Montag, 28. November 2011

Be happy





 Manch Werktätigem, der sich im Zustand der verzehrenden Sehnsucht nach erhol­samen Urlaubstagen befindet, mag dies ein Trost sein: auch Touristen sind durchaus mit weltlichem Ungemach konfrontiert. Ich weiß das, weil ich von Zeit zu Zeit auf Reisende treffe, deren am offenbarsten zu Tage tretender Grundzustand der folgende ist: die Eile. Stets gilt es Termine ein­zuhalten: der Bus zur Sightseeing-Tour will erreicht werden, die Messe im Dom beginnt sekündlich, die Führung durch die üblichen Kölner Brauhäuser steht an und allerlei solcherlei Gründe treiben die Welten­bummler hektisch voran.
Auch Mrs. M. aus Süd-England hat wenig Zeit, und einen guten Teil dieses kostbaren Gutes verwenden wir  für die Klärung, dass ich "Nein, keine Touristenfotografin" bin und sie "Nein, kein Geld" für das Foto bezahlen muss. In schnellstem Englisch erkläre ich sodann mein Ansinnen und schließlich darf ich sie gern fotografieren. Mrs. M. ist 78 Jahre alt, und sie spricht ein wunderschönes Englisch. Sie ist für eine Woche in Deutschland, und mit (Niesel)­Regen kennt sie sich aus. Früher war sie in einem Hotel als Bedienung angestellt, und das Allerwichtigste, vetraut sie mir im Weggehen mit königlich weise anmuten­dem Akzent an, ist "To be happy." Ob sie denn glücklich sei, frage ich, die Antwort ahnend: "Oh, yes."
Many a workers, beeing in a yearning state for restful holidays,  may take comfort in knowing that even tourists have to deal with profane circumstances. I know this, because from time to time I approach travellers, whose  basic situation quite often most obvious is dominated by the following: hurry. Always it is necessary to be on shedule: the sightseeing-bus is leaving in a minute, the mass at the cathedral is about to start, the cologne-brewhouse-tour is coming up and a number of things like this hurry the globetrotters along.
Mrs. M. from South-England also is short of time, and quite a good bit of this time we spend by clarifying that "No, I'm not a tourist-photographer" and "No, she wouldn't have to pay" for the picture. In most quick english I try to explain my request and finally, with pleasure, I may take a photo of her. Mrs. M. is 78 years old and her english tongue sounds wonderful to me. She's in Germany for one week and she's very familiar with (drizzle)-rain. In earlier days she was working as a waitress in a hotel and the most important thing in life, she entrusts to me while she walks ahead, with a queenly wise sounding english accent, is "To be happy." If she herself is happy, I ask, anticipating her answer: "Oh, yes."

Sonntag, 27. November 2011

Sonntagsstadt


Sie war zwar heute verkaufsgeöffnet, die Stadt, hat sich aber doch von erstaunlich ruhiger Seite gezeigt. Vielleicht war es auch in mir selbst einfach ruhig, so dass ich mit entsprechendem Blick die Dinge sehen konnte. Wer mag das mit Bestimmtheit wissen?
Den einen oder anderen Stadtspaziergang hat es hier ja schon gegeben. Es folgen nun, in chronologischer Reihenfolge, ein paar Bilder vom heutigen.
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Although the city was open to business today I could witness a quite relaxed atmosphere around. Maybe I simply was calm myself, so that I had an appropriate view on things. Who knows?
I've posted one or another citywalk yet, and here are some moments of my sunday-stroll from today, in chronological order.
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Samstag, 26. November 2011

En passant, sozusagen


Zwölf Samstage ist der Rothaarigentag her, und ich bleib meinem bummeligen Ver­öffentlichungsrhythmus treu, der sich dies­bezüglich nun mal eingeschlichen hat. Den Jungs und den Männern, denen meine über­wiegende fotografische Aufmerksam­keit gegolten hat, folgen heute nun also immerhin wenigstens ein paar Fotos von weiblichen Besucherinnen in Breda, die allerdings  mehr oder weniger nebenbei entstanden sind.
Leslie aus Ohio war gemeinsam mit einem rothaarigen jungen Mann unterwegs, und wie um die Aussage von Race aus dem Männer-Post zu bestätigen habe ich so­gleich nachgefragt, ob sie wohl Ge­schwister sind. Nein, Geschwister sind sie nicht, ganz im Gegenteil: beim Rot­haarigen-Tag hatten die beiden noch vor sich, was inzwischen hinter ihnen liegt - den Tag ihrer Hochzeit. Beste Wünsche winke ich rüber nach Holland Ohio, wo die beiden gemeinsam leben.
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Twelve weeks ago the Redhead day took place in Breda, and I continue with my delayed postings concerning this subject. After The boys and The men, who stood in the center of my attention that day,  today I will publish at least a few pictures of raedheaded women and girls, which I more or less took en passent, so to say.
I met Leslie from Ohio  together with a young redheaded man, and as if I wanted to approve Races words I asked them if they were siblings. No, they were not, quite the opposite: at the readhead day they were looking forward to an event which now is in the past, yet: their marriage. All the best to you, I say from here to the Netherlands Ohio, where they live together.
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Donnerstag, 24. November 2011

Wärmendes Wams





Vor über dreissig Jahren hat Frau Z. ihren karierten Mantel in einem kleinen Laden beim Dom gekauft. Weil sie keinen Pulli und keine Strickjacke darunter tragen kann, hat der Mantel üblicherweise ab November temperaturbedingte Tragepau­se. Nicht so allerdings in diesem Jahr: "Es ist ja ungewöhnlich mild. Die Pappeln haben noch nicht mal alle Blätter ver­loren." Trotzdem trägt Frau Z., quasi als Strick­jackenersatz, ein wämendes "Wams", wie sie es nennt. Das hat sie selbst ge­webt: "...und mit einer alten Seidenbluse ab­gefüttert." Viele Stücke im Kleider­schrank von Frau Z. sind mehrere Jahr­zehnte alt: "Die Sachen gehören wirklich zu mir."
Frau Z. ist im 83. Lebensjahr, und weben tut sie noch immer. Sie hat in Karlsruhe Architektur studiert: "Da war ich noch so jung, das war gerade nach dem Krieg." Das Bauhaus hat sie fasziniert und die neue Sachlichkeit. Frau Z. hat Kinder bekommen und großgezogen, und erst mal nicht mehr gearbeitet. "Mit 40 hab ich  dann was Neues angefangen, da war ich Berufsschullehrerin." Als Diplomingeni­eurin hat sie Lehrlinge im Baubereich unter­richtet, aber auch beispielweise Foto­grafen: "Mit denen habe ich dann über menschliche Gebrauchsspuren auf Wegen oder Zebrastreifen diskutiert."
Auf meine Frage, was im Leben wichtig ist zitiert sie Eugen Drewermann: "Es gibt ein Wort, das habe ich in einem seiner Bücher gelesen: überlieben. Man kann andere Menschen überlieben, aus einem tieferen Verständnis heraus. Also 'über' im Sinne von mehr."
More than 30 years ago Mrs. Z. bought her chequered coat in a small boutique near the cathedral. For the reason that no sweater and no cardigan would fit under the coat it usually, due to the weather, has it's time off from november on. But not this year: "It's exceptionally mild weather. The poplars didn't even defoliate yet." But anyway Mrs. Z. wears a warming waistcoat on top. It's self-woven: "...and I lined it with an old silk-blouse." Many clothes in her wardrobe are several decades old: "They really belong to me."
Mrs. Z. is almost 83 years old and she still is weaving fabrics. She has studied Architecture in Karlsruhe: "I was so young, it was right after the war. " Bauhaus fascinated her and the New Objectivity. Mrs. Z has given birth to her children and so she first didn't work for a while. "When I was 40 I've started something new, I became vocational college teacher." As a graduated engineer she educated students of the building industry, but for example photographers, as well: "With them I was talking about human traces of usage."
On my question what she considers important in life she quotes Eugen Drewermann:" There is a word of him I've read in one of his books: over-love. You can over-love somebody, out of a deeper understanding. So, 'over' in the meaning of more."

Mittwoch, 16. November 2011

Tea with cinnamon





Linda ist 18 und geht noch zur Schule. Sie hat vage Pläne für die Zukunft, die konkret mit anderen Ländern und anderen Spra­chen zu tun haben: "Auf jeden Fall möchte ich erst mal für eine Weile ins Ausland." Ich frage Lena was sie umtreibt, was sie fasziniert und beschäftigt: "Theater" ist die Antwort, und dafür muss sie nicht lange überlegen. Mit ihren Freundinnen hat sie eine Theatergruppe gegründet, die aus­schließlich aus jungen Frauen besteht. Es gibt einen männlichen Regieassistenten, und ganz manchmal auch einen männlichen Darsteller. Aber das sind die Ausnahmen. Demnächst kann man die Truppe mit ihrem neuen Stück auf der Bühne der Kulturen sehen: "Tea with Cinnamon" lautet der Titel, und Lindas Beschreibung klingt sehr vielversprechend. Elf  reale Frauenfiguren aus verschiedenen Epochen treffen Ende der 20iger Jahre in einem Circus auf­einander - hier ist eine wohlformulierte Programmankündigung zu finden. "Die Frauen sind alle irgendwie gescheiterte Existenzen, und nun treffen sie sich, und lernen dabei neue Kraft zu finden." erklärt Linda salopp, und zählt ein paar der Charaktere auf: Edith Piaf, Marlene Dietrich, und eine mir unbekannte mo­derne Serienfigur. Die "gescheiterten Existenzen" klingen in meinem erstaunten Ohr nach, und neben Verblüffung macht sich echte Neugier in mir breit. Wer das Stück sehen möchte: am 12. und 19. 12 um 20 Uhr, im Herzen von Ehrenfeld.
Die Theatergruppe ist für Linda sehr wichtig: "Theater und Freundeskreis ist quasi identisch." Diejenigen, die gerade nicht auf der Bühne mitspielen, machen das Catering oder solche Dinge.
Lena hat sich übrigens die Rolle der Edith Piaf ausgesucht
Linda is 18 years old and she's still visiting school. She has some vaguely plans for her future, which concretely concern foreign languages and foreign countries: "I definitely want to go abroad for a while." I ask Lena what keeps her busy, what is fascinating her: "Theatre." she replys, and she doesn't have to ponder. With her friends she founded a theatre-group which consists only women. There is a male AD, and sometimes a male actor, but they are the exceptions. In the near future the group will present their latest play at the "Stage of cultures" in Cologne. It's called "Tea with cinnamon" and Lindas description sounds very promising to my ears. Eleven real existing female figures of diverse epochs come toghether in a circus in the late twenties. "Those women all kind of failed. Now they meet each other and they learn how to get encouraged again," Linda explains, putting it crudely. She tells some of the characters names: Edith Piaf, Marlene Dietrich and a character of a modern tv-series, which is unfamiliar to me. Those "failed women" arouse my interest and beside bafflement my curiosity is excited. If you like to see the play: at the 12th and 19th of december, here.
The theatre-group means a lot to Linda: "The circle of friends and the theatre-group is more or less identical." Those who are currently not playing on stage do the catering, or things like that.
Lene, by the way, is playing Edith Piaf.

Freitag, 11. November 2011

Ver- oder Kleidung?





Wenn man gemächlich mit dem Fahrrad durch Köln fährt ist man genauso schnell wie die U-Bahn. Das weiß ich, weil mir Svenja das erste Mal auffällt als sie ziel­strebig die Stufen zur Verkehrs-Unterwelt hinabeilt. Das nächste Mal, wenige Minuten und 4 U-Bahnstationen später, sehe ich sie, als sie gerade wieder die Oberwelt er­reicht. Prima, denke ich, nun kann ich sie doch noch fragen, ob sie wohl ver- oder aber gekleidet ist. Wen diese Frage wundert, dem sei an dieser Stelle der heutige Sessionsbeginn des Kölner Kar­nevals in Erinnerung gerufen.
Kaufhauskostümierte zu erkennen ist, ich hab es bereits angedeutet, so leicht wie langweilig. (Wenngleich das Tragen eines Kuh- oder Eisbärenkostüms mitunter aben­teuerlich zu enden vermag.) Schwieriger ist es hingegen, Verkleidungen als solche zu identifizieren, die unbedingt alltags­tauglich wären. Wenn auch keine iro­nisierenden Accessoires Aufschluss geben, kann man nur mutmaßen oder eben nachfragen.
Ich frage nun euch: trägt Svenja Kostüm oder Kleidung?
If you ride through Cologne by bike in an easygoing tempo you are as fast as the subway. I know that, because when Sonja first caught my attention she was entering the stairs to the traffic-underworld. I saw her again a few minutes and four stations later, when she just reached the the street again. Great, I thought to myself, now I can ask her if she's disguised or simply dressed. For those who are bewildered by this question: today the Cologne carnival began.
Recognizing people wearing departement-
store disguises is easy and boring at the same time; I've mentioned that before. (Eventhough owning those disguises may become adventurous: Today's the start of the court-proceedings because 2 young men where robbed last season: they had to hand out their cow- and ice-bear costume to the thiefs.)
Anyway, it's much harder to identify a costume if it perfectly would be suitable dor daily use. If no ironical accessoires are giving a hint you either make a guess or you need to ask.
Now I ask you: Is Svenja wearing a costume or her all-day-clothes?

Montag, 7. November 2011

Mirrormen





Na, auch irritiert vom ersten Bild? Ganz sicher hätte ich Andrew (rechts) und Byron nicht angesprochen, wenn sie schon als Mirrormen unterwegs gewesen wären.
Als mir Byron mit rotem Haar und eng­lischer Sprache auffällt stehen die beiden aber noch etwas unschlüssig in einer Ecke hinter dem Dom, wo sie soeben das  städtische Ordnungsamtspersonal vor Ort kennenlernen durften. Um sich für ihre Performance umzuziehen suchen sie sich also zunächst ein anderes Plätzchen, und ich begleite sie dabei.
Andrew und Byron kennen sich aus Seattle und gemeinsam reisen sie nun  durch Europa. Byron lebt seit einer Weile in Malmö in Schweden. Dort besucht er eine Schule für "international relations", wo er zum Beispiel in der Kunst der Diplomatie unterrichtet wird. Andrew arbeitet in Seattle als Architekt. Ihre Reise hat sie bislang von Göteborg nach Zürich, über den Bodensee nach München, Berlin und Köln geführt. Morgen geht es weiter nach Amsterdam, Paris steht noch auf dem Plan, und einiges mehr: "Wir sind bis Mitte Januar unterwegs." Die Mirrormen-Nummer trägt zur Finanzierung der Reise bei und bislang klappt das ganz gut.
Well, amazed by the first pic, as well? For sure I wouldn't have approached Andrew (on the right side) and Byron if they already were dressed as mirrormen.
When Byron's read hair and english tongue caught my attention they were standing quite uncertain in some corner behind the cologne cathedral, because they just picked up with the local public order office. To get changed for their per­formance they decide to find another place, and I accompany them.
Andrew and Byron know each other from Seattle and now they are travelling together through Europe. Byron lives in Malmo, Sweden, since a while and there he visits a school for international relations. He learns important things like diplomacy there. Andrew works as an architect. They travelled from Gothenborg to Zurich, Constance. Munich, Berlin and now Cologne. Tomorrow they'll leave to Amsterdam, later Paris and a lot of more  places: "We'll be on the road until january." The mirror-men performance is helping to finance this journey, and that works out quite fine so far.



Die Anzüge haben sie in langwieriger Kleinarbeit selbst angefertigt; näheres dazu kann man auch auf ihrem Blog er­fahren. So ewig lang wie ich vermutet hätte sind die beiden noch gar nicht be­freundet: "Seit drei Jahren ungefähr." Während sie sich umziehen reden wir ein bisschen, und als Andrew mir dann als erster sein Spiegelgesicht zeigt merke ich , wie seltsam es doch ist, nicht mehr darin lesen zu können: "Wenn wir gefragt werden, ob wir für ein Foto posieren, dann lächele ich immer" erzählt Byron, "obwohl es ja gar niemand sieht."
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They prepared and constructed their mirrormen-suits by theirselves in a time-consuming datail-work. More you can read about this in their mirrormen-blog. Andrew and Byron aren't friends since such the long while, I would have expected: "Since about three years." While they get changed we talk a bit, and when first Andrew is presenting his mirrorface to me I realize, that it's quite strange that I can't read in it anymore. "If people ask us for a photo I always smile, " Byron says. "Although nobody can see it."
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Samstag, 5. November 2011

Die Männer, erste Runde


Heute, ja heute soll es endlich passieren: den Jungs folgen die Männer. Und zwar die rothaarigen, die ich vor nun schon zwei Monaten in Breda beim diesjährigen Red-head-day getroffen habe. Ja ja, top­aktuelle Berichterstattung geht anders, weiß ich auch...
Peter aus England ist das erste Mal in Breda. Seit seinem 18. Lebensjahr hat er seine Haare nicht mehr abgeschnitten, und das ist nun schon über 20 Jahre her. Inmitten all der rothaarigen fühlt er sich wohl, und als ich ihm prophezeie, dass er sicher sehr häufig fotografiert werden wird, bleibt er gelassen: "Normalerweise bin ich eher nicht der Typ, der  gerne viel Aufmerksamkeit erweckt. Ich bin nicht so der Pfau. Aber hier ist es was anderes, ich bin glücklich hier zu sein." In seinem alltäglichen Lebensumfeld ist er keines­wegs der einzige (Mann) mit roten Haaren. Und trotzdem empfindet er es als be­wegend sich in Gesellschaft so vieler anderer Rothaariger zu befinden: "Ich habe gestern mitbekommen, wie es langsam immer voller wurde in Breda, immer mehr Menschen mit roten Haaren. Das war einfach toll."
Todays's the day: the men finally follow the boys. Namely the red-heads who I've met at this years redhead-day in Breda. Well, this is no up-to-the-minute report at all, I know...
Peter is from England and it's his first time in Breda. Since he was 18 he didn't cut his hair no more, and this is so for about 20 years now. He feels very comfortable among all those redheads, and when I predict, that he will be asked for a photo very, very often, he keeps cool: "Usually I'm not the guy who likes to be in the limelight. I'm not peacocking, you know. But this is different, I'm very happy to be here." He's not the only redhead (man) in his daily surrounding, but anyway he feels touched meeting so many other redheads: "Yesterday I could see how Breda was getting kind of crowded with redheads, more and more were arriving. That was simply great."



Diesen jungen Mann habe ich bei der Eröffnungsveranstaltung am Groote Markt fotografiert. Da wollte ich ihn nicht stören. Das nächste Mal saß er in einem Cafe am Hafen beim essen. Und ich wollte wieder nicht stören. Am Ende hab ich ihn nicht mehr gefunden; Was lerne ich daraus? Chancen soll man nutzen, wenn sie sich bieten. Weiter geht's, bitte hier entlang....
First I saw this guy at the big opening at the Groote Markt. But I didn't want to disturb him then. Later I saw him again, at a restaurant at the harbour where he was eating. Again I didn't want to disturb him. Finally I didn't meet him again. What do I learn from this? You need to catch your chance at the right moment. See more, please follow....

Dienstag, 1. November 2011

Leseförderung





Bevor Herr E. mich sieht bzw. die Worte, die ich an ihn richte, hört, vergehen lange Sekunden, in denen seine komplett unge­teilte Aufmerksamkeit seiner Kamera gilt. Oder vielmehr dem, was er dadurch sieht, irgendwo weiter oben, himmelwärts. Ja, ich darf ihn fotografieren, und weil er seine Kamera schon mal in der Hand hat, macht er währenddessen auch ein Foto von mir, weil er es zu komisch findet wie ich dastehe. (Falls er es mir schickt, werde ich es nachträglich anfügen)
Herr E. ist seit 13 Jahren Hausmann und Vater von zwei Söhnen, die 15 und 16 sind. Davor war er Buchhändler, und den Büchern ist er auch treu geblieben: "Ich arbeite morgens in der Bibliothek einer Grundschule." Nun sitzt Herr E. aber nicht spröde hinterm Pult und stempelt Aus­leihdaten in vergilbte Laufkarten: "Wir machen da Leseförderung. Die Schule ist in einem sogenannten sozialen Brennpunkt. Der Rektor der Schule ist sehr engagiert, er hat viele Förderungen und Unterstützungen beantragt, so dass es möglich ist sowas anzubieten." Was gelesen wird ist gar nicht so wichtig; es geht eher darum die Kinder überhaupt zum Lesen zu animieren und einzuladen: "Manche bringen auch 'ne Bravo mit, die lesen wir dann zusammen. Es geht schon lebhaft zu dabei."
Before Mr. E finally realized me standing beside him, trying to approach him, some long seconds dragged by. He gave all his undevided attention to his camera, resp. to what he was seeing trough his lense, somewhere upwards in the sky. Yes, he agreed that I take his photo, and just because he had his own camera in his hand, he took a picture of me, as well, because he thought my pose was so funny  while I was shooting him. (If he sends it to me, I will add it.)
Since 13 years Mr. E is home-husband, and he's father of two boys at the age of 15 and 16. Formerly he used to be a book seller, and today he's still busy in books: "I work at a school-library in the morning" But Mr. E doesn't simply stamp periods of loan on yellowed batch cards: "We encourage the kids to read. The school is located in a so called deprived hot spot, and the dirctor is very involved in all this; he proposes for all kinds of sponsor-ships and fundings, so that this work is possible, at all." It's not that important what the kids are reading, it's all about inviting them to read at all: "Some of them bring a 'Bravo', and then we read it together. It's quite a vibrant thing."



Meine Frage, was ihm im Leben wichtig lässt Herrn E.s Blick nachdenklich in die Weite schweifen: "Ja, das ist so eine Frage, auf die man gerne eine Antwort parat hätte..." sagt er und überlegt weiter: "Ich versuche ein verträglicher Mensch für andere zu sein, eine Resonanz für andere zu haben... Ja, und ich bin froh, in einer Demokratie zu leben. Freiheit, die Verfassung... 'Die Würde des Menschen ist unantastbar'; das müßte man noch viel deutlicher herausstellen. Das sind alles wertvolle Dinge im Leben."
The question what he considers important in life makes Mr. E stare ponderingly into the distance for a long moment: "Well, this is a question one would like to be prepared for..." he says, still reflecting. "I try to be a peaceable person for others, I try to respond to others. Well, and I'm glad to live in a democracy. Freedom, constitution... "The dignity of men is unimpeachable", that should be even more prominent. All these things are precious in life."