen", sagt Karl, wirft mir ein Luft Bützje zu und geht.
Karl is 76 and he has lived in the Ehrenfeld district of Cologne for his whole life: "Not always in the same house, of course." I dare to say that I'm quite used to the cologne dialect, which is called Kölsch, but during our little talk I have to ask Karl for several times to slowly repeat what he's said. Only a very few, mostly the older ones of Cologne, are still speaking "deep kölsch". "Those who have acquired their vocabulary without being influenced by any modern mediums of communication", like the german wikipedia site lets us know.
Concerning the communication tools this is still true for Karl: "Internet? I don't have something like that at home." He rarely watches TV: "...a good crime thriller from time to time. But I can't just sit around all day."
I ask Karl what he has been working in his earlier life: "Briquettes." For 25 years he was permanently employed as a briquett deliverer. "Only during summertime I was unemployed for 3 months. That has consequences for my pension, as I know now. But it's too late now." Later he was clearing-out appartements and houses. Since 10 years he's retired.
Karl has 5 children with two wifes. Since 4 years he's newly engaged. "Why not?" he asks while I'm still amazed, and happy at the same time, about his engagement.
I tell Karl that he appears quite youthful, which makes him smile: "Yes, I still dash up the stairs."
On my question what he considers important in life he says: "Beautiful women." He blows a "special cologne kiss" in the air, takes his bike and leaves.


Mittwoch, 8. August 2012

Die nahe Zukunft für Spätentschlossene


Für Spätentschlossene, die ihre nahe Zukunft noch nicht verplant und somit zur freien Verfügung haben, oder jene, die ebendiese spontan umgestalten wollen, können oder müssen empfehle ich das 6 monatige Weiterbildungsprogramm Kostümbild der ifs. 
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Dienstag, 7. August 2012

Traumberuf: Binnenschiffer


"Als mich der Lehrer in der Schule gefragt hat, was ich werden möchte, habe ich geantwortet: Binnenschiffer. Ich wußte das als Junge schon und ich hab immer gesagt: Ich will Binnenschiffer werden und das werde ich auch." 1948, als Herr Krupp gerade 14 Jahre alt war hat er als Schiffs­junge seinen Berufswunsch wahr werden lassen. Da sei er aber nicht lange zur Schu­le gegangen, sage ich und Herr Krupp ant­wortet: "Ne, damals waren andere Zeiten. 8 Jahre Volksschule, mehr hab ich nicht. Ich bin nie auf eine höhere Schule ge­gangen."
Auf seinem Weg zum Kapitän hat er sämtliche Hierarchie-Stufen durchlaufen. "Ich hab auch mal als Heizer gearbeitet auf einem Dampfschiff. Da war ich noch Matrose. Es war ein Heizer ausgefallen und ich hatte mir das irgendwie selbst beige­bracht. Da stand ich dann wochenlang in der Hitze und hab Kohlen geschippt."
Als Kapitän hat er erst Schleppschiffe ge­führt, dann Motorschiffe: "Das war die schöns­te Zeit." sagt Herr Krupp. Er hatte Kohle oder Schweröl geladen und ist den Rhein rauf und runter: "Bis Rotterdam".
Schließlich hat er noch 10 Jahre lang ein Passagierschiff geführt, bevor er zurück an Land gegangen ist.
"When the teacher at school asked me which profession I'd like to take up later, I answered: Boatman on inland waters. I knew this since I was a boy and I always said: I want to be a boatman on inland waters and I will be a boatman." In 1948, when Mr. Krupp was about 14 years old, he started to let his dream come true; as a ship's boy. So, you didn't go to school very long? I ask him. "No, those where other times, back then. 8 years primary school and that was it for me. I've never visited a high school."
On his way becoming a captain he ran though all command structures. "I even worked as a stoker, that was when I still was a bluejacket. A stoker had dropped  out and for some reason I had trained myself. So for weeks I've been working in the heat, shovelling charcoal."
As a captain he first was running tugboats, then motor boats. "That was my happiest time. Mr. Krupp says. His boat-load was charcoal or gas oil and he was running up and down the Rhine with his boat: "Towards Rotterdam".
Finally he was commanding a passenger boat for 10 years before he went 'on shore' again.



Heute verkauft Herr Krupp Tickets an Rheinschiffspassagiere und er hilft gerne und geduldig mit Informationen aller Art weiter. "Ich bin jetzt 78, ich könnte auch zuhause bleiben. Aber das will ich nicht. Mich macht der Anblick der Schiffe auf dem Rhein heute noch glücklich"
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Today Mr. Krupp is selling tickets to Rhineship-passengers and he's helpfully and patiently giving any kind of information to his clients. "I'm 78 now, I could stay at home. But I don't want to. Viewing the boats on the Rhine still makes me happy."
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Donnerstag, 2. August 2012

Tarlabaşi, Istanbul


Bevor ich 2010 das erste Mal nach Istanbul gereist bin habe ich neben allerlei Tips, was ich mir dort unbedingt ansehen müsse auch den eindringlichen Rat bekommen, einen Stadtteil auf jeden Fall zu meiden: Tarlabaşi. "Da hat sich lange Zeit nicht mal die Polizei reingetraut" lautete der finale Satz des Ortskundigen, dem die eine oder andere bildhafte Beschreibung vorange­gangen war, mit welchen misslichen Situ­ationen zu rechnen sei, sollte ich dennoch einem Besuch des Viertels nicht wider­stehen können. Wo genau der gefährliche Sündenpfuhl sich befinde, in dem Krimi­nelle, Transvestiten, Drogendealer und Meuchelmörder mir entgegenlauern wür­den, wollte ich gern wissen, nicht dass ich unabsichtlich dort hineinliefe. "Vom Taksimplatz rechts, steil bergab" lautete die Antwort und in meinem Kopf entstand das Bild einer engen, kleinen dunklen Gasse die ins Verderben hinein und möglicherweise nicht mehr herausführt.
Before I went on my first trip to Istanbul in 2010 I got quite some advices and recommendations where to go and what to see. But there also was one advice, where I definitely shouldn't go: Tarlabaşi. "For a long time even the police didn't go to Tarlabaşi." Cenk told me, giving some vivid expressions of what might happen, if I couldn't resist a visit, nevertheless. So I asked him, where this cesspool of inquity was,  where the criminals, transvestites, drug dealers and assassins would lie in wait for me, so I could prevent walking into it unintentionally. "Way down the Taksim-Square on your right side." Cenk answered and I immediately imagined a small and dark lane, leading me to perdition, probably not offering any point of return.



"Es ranken sich eine Menge Mythen darum, was in armen Gegenden vorkommt, was in Slums passiert." antwortet David Harvey, Professor der Anthropologie und Geo­graphie aus New York auf die Frage, wie er die Kriminalisierung der Armen als Argu­ment für städtische Erneuerung entkräften könne. Gestellt wurde ihm die Frage in diesem Video, das Jonathan Lewis für seinen Blog Tarlabaşi Istanbul, den er gemeinsam mit Constanze Letsch schreibt, gedreht hat.
Tarlabaşi verbirgt sich hinter keiner kleinen, dunklen Gasse. Tarlabaşi ist ein Teil vom bekannten Stadtteil Beyoglu, allerdings jenseits des Tarlabaşi Boulevard, da wo eben kaum jemand hingeht, der nicht dort wohnt.
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"There's a lot of mythology which goes on about what exists in poor neighbourhoods, what goes on in slums" David Harvey, a distinguished Professor for Anthropology and Geography, living and working in New York, answers on the question how he can rebut the criminalisation of the poor as an argument for urban renewal. Jonathan Lewis made this video-interview with David Harvey for his blog Tarlabaşi Istanbul, which he's running together with Constanze Letsch.
Tarlabaşi doesn't hide behind a small and dark lane. Tarlabaşi is a part of famous Beyoglu, just on the other, on the wrong side of the road: the Tarlabaşi Boulevard. Only a few people come to Tarlabaşi, not very many, who doesn't live there.
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Montag, 30. Juli 2012

Lifetime Mod


"Ein richtiger Mod zu sein ist keine Phase sondern eine Lebenseinstellung." George hat sich in seiner frühen Jugend ent­schieden ein Mod zu sein: "Es war die Musik, die man vorher noch nie gehört hatte, die Haltung dem Leben gegenüber." Mods wollten nicht das vorhersehbare und durchgeplante Leben ihrer Eltern wieder­holen: "Wir wollten frei sein und die Dinge so machen, wie wir sie richtig fanden. Und auf keinen Fall so leben wie unsere Eltern."
George war in den frühen 60igern eigent­lich noch zu jung für die Clubs. "Aber ich hab 4 Brüder, alle waren Mods, da bin ich überall mit reingekommen." Für seine Eltern sei das sicher nicht leicht gewesen, sagt George, der heute selbst Vater ist.
Das viele ausgehen, die Kleidung, die Dro­gen, der Roller, all das hat ganz schön viel Geld gekostet. "Wir haben alle gearbeitet. Man konnte kein Mod sein und nicht ar­beiten." Ich frage George, wo der Unter­schied war zu seinen Eltern, die ja auch immer gearbeitet haben. "Es ist nichts falsch daran zu arbeiten. Sich klein zu fühlen und einer Art Lebenslandkarte zu folgen schon eher." erklärt er mir.
"Being a real mod isn't a part-time decision, it's a matter of life." George made his decision to be a mod in his early youth: "It was about the music we've never heard before, it was about the attitude to life." Mods didn't want to repeat the predictable and well-ordered life of their parents: "We wanted to be free and to make things as we accepted them to be true. And of course we didn't want to live as our parents did."
Actually George was a bit too young in the early sixties for entering the clubs. "But I have 4 brothers, all of them were mods, so it wasn't too much of a problem to vist the clubs." For his parents the situation probably wasn't that easy, George, who is a father himself, admits.
Going out, the clothes, drugs, the scooter, a lot of money went on that. "We were all working. You couldn't be a mod, if you didn't work." I ask George what's the difference to his parents, who needed to work, also. "There's nothing wrong about work at all. To feel humble or to obey a predefined life-map however is."



Die Kleidung, das Aussehen, die Musik und der Roller, all diese Symbole und Möglich­keiten des Selbstausdruckes waren wichtig, um einen Platz im Leben zu finden mit dem man sich identifizieren konnte, an den man glauben konnte. George hatte 4 oder 5 Anzüge, jeder einzelne für ihn persönlich maßgeschneidert. "Und der Parka natür­lich. Der war wichtig, weil man mit dem Roller ja oft liegengeblieben ist, dass dann der Anzug geschont wird." Das war natürlich alles nicht billig. "Kennst du diese Bowling-Schuhe, die man früher getragen hat?" fragt er mich. "Die fanden wir toll, aber sie waren zu teuer. Wenn man bowlen gegangen ist, konnte man sie sich ausleihen. Also sind wir bowlen gegangen. Wir sind rein, haben unsere alten Schuhe dort gelassen und sind wieder raus. So haben wir das gemacht."
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The clothes, the style, the music and the scooter, all these symbols and opportunities for selfexpression have been of importance to live a life which they could deem worthy, they could identify with. George owned 4 or 5 suits, every single one was custom-made for him. "And a parka, of course. That was neccessary, because the scooter broke down every once in a while, so the suit wouldn't get harmed." All this cost a lot of money, of course. "Do you know these bowling-shoes of those days? " George asks. "We thought they were really cool, but we couldn't afford them. If you went to play bowls you could loan them. So we went to the bowling centre. We went in, dropped our own old shoes and then we left again. That's how we managed it."
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Sonntag, 29. Juli 2012

Vorgestern, gestern und heute





Erst seit wenigen Jahren lebt Ruth, die ich vor gut 3 Monaten in aller Eile angesproch­en und fotografiert habe, in Brighton. Das war ihr Traum und Wunsch, den sie sich selbst erfüllt hat.
Fotografiert zu werden ist ihr etwas pein­lich und gleichzeitig amüsiert es sie sehr, dass ich gerade sie anspreche. Sie kann nicht recht verstehen, was ich an ihr finde. Ich versichere ihr, dass ich sie ganz bezau­bernd finde und versuche zu erklären, dass ich immerzu Menschen auf der Straße anspreche.
Zum Abschied gibt mir Ruth den Tip unbe­dingt die örtliche Stadtbücherei aufzu­suchen, wo sie selbst gerade herkommt: "Da ist es sehr nett, es gibt Kaffee und die Mitarbeiter kümmern sich sehr um die Besucher."
Wenige Tage später lerne ich Andy kennen, der sich in seiner Funktion als Kommunal­politiker für den Bau eben jener Bücherei stark gemacht hat.
Kleine Welt, kleines Brighton, denke ich und freue mich.
Just a few years ago Ruth, who I approached in a hurry about 3 months ago, moved to Brighton. This has been her dream and her wish, which she finally has let come true.
She feels a bit uncomfortable to get photographed, but at the same time she's quite amused that I picked her of all people. She can't see any reason. I try to assure her that I think she's very adorable and I explain that I approach people on the street all the time.
Saying goodbye she warmly recommends to visit the local library, where she herself just came from: "It's a very nice place, they offer coffee and the staff is always taking good care of the visitors."
A few days later I get to know Andy, who as a community politician campaigned for this library. Small world, small Brighton, I think to myself and I'm glad.



Gestern habe ich mich auch gefreut, denn da bekam ich eine mail von einer mir unbekannten Leserin, die mir schrieb, sie habe meinen Blog über einen Artikel bei Spiegel Online gefunden. Nun geht es in diesem Artikel eigentlich nicht um anders-anziehen sondern viel mehr um Aris Advanced Style, der ausschliesslich ältere Herrschaften fototografiert: vornehmlich Frauen, die zudem modisch deutlich extravaganter sind als Ruth oder so ziemlich alle, die hier vorkommen.
Egal ob bunt und extravagant oder schlicht bis Rentner-beige: alten Menschen ein Forum zu geben ist offenbar eine Meldung wert.
Neulich wurde ich gefragt, warum die rahmengebende Rubrik für die alten Damen und Herren hier im Blog "Die Vorhut" heißt. Die Vorhut, das sind für mich all jene, die schon länger auf dem Weg sind. Die schon mehr erlebt, erfahren und ausprobiert haben. Und von deren Wissen, Erfahrung und Herzensreichtum alle profitieren, die erst später losgelaufen sind, um sprachlich mal im Bild zu bleiben. Zum Beispiel das gesamte Mittelfeld, zu dem auch ich mich zähle, sowie die Nachhut (die ebenfalls mit einer eigenen Rubrik hier vetreten ist).

Die beiden Damen im Park tragen übrigens königlich englische Namen: Elisabeth und Margaret. Anders als Ruth leben sie bereits beinah ihr Leben lang in Brighton.

Vorgestern hatte mein Blog seinen dritten Geburtstag den ich vor lauter und hoch­konzentrierter Arbeit fast ganz vergessen hätte. Mit Ruth, Elisabeth und Margaret halte ich nun also heute mein virtuelles nächtliches Kaffeekränzchen. Und freu mich.
Danke!
Yesterday I've been glad, also. I received a mail from an unknown woman who told me that she found my blog through an article at Spiegel Online. Actually this article wasn't about anders-anziehen, but rather about Ari's Advanced Style, who focuses on the elderly. Mostly women and mostly a lot more style-aware than Ruth or all of my blog-inhabitants.
But no matter whether all dressed up in fancy style or in a simple senior-beige: to give a forum for the elderly is  worth a news article, obviously.
The other day someone asked me why the category for the elders is called "the vanguard", in german. To me the vanguard describes all those who are on the way since a longer time than the others. Who have witnessed, experienced and tried a lot more. From whose experience, knowledge and nobleness of the heart we all, who are following, benefit. For example the whole midfield, where I belong to, but also all the young ones, who are labeled as the rear guard in this blog, by the way.

The two ladies in the park have queenlike names: Elisabeth and Margaret. Different from Ruth they're living in Brighton almost a lifetime.

The day before yesterday  was my blogs third birthday, which I almost forgot completely, because of overmuch demanding work. So, with Ruth, Elisabeth and Margaret I'll now have my virtual nighttime coffe party and I'm glad, again.
Thanks!


Dienstag, 24. Juli 2012

Urlaub in Stiefeln





Abeo macht Urlaub. Und ein wenig Zeit da­von hat er, wie viele andere auch,  dem Kölner Dom gewidmet.
Mit etwas Abstand und skeptischer Miene hat er sowohl den Dom als auch das teure Geschäft davor im Blick, in das seine mutmaßlichen Anverwandten entschwun­den sind, während ich wiederum ihn im Blick habe. Ich überlege, ob jemand der so mexikanisch aussieht wohl auch tatsächlich Mexikaner ist.
Und während ich einerseits fest damit rechne, dass er gleich mit einer Antwort im breitesten bayrisch untermauert, wie sehr man doch mit seinen Vermutungen dane­ben liegen kann, stelle ich stattdessen wenige Sekunden später fest, dass so manche sichtbare Erkennungssymbolik verlässlich und verstehbar ist. 

Abeo ist Mexikaner, lebt aber seit über 10 Jahren in Dallas. Er betreibt dort ein mexikanisches  Restaurant und wer nun meint, wir hätten das Gespräch auf eng­lisch geführt, der irrt. Ich spreche kein spanisch, Abeo kaum englisch. Offenbar ist sein unmittelbares Lebensumfeld stark mexikanisch geprägt: quasi die vertraute Welt in einer neuen Welt.
Ich frage Abeo nach seinen Stiefeln, denn auch wenn ich mich nicht auskenne sehe ich doch, dass es Schlangenlederstiefel sind. Während ich das frage fürchte ich mich schon vor einer sich anbahnenden Diskussion diesbezüglich hier im Blog, das will ich nicht verschweigen.
Ich verstehe, nach vielen und langwierigen Verständnisfragen, dass der Schlangenle­derstiefel an sich für Abeo ein Status­symbol ist. Und nicht nur für ihn, sondern für alle, die seine Welt bevölkern. Dass es in Deutschland verpönt ist, mit Kleidung und Accessoires aus Schlangenleder herum­zulaufen, nimmt er gelassen und ein wenig erstaunt zur Kenntnis.
Dabei scheint ihn weniger der Umstand an sich zu beeindrucken, als vielmehr, dass ich so darauf herumreite. Abeo hat ca. 5 Paar Schlangenlederstiefel und passende Gürtel dazu. Für ihn liegt darin neben Tradition auch Normalität.
Abeo takes a vacation. And like many other tourists in Cologne he spends some time at the Cathedral. He stands a few meters apart, keeping one eye on the cathedral, but also regarding the expensive store in front of it sceptically, which was entered by his his assumedly relatives a second ago. I in turn have him in view, considering, if someone who looks so mexican actually is mexican.
While I expect, that he'll answer my question in a broad bavarian dialect, proving how one's presumptions can fail, instead I realize a second later, that some sent messages and symbols are easily to read und reliably comprehensible.

Abeo is Mexican, but since about 10 years he's living in Dallas. There he runs his own restaurant, providing mexican food. So, if you now expect us to have talked in english, this is wrong. I can't speak spanish and Abeo hardly speaks english. Obviously his next-door circumstances are all mexican; a familiar world inside an unknown world, so to say.
I ask Abeo about his boots. Although I don't know much about it, I  easily can realize that he wears snakeskinboots. Asking this I'm yet afraid of the discussion this blogpost may arouse, to tell the truth.
After quite a few comprehension questions I learn that for Abeo, and for the world he's living in, snakeskinboots serve as a status symbol. When I tell him, that in germany wearing clothes made of snakeskin is a taboo, he takes it calmly, while he seems to be astounded in a way.
But what astounds him most obviously isn't the fact itself, but that I don't stop dwelling on this subject. Abeo owns 5 pairs of snakeskinboots with corresponding belts. For him this is an ancient tradition and it also reflects normality.

Sonntag, 15. Juli 2012

Ohne dieses Niederknien





"Wissen Sie, ich bin eine gläubige Christin. Das gibt mir Halt." antwortet Frau K. auf meine Frage, wie sie im Alter ihr Leben lebt. Frau K. ist 81 Jahre alt und war 45 Jahre lang berufstätig: "Als kaufmännische Angestellte." Sie fühlt sich fit, auch wenn sie kein Fahrrad mehr fahren kann: "Ich bin mein Leben lang Fahrrad gefahren, heute geht das nicht mehr. Ich fahre aber noch Auto." sagt sie und schlägt vor, dass ich sie neben ihrem Auto fotografiere.
Als Mensch, der zwar in einer christlich so­zialisierten Gesellschaft großgeworden ist, selbst jedoch keinerlei religiöse Erziehung  erfahren hat, wohnt mir eine tiefe Skepsis inne, die sich auf jede, mir nur schwer verständliche, Verehrung von Göttern und Gurus bezieht. Das äußere ich auch Frau K. gegenüber und formuliere, wie erschüt­ternd grausam ich beispielsweise das Bild des Jesus am Kreuz finde. Frau K. versteht was ich meine und teilt in gewisser Weise sogar meine Ansicht, wenngleich die Kreu­zigung an sich in ihren Augen einen zentralen Punkt des christlichen Glaubens darstellt: "Ich bin in einer freien Christen­gemeinde. Da haben wir kein Kreuz an der Wand. Ich muss das Kreuz nicht sehen, ich muss es innen fühlen." Frau K's. Gemeinde orientiert sich am Alten Testament. "Bei uns geht es sehr einfach zu. Wir lesen Bibeltexte und beten, aber ohne dieses Niederknien. Das Bild des Kreuzes ist von Menschen gemacht, Gott wollte das nicht."
Zum Abschied lädt Frau K. mich ein: "Kommen Sie doch einmal mit. Bei uns gibt es einige, mit denen Sie das Thema sicher noch erschöpfender diskutieren können" sagt sie fröhlich und eilt behende davon.
"You know, I'm a believer. That gives me security." Mrs. K answers on my question, what her life is about at an older age. Mrs K. is 81 years old and she was employed for 45 years: "As a commercial employe." She feels fit although she wouldn't ride a bike anymore: "I used to cycle a lifelong, that's not possible anymore. But I still drive my car." she says, suggesting to take the photo in front of her car.
Though I grew up in a christian oriented society I wasn't raised religiously myself at all. So I have to admit that I'm quite sceptical about any kind of worship of Gods and Gurus, which for me is even hard to understand. I tell all this to Mrs. K. and as an example I try to express the cruelty of the image of Jesus on the cross. Mrs. K. can understand that and she even sympathizes with my opinion, although to her mind the cruzifixion represents an essential point of christian belief: "I'm member of a free christian community. We don't have a cross at the wall. I don't need to see the cross, I must feel it inside."
Mrs. K's community refers to the Old Testament. "We are practising in a very modest way. We read the bible and we pray, but without this kneeling down. The image of the cross is made by humans, God didn't ask for it."
As we say goodbye Mrs. K. invites me: "You can come along once. There might be some, with whom you could have an even more detailed discussion on this."

Freitag, 13. Juli 2012

Und nun: Rechtliches


Mein Blog ist um eine Unterseite reicher: hier finden sich nun ein paar Hinweise zum Thema Rechtliches. Genauser gesagt zu den Themen Urheber- und Persönlich­keits­recht.

Und ein paar Worte zum Findungsprozess habe ich ebenfalls niedergeschrieben:


"Olivenbäume und Antworten brau­chen Zeit" lautet die Überschrift des ersten Kapitels von Rafik Schamis Roman "Die dunkle Seite der Liebe".
Dieser Aphorismus geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Weniger wegen einer ausge­prägten Affinität zum Olivenbaum an sich, als vielmehr wegen der Antworten. 7 Jahre und länger dauert es bisweilen, so habe ich nach­gelesen, bis ein Olivenbaum die ersten Früchte trägt. Wie lange es mitunter dauern kann, bis eine Antwort herangereift ist weiß ich hingegen aus eigener Er­fahrung.
Antworten muss man nicht notwendiger­weise auf Fragen anderer geben. Im Ge­genteil, die quälendsten Fragen stellt man sich oftmals ganz alleine. (Nicht selten nachts.)
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My blog contains a new site: here you can find some basic informations con­cerning the legal basis. More precisely concerning copyrights and personality rights.


And I've written down some words con­cerning the process of discovering how to frame these statements:

"Olive trees and answers require time" is the headline of the first chapter of Rafik Schamis "The dark side of Love".
I can't get his aphorism out of my head anymore.
Not because I have an strong affinty for olive trees, but rather because of the answers. Occasionaly it takes about 7 years until an olive tree bears its first fruits, how I found out lately. How long it may take to find some answers I know from my own experience.
Answers doesn't necessarily need someone elses question. Quite contrary; the most racking inquirys are completely selfmade. (Often they occur at night-time)
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Mittwoch, 11. Juli 2012

Hochzeitsreise





So frisch und unvermittelt mein Wunsch ist, nach Applecross an Schottlands West­küste zu reisen, so zweifelsfrei hat er sich bereits an einem sicheren Plätzchen in mir eingenistet. Und das liegt an Ruairidh. Für deutsche Ohren ungewohnt erfordert die Aussprache dieses seltenen gälischen Namens eine gewisse Zungenfertigkeit: simpel ausgedrückt spricht es sich ähnlich wie Rudi, erklärt mir Ruairid entgegen­kommend. Wobei das "d" darin einem gerollten "r" ähnelt. Bei jenen die fähig sind ihrer Aussprache einen gälischen Klang zu verleihen klingt es wie Ruaree, nur schöner.
Ins deutsche abgeleitet lautet der Name Roderick. Das klingt ein bisschen wie "rothaarig" und das ist auch eine der ihm zugeschriebenen Bedeutungen.
I have a new and unexpected wish, which occured popped up all of a sudden, but anyway it yet made itself quite comfortable deep inside my heart and became serious in no time: I definitely want to travel to Applecross in West- Scotland. And this wish is generated by Ruairidh. To germans this rare gaelic name isn't that easy to pronounce and it demands some verbal glibness. Somehow it sound similar to the german name Rudi, Ruairidh explains obligingly. If he says it's more like Ruaree; it sounds really nice!
The german version of this name is Roderick, which sounds a bit like  the german "red-headed", which is one of quite some meanings this name obviously has.



Ruairidh hat seinen abgelegenen Heimatort verlassen der hierzulande bei so manchem Fernweh auslösen dürfte, und dessen Name zudem Rückzugsort bedeutet. Seit kurzem ist er also selbst auf Reisen.
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Ruairidh, which by the way means something like "the sanctuary" in gaelic, left his remote home village, which might easily arouse peoples desire to travel over here. Since a short while he's travelling himself.
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Sonntag, 8. Juli 2012

"Typisch Tussi"





Um es gleich vorwegzunehmen; die Über­schrift beschreibt weder Melani im roten Kleid noch ist sie ein Spiegel meiner per­sönlichen Meinung. Eigentlich lässt die darin enthaltene Aussage sogar jeden An­spruch auf Wahr- oder gar Wahrhaftigkeit vermissen.
Am treffendsten lässt sich die Überschrift wohl in die Kategorie Projektion einsor­tieren. Wer sich schminkt, frisiert und hübsch macht, sich bei der Wahl der Kleidung Zeit nimmt oder Mühe gibt, dem wird nicht selten Eitelkeit und Oberfläch­lichkeit nachgesagt, wobei diese Begriffe natürlich selbstredend negativ besetzt sind und möglicherweise mehr mit dem beur­teilenden als dem beurteilten zu tun haben.
Melani hat Spaß daran, sich feminin zu kleiden, sie genießt es Frau zu sein. Sie tanzt gern Burlesque, nicht zuletzt weil sie darin eine Möglichkeit sieht, ihre Weib­lichkeit auszuleben: "Das kann man ja sonst heute kaum mehr machen, ohne in den Verdacht zu geraten, eine Tussi zu sein."
Auch beim Thema Gleichberechtigung und Emanzipation trägt man in geschminktem Zustand also bisweilen schwereres Gepäck; dass man beim weiblich-sein kein Weibchen ist, ist nicht unbedingt in allen Köpfen angekommen: "Wenn man einen Rock und hohe Schuhe trägt wird man oft gefragt ob man noch was vor hat. Ich möchte aber feminin rumlaufen können, ohne noch was vorzuhaben."
"Chick-like" is the translation of the german headline and to cut it short it's  neither a discription of Melani in her red dress nor my personal opinion. Actually the headline even lacks of any demand of truth or truthfulness.
The headline probably is best explained by the word projection. Women who are wearing make-up, taking good care of their hair-do or who choose their wardrobe thoroughly  often are categorized as superficial and vain and of course these words are connoted negatively, even if they probably tell more about those who judge than those who get judged.
Melani likesto dress up femininely, she enjoys being a woman. She loves to dance burlesque, not least because this gives her an opportunity to act out her femaleness: "This is hardly possible nowadays, if you won't get suspected being a chick."
So if it comes to emancipation or sexual equality it still may be even harder to be taken seriously if you pretty yourself up. That being dressed up doesn't automatically means to be dumb hasn't reached the minds of all people yet.
"If you're wearing a skirt and high-heels you often get asked if you'll be going out. But I want to dress up femininely without going out."


Bestimmte Elemente des Burlesque-Tanzes hat Melani in ihr alltägliches Bewegungs-Repertoire aufgenommen: "Es gibt da große Bewegungen und Gesten, zB. wenn man sich hinsetzt. Das wirkt vielleicht seltsam auf andere, aber es macht Spaß und fühlt sich einfach gut an."

"Die sind schon sehr persönlich" antwortet Melani auf meine Frage, was ihre Tattoos ihr bedeuten. Ihren linken Arm ziert ihre Katze Mimi: "Die wird noch bunt und überhaupt wird das hier noch alles voll," sagt Melani und zeigt auf ihre Arme. Ganz altmodisch und entsprechend verschämt frage ich, wie sie ihre Tattos wohl findet, wenn sie 65 ist. "Da hast du doch sicher drüber nachgedacht?" sage ich und fühle mich unsagbar spießig. "Man lebt nur einmal" antwortet Melani. "Eigentlich hab ich da nicht so drüber nachgedacht. Ich finde es jetzt richtig und gut."
Melanis Tatoos erzählen kleine Geschich­ten: Der bunte  Totenkopf auf ihrer Brust ist in Anlehnung an einen der größten und wichtigsten Feiertage in Mexico ent­standen: der Dia de los Muertos: Tag der Toten. In Mexico wird das Thema Tod, anders als bei uns, nicht tabuisiert. Am Tag der Toten kommen nach dem Volksglauben die Verstorbenen zu Besuch und das wird ausgiebig und bunt gefeiert. Dieser Gedanke gefällt Melani: "Da ist dann dieser Totenkopf als Symbol eben viel passender für mich, als wenn ich mir da 'ne große Sonnenblume stechen lasse."
Some elements of burlesque-dance Melani integrated to her all-day-repertoire of personal style of movement. (sorry for my bad english)
"There are a lot of sweeping gestures in burlesque-dance, for example if you take a seat. Maybe this looks strange to others, but it's fun and it simply feels good to me."

"They are quite personal" Melani replys on my question, what her tatoos mean to her. Her left arm shows her cat Mimi: "This tatoo will get colored later and besides there will be tatoos all over." Melani says, pointing at her arms. Pretty old-fashioned and according to that feeling awkward I ask, how she'll think about her tatoos at the age of 65. "You must have considered that thoroughly, didn't you?" I ask, feeling completely narrow-minded. "You only live once" Melany answers. "Actually I didn't really consider that beforehand. Today I think I'm doing the right thing."
Melanis tattos are telling little storys: the colored skull on her chest is dedicated to one of the most important and popular feast days in Mexico: the Dia de los Muertos, the Day of the Dead. The mexicans doesn't ignore death, it's not tabooed like it is in our culture. In popular belief at the Day of the Dead the departed are visiting the living. This calls for an extensive and colorful celebration, which lasts several days. Melani rather likes the idea: "So this skull fits much better to me as, lets say, a huge sunflower."

Sonntag, 1. Juli 2012

Von oben gesehen...


...erzählt die Straße ihre Geschichten. Naja, eigentlich denkt man sich die Ge­schichten vermutlich zum größeren Teil einfach selbst aus. Und jeder reimt sich seine eigene angenommene Wahrheit zusammen, je nachdem wie die ver­meintlichen Indizien und Symbole im Geiste besetzt sind und somit gedeutet werden. Morgen zeige ich deswegen mal wieder ein Foto von vorn. Mit nachfragen und so.
Seen from above the street tells it's storys. Well, actually most of these storys probably are made up by ourselves. And anyone can figure out his or her personal presumed truth, depending on how the seen signs and symbols are interpreted and connoted. So, tommorrow I'll post a photo from the front side again. With asking questions and stuff like that.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Companions





"Das Wichtigste im Leben ist, einen Ge­fährten zu haben, einen Freund", das sagt John aus New Castle in Nord-England und seine Frau Helen lässt an irgendeiner Stelle leise aber wirkungsvoll das Wort Liebe in seinen Satz hineinfallen.
Liebende Gefährten sind die beiden seit über 50 Jahren, in denen sie völlig unter­schiedlichen Berufen nachgegangen sind: Helen war Richterin im Strafrecht, John Ento­mologe, zu Deutsch Insektenforscher.
Begegnen konnten sie sich trotz oder gerade wegen dieser Verschiedenheit immer gut: "Man kann dem anderen er­zählen, was passiert ist und der weiß es dann nicht sofort besser und erteilt Rat­schläge. Man hört sich gut zu."
Ich frage Helen, was ihrer Meinung nach eine gute Richterin ausmacht: "Das man versucht zu verstehen, warum Menschen tun, was sie tun. Und dass man dennoch das Recht anwendet. Letztlich ist man nur das Sprachrohr des Rechts, nicht mehr und nicht weniger."
Auch John versucht zu verstehen wie Lebewesen ticken; in seinem Fall sind es eben Rübenblattwanzen oder andere wenig populäre Arten denen er seine Aufmerk­samkeit widmet. "Insekten sind interes­sant!" sagt John und mir scheint, dass es doch gewisse, grundsätzliche Parallelen zwischen seinem und Helens Beruf gibt.
Iris Radisch empfiehlt hier übrigens mit respektvoller Begeisterung Jean-Henri Fabres "Erinnerungen eines Insektenfor­schers" und ihre Beschreibung, die die Wor­te Krimi, Demut und Gottesbeweis schlüssig verbindet, macht tatsächlich neu­gierig auf dieses Buch.
"The most important thing in life is to have a companion, a friend" says John from New Castle in North-England and his wife Helen lets the word love drop in his speech, lightly but effective.
Both of them are loving companions since over 50 years in which they've applied themeselves to quite different professions: Helen has been working as a judge in criminal law and John used to be an entomologist; a scientist for insects.
To connect themselves nevertheless was easy for them, or maybe precisely because this diversity concerning their work: "You can complain and tell what was going on, and you won't hear what you should have done better or any words of advice. You listen very well to each other."
I ask Helen what, in her opinion, makes a good judge:" Trying to understand why people act like they do. And to dispense justice anyway. As a judge you are a mouthpiece for law, nothing more and nothing less."
John also tries to understand how living creatures function: he simply focuses on beetles and bugs. "Insects are interesting!" says John and the idea, that their professions after all basically have something in common crosses my mind.