Dienstag, 29. März 2011

Let every man wear his Tartan





Die Begegnung mit Herrn K. ist so nett wie sie kurz ist. Herr K. ist zu Besuch in Köln, zum Geburtstag eines Freundes. Er lebt in Bad Oeynhausen und dort ist er Ge­schäftsführer einer Therme. Die Bali­therme ist eine Geschäftsschwester des Neptunbades und der Claudiustherme, wie ich später lese, und mir wird klar; hier wird im großen Stil gesaunt. Als ich mit Herrn K. so dastehe will mir leider keine schlaue Frage einfallen. Das hängt, wie ich vermu­te, mit seiner grundentspannten Ausstrahl­ung zusammen; was soll man viel reden, wenn man doch einfach 'so sein' kann? Auf meine Frage was ihm wichtig ist im Leben antwortet er ohne zu überlegen: "Meine Familie." Und seine Freundschaften pflegt er, fügt Herr K. noch an.
Wie passend die karierte Jacke seine Haltung unterstreicht fällt mir erst später auf: Das schottische Karomuster, auch Tartan genannt, weist seit dem 17 Jhd. traditionell auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan hin, also einer Familie oder einem Stamm. Es gibt heute noch einige Tartanmuster mit, und unzählige Muster ohne historische Vorläufer oder Zuordnung zu einem Clan; für nichtein­geweihte eine schwer verständliche Ord­nung.
Welche Bedeutung Kleidung haben kann, besonders wenn sie ein solches Zusammen­gehörigkeitsgefühl demonstriert, mag das sogenannte Disarming Act von 1746 ver­deutlichen. Disarming bedeutet entwaff­nen; und eins der einschneidensten Ge­setze verbot nicht etwa  das Tragen von Waffen, sondern eben dieser schottischen Hochlandkleidung, um die Eigenständig­keitsbestrebungen Schottlands gegen­über England zu unterdrücken. Bis zu 7 Jahren Haft oder gar der Tod drohte dem, der sich widersetzte. 36 Jahre lang war dieses Gesetz in Kraft, bis es 1782 aufgehoben wurde. Der schottische Schriftsteller Sir Walther Scott hat mit seinem Appell: "Let every man wear his Tartan" den Nerv der Bevölkerung getroffen, und mutmachend dem Schottenkaro zurück ins öffentliche Leben geholfen.
Meeting Mr. K is as enjoyable as short. Mr. K is visting a friend in Cologne for his birthday, actually he lives in Bad Oeynhausen, wher he's the manager of a spa. The Balitherme is a business-sister of the Cologne Neptunbad and Claudius­therme, as I know by now, and I understand; this is sauna business on a grand scale. When I'm standing there with Mr. K. no smart question comes across my mind, and that, I guess, has to do with the deep relaxation he radiates. Who needs to talk if you 'simply can be'? His quick reply on my question what he considers important in life, is: "My family." And he takes good care for his friendships, Mr. K. adds.
That his chequered jackett perfectly underlines his attitude I realize afterwards. The chequer, also called tartan, is traditionally symbolizing the membership to a sottish clan since the 17th century, so to a family or a tribe. Today some tartans exist with historical harbingers or belonging to a clan, and quite a lot without. A system which is hard to understand for outsiders.
Which immense relevance clothes may convey, especially if they stand for shared identity, the disarming act of  1746 exemplifys. One of it's most drastic laws, the Highland Dress Proscription Act,  prohibited wearing highland tartans; please note, we talk about disarming! The intention was to stamp down the sovereignty efforts of the Scots towards England. Up to seven years imprisonment or even death was the threat of punishment for those who counteracted. For 36 years this law remained in force, until 1782 it was repealed. The scottish novelist Sir Walter Scott found the right words for peoples desire with his appeal: "Let every man wear his tartan", and so he was most helpful to  encourage people to revive the tartan.

Sonntag, 27. März 2011

Viertel vor vier


"Aus der Reihe Musik zu Wochenende" nennt Liisa von Charming Quark ihre regelmäßig veröffentlichten Musikempfehl­ungen. Die Auswahl der vorgestellten Künstler trifft häufig zielgenau meinen persönlichen Geschmack, und die Beiträge sind stets mit ein paar Hintergrund­informationen versehen.
Die Band die ich an diesem Sonntagabend vorstellen möchte müsste ich wohl unter "Musik zum Wochenend-Ende" einsortie­ren, wenn ich denn eine solche  Rubrik hätte.  Die Jungs von "Viertel vor Vier" ziehen mit ihren Instrumenten bepackt an mir vorbei, und von den Stufen der Treppe am Dom aus beobachte ich, wie sie sich zum spielen bereit machen. Mir gefällt ihre Musik, und ich freu mich, dass sie rasch ein applaudierendes Publikum um sich versammelt haben. Eine knappe halbe Stunde spielen sie, dann ist alles wieder vorbei.
In her column "Weekend-Music-Tips" Liisa from Charming Quark repeatedly presents music recommendations. Quite often her tips absolutely to my taste, and she always adds some backgoundinformations.
The band I would like to recommend on this sunday evening I probably should sort into a category "End of the weekend-Music-Tips" if I had any category like that. The boys of "Viertel vor Vier", which means ' a quarter to four' are passing carrying their instruments, and from the stairs to the cathedral I watch them preparing their outside-gig. I enjoy their music, and I'm delighted because quite soon they win over an applauding audience. For about 30 minutes they play, then it's all over again.


Fabian spielt Saxophon und er verrät mir, dass sie aus Freiburg kommen: "Wir hatten alle letzte Woche schriftliches Abi, und jetzt sind wir ein bisschen herumgefahren, um unsere CD zu verkaufen." Alle wollen "etwas mit Musik" machen, jetzt wo die Schule vorbei ist. Fabian hat sich unter an­derem auch in Köln an der Musikhochschule beworben.
Gerade hat Viertel vor Vier den Band Contest Rampe 2011 gewonnen. Aus 49 Bands wurden sie mit vier weiteren Be­werbern zum Konzert gebeten. Mit dem gewonnenen ersten Platz sind sie nun die Tourband des Zelt-Musik-Festivals in Frei­burg, was hier im Blog bereits an anderer Stelle schon einmal Erwähnung gefunden hat.
Mehr Songs zum reinhören findet man auf ihrer Myspace Seite. Ich hab hier ruhigere Stücke ausgewählt, und ich muss sagen, ich hätte mal besser die CD gekauft.
Fabian plays the saxophone and he tells me that they're from Freiburg: "We graduated last week, and for the last days we've been on tour to promote our album." They all want to be musicians later, now that they finally finished school. Fabian applied himself to the Cologne Conservatory, among other colleges.
Viertel vor Vier has just won the Band contest Rampe 2011. Out of 49 bands 5 bands were selected to play at the contest. Taking the first place means that they now are the Tourband of the Zelt-Musik-Festival, which was shortly mentioned in this blog before.
At their Myspace site you'll find more songs to listen to. I've chosen two slow songs, and I have to admit; I better should have bought their album.

Freitag, 25. März 2011

Equal pay day


Frauen verdienen für vergleichbare Arbeit weniger als Männer. Soviel weniger, dass, würde man es in unbezahlte Tage um­rechnen, der heutige 25. März als der Tag im Kalender markiert werden kann, bis zu dem eine Frau quasi umsonst gearbeitet hat. Oder anders formuliert; Männer be­kommen seit dem 1. Januar Lohn, Frauen erst ab morgen. Etwas fundierter und mit deutlich mehr Hintergrundinformationen klärt ein Artikel der Mädchenmannschaft über den Sachverhalt auf. Weiter geht's, bitte hier entlang...
Women earn less money than men for the same kind of work. If the difference would be converted into time, into unpaid days, the 25th of march was the day which could be highlighted at the calendar: until this day women work for free. Or to tell it in different words: Men are paid fom 1st of january on, women from tomorrow on. This article explains it a bit better and with much more background-informations. Please follow...

Mittwoch, 23. März 2011

Draußen sein





Herrn D. treffe ich an der Insel Grafenwerth in Bad Honnef. Es ist Mittwoch und trotz des schönen Wetters ist es, anders als am Wochenende, recht menschenleer hier. Herr D. heißt mit Vornamen Heinz: "Hier gibts vielleicht drei Menschen, die meinen Nachnamen kennen. Dass ich Heinz bin wissen alle." Früher war Heinz Maurer, heute ist er 71 und in Rente. Eigentlich hatte er in den 50iger Jahren Möbelschreiner gelernt: "Aber damals gab's noch nicht diese großen Absauganlagen an den Sägen, und die Luft können Sie sich ja vorstellen, die da immer war." Die Lehre hat Heinz zwar beendet, aber direkt danach ist er zum Bau gegangen. Dort musste er sich langsam hocharbeiten: "Als Handlanger hab ich angefangen, am Ende war ich Vorarbeiter." Er hat gerne auf dem Bau gearbeitet, denn da war man immer draußen, an der Luft. Auch heute verbringt er die meiste Zeit draußen: "Was soll ich alleine in der Wohnung sitzen.? Das ist doch nichts." Jeden Tag geht er zur Brücke, zur Insel, durch den Ort. In seiner Hosentasche hinten links hat er einen blauen Stoffbeutel, den er mir zeigt: "Ich sammele Flaschen und Dosen. Damit bessere ich meine Rente auf. Ich kauf mir Zigaretten und morgens ein Frühstück: zwei Kaffee und ein Brötchen."
I meet Mr. D. at the Grafenwerth Island in Bad Honnef. It's wednesday and although it's wonderful weather only a few people are around, unlike the weekends. Mr. D's first name is Heinz: "Only maybe three people here know my lastname. But everybody knows I'm Heinz." In earlier times Heinz worked as a bricklayer. Now he's 71 and retired. Back in the 50ies he actually was apprenticed to be a carpenter: "But those huge dust extraction systems didn't exist yet. And so you may imagine the air at the workshop." He finished his apprenticeship, but right after it he started to work at the building site.There he had to start from the very beginning: "I began as a henchman and finally became a foreman." He liked his work very much, because it gave him the opportunity to be outside, breathing fresh air. Nowadays he still keeps spending as much time as possible outside: "What am I supposed to do at home all day long, all by myself? That's not really my thing." Every day he takes a walk to the bridge, to the island, through the town. In his back pants pocket, on the left side, he keeps a blue cotton bag, which he gets out for me: "I collect deposit bottles and cans. So I try to  increase my pension. I can buy some cigarettes and a breakfast in the morning: 2 coffe and a sandwich."



Dass ich fremde Menschen auf der Strasse anspreche findet Heinz normal. Das tut er auch, wenn es sich ergibt. Dass ich etwas über sie schreibe gefällt ihm: "Aus dem echten Leben. Das ist doch gut, nicht immer nur die Stars." Ich frage ihn was er sich wünscht, wovon er träumt. "Ach, das weiß ich jetzt gar nicht so auf Anhieb." Verreisen, schlage ich vor, vielleicht an einen norwegischen Fjord? "Ja, verreisen, das wär was." sagt er, aber hauptsächlich wünscht sich Heinz gesund zu bleiben.
That I approach foreign people on the street sounds familiar to Heinz. He also does, if the occasion arises. And he likes that I write something about them: "From real life. That's good. Not only about the stars all the time." I ask him, what he's dreaming of, what he wishes for. "Oh, I can't even tell straight away." Travel, I suggest, maybe to some norwegian fjord? "Well, to travel would be nice." he says, but mainly Heinz wishes to stay healthy.





Montag, 21. März 2011

Frau Meffert





Das ist Frau Meffert. Seit einer Woche hat sie ihr eigenes Cafe, und das befindet sich in meiner Nachbarschaft. Und weil es Mut und Unterstützung braucht wenn man sich selbstständig macht, und Nachbarschaft außerdem  eine feine Sache sein kann, hab ich heute der Frau Meffert mal einen Besuch abgestattet.
Sehr früh, ab 7 Uhr 30, bereitet sie ihren Gästen den ersten Kaffee. Frühstück gibt's natürlich auch, später noch ein kleines Mittagessen und Kuchen sowieso. Viel Zeit zum reden hatte sie nicht, die Frau Meffert, und so richtig dringend wollte sie auch nicht fotografiert werden. Aber auf die Frage was im Leben wirklich wichtig ist, hab ich trotzdem eine Antwort bekommen: "Gute Freunde und ne joote Charakter." So schlägt und spricht das kölsche Herz...
That's Frau Meffert. Since about one week she runs her own Coffeeshop, which is located in my very neighbourhood. And for the reason that it needs courage and support to go into business for oneself, and neighbourhood besides can be a great thing, today I set off to visit her.
Early in the morning, from 7.30 am on, she brews coffee for her guests. Of course breakfast is offered, a nosh meal at lunchtime, and cake anyway. She didn't have much time to talk to me, Frau Meffert, and she either wasn't to keen about getting photographed. But nevertheless she answered my question what she considers really important in life: "Good frinds and a sincere character."


Letzten Sonntag war die Einweihungsfeier, und am Dienstag wurde offiziell eröffnet. Zum Einwöchigen von mir ein herzliches Ahoi und alles, alles Gute. Wer mehr sehen möchte, bitte hier entlang...
Last sunday there was a opening-party and on tuesday the official opening took place. All my very best wishes for the one-week-anniversary! Who is curious for more, please follow....

Freitag, 18. März 2011

...einfach so hineinfallen





Mit Dominik treffe ich mich zum Kaffee, weil er mir eine mail geschrieben hat. An den Gedanken des darin enthaltenen Vor­schlags muss ich mich vorerst noch ein wenig für mich allein gewöhnen, aber bald verrate ich mehr dazu. Das Foto jedenfalls ist etwas anders zustande gekommen als sonst, aber egal wo oder wie; ich hätte Dominik ziemlich sicher ohnehin ange­sprochen.
"...zu studieren bedeutet nicht, dass man besonders schlau oder intellektuell ist."  sagt er mit einem Lachen, das weitere Er­läuterungen überflüssig werden läßt. Und Dominik verfügt über Insider-Wissen, denn er studiert selbst: "Germanistik und Philo­sophie." Sein Lehrberuf ist Goldschmied, und auch wenn er sein Studium nicht missen möchte, sieht es doch ganz danach aus, als würde er früher oder später zur Kunst des Handwerks zurückkehren.
Überhaupt ist Dominik der Kunst sehr zu­gewandt; seit einigen Jahren engagiert er sich ehrenamtlich bei den Jungen Kunst­freunden des Museums Ludwig und Wallraf-Richartz-Museum: "...die sich übrigens immer über Zuwachs und Unterstützung freuen..." Was ihn an einem Kunstwerk, oder der Kunst überhaupt, so fasziniert, be­schreibt er so: "Manchmal kann ich es gar nicht sagen; das blaue Monochrom von Yves Klein zum Beispiel; da kann ich einfach so hineinfallen. Manchmal ist es auch gut etwas zu wissen über ein Gemälde. Dem rätselhaften Bild  La Tempesta von Gior­gione bin ich durch den sehr tollen Roman Trügerisches Licht der Nacht näher ge­kommen. Die Faszination ensteht also auf immer andere Weise."
I've met Dominik for a coffee, because he sent me an email. I still have to - all by myself - become inured to the suggestion the mail contained, but I'll tell about it soon. So this photo was made under specific circumstances, but anyhow; I would have approached Dominik anyway.
"...to study doesn't automatically mean that someone is very smart or intellectual." he says with a smile which makes any further questions unneccessary.  And Dominik possesses insider-knowledge, because he himself is a student: "German studies and Philosophy." His first profession is goldsmith, and although he likes to study, it looks like he, sooner or later, will turn back to dedicate himself to the art of handicraft.
Anyhow Dominik is keen on arts; since a few years he's active on a voluntary basis for the Young friends of Art of the Museum Ludwig and Wallraf-Richarz Museum: "...who always appreciate any kind of support or membership..." What makes art so exciting to him, he trys to explain to me in these words: "Sometimes I can't even tell; the blue monochrome for example of Yves Klein: I simply could get lost in it. Sometimes it's good to know something about a painting. I've red about the mysterious painting  La Tempesta of Giorgione in the wonderful novel The tempest of Juan Manuel de Prada, and became interested. So fascination always may occure in any otherway."

Mittwoch, 16. März 2011

Champagner ist ein Happening





"Die wirkliche Begegnung mit anderen Menschen, wahrhaftiger Kontakt: das ist für mich Luxus... Champagner ist ein Happening." so lautet Adeles Antwort auf meine Frage, was im Leben für sie wirklich zählt. Adele ist Schauspielerin, und als ich sie anspreche ist sie gerade auf dem Weg mal eben schnell ein paar Dinge zu erle­digen: "Eigentlich putz ich grad meine Wohnung." Ich frage, ob sie Frühjahrsputz macht, aber in solchen Kategorien denken wahrscheinlich nur Frauenzeitschriften (und ich offensichtlich). Trotzdem freut sie sich über das Wort und lacht: "...ja, das klingt jedenfalls gut."
Adele hat soeben bei 2 Filmen mitgespielt und arbeitet aktuell bei einem Theater­stück mit: Rendezvous, das am 15.04 in der Nähe von Düren Premiere hat. Es geht darin um zwei Paare, die einen gemein­samen Abend miteinander verbringen, und dass ein solches Zusammentreffen genü­gend Stoff für eine Geschichte bieten kann dürfte den allermeisten, jetzt oder einst in Beziehung lebenden Menschen, leidlich vertraut sein. Das Stück wurde übrigens bereits verfilmt; mit kleinstem Budget und größtem Enthusiasmus (Trailer).
"True relations to others, to really and truly be connected with people, that's what I consider luxury. Champaign is just a happening." that's Adeles answer on my question, what she considers really important in life. Adele is an actress, and when I approach her she's on her way to get some things done. "Actually I'm busy with cleaning my appartement." I ask her if she does spring-cleaning. But only womens magazines seem to thing in categorys like that ( and me, obviously). Adele anyway likes the word and laughingly she says: "...well, that sounds good at least."
Adele just was engaged for 2  movies, and currently she works for a theatre play, which will have it's opening night at april 15th close to Düren. It's about two couples, spending an evening together, and that a come-together like that may entail quite some material for a story, might probably be well known to all of you, who currently or formerly have been acquainted in a romantic relationship. The play is also made into a film, yet: with very little budget and quite enormous enthusiasm. (german trailer)

Dienstag, 15. März 2011

...wirft sein blaues Band





An einem der ersten, etwas sonnigeren Tage in diesem Jahr, kurz vor Karneval, treffe ich Ken, der so ganz ohne Jacke doch noch auffällt. In diesen Tagen macht sich, zumindest in Köln, der Frühling lang­sam breit, und von Flip-Flops bis Woll­mütze ist mir heute so ziemlich alles be­gegnet. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich schnell sich die Menschen den anbrechenden Jahreszeiten anpassen.
Ken studiert Medizin im siebten Semester, und weil ich ein so neugieriger Mensch bin frage ich ihn, wo seine Wurzeln liegen. Sei­ne ersten Lebensjahre hat er im Kongo verbracht, bis er mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen ist. Warum die meisten Schwarzen die ich anspreche aus dem Kongo sind ist eine Frage die ich zunehmend amüsiert in meinem Kopf hin und her schiebe. Was mir allerdings auf­fällt ist, dass mich in der Regel die offenbar sorgfältig gewählte Kleidung neugierig macht, und so frage ich Ken ob er mir das erklären kann: "Ich glaube schon, dass es für Afrikaner wichtig ist, sich schön anzuziehen. Nicht in allen Ländern, aber im Kongo bestimmt. Das hat nichts mit Ober­flächlichkeit zu tun, es ist mehr ein Ver­gnügen am sich kleiden."
Wichtig im Leben ist für Ken: "...die Liebe zu meiner Familie. Und das ich glücklich bin mit dem, was ich mache. Ich studier ja jetzt Medizin, aber auch wenn ich später mal was anderes machen sollte; dass ich damit glücklich bin."
On one of the first days of this year which let the sun appear, just before carnival, I've met Ken, who caught my attention by already not wearing a jackett anymore. In these days, at least in Cologne,  spring is approaching, and today I witnessed many different states of dressing up; from flip-flops to woolen caps, everything was represented and, as every year, I'm surprised how varying the tempi of people are, concerning the adaption of upcoming seasons.
Ken studies medicine, and for the reason that I'm such a curious person I ask him where he's originally from. His first years he lived in Congo, before he came to Germany with his parents. More and more I amusedly wonder why most of the black people I approach are from Congo. But what strikes me for sure, are the carefully arranged clothes, and so I ask Ken if he's able to explain that to me: " Well, I guess Africans like to get dressed. Maybe not in every country, but in Congo for sure. It's not a thing of superficiality, it's about being delighted by dressing up."
What Ken concerns most important in life is: "The love to my family. And to be happy with what I'm doing. So now I study medicine, but even if I'll do anything else down the road ; it's important to be happy about it."

Freitag, 11. März 2011

Cavaquinho





Kurz vor dem Regen spreche ich Gottfried an. Und es ist eine ganz besondere Begegnung, denn noch nie zuvor hat einer der Angesprochenen mir bisher ein Lied gesungen. Gottfried tut das, und zwar mit ebenso unangestrengter wie unspektaku­lärer Selbstverständlichkeit. Dabei beglei­tet er sich selbst auf seiner Cavaquinho. Nur zu gern hätte ich eine Videokamera dabeigehabt, aber das Original von Jack Johnson unten muss leider reichen.
Gottfried kommt aus Heilbronn, hat in Köln Karneval gefeiert und studiert in Passau Kultur und Wirtschaft. Wohin die Reise damit geht ist noch nicht klar: "Kulturen interessieren mich, ihre Hintergründe." Seinen Zivildienst hat er in Brasilien ge­leistet, aber neben der lateinamerika­nischen interessiert ihn auch die arabische Kultur. "Und ich lerne russisch, da zieht es mich auch hin." Wichtig im Leben ist ihm "Erfahrungen zu sammeln. Das ist das, was ich im Moment tue. Zum Beispiel mit dem Aufenthalt in Brasilien"
Just before it starts to rain I approach Gottfried. And it is a very special meeting, because no one of all the people I took photos of yet sang me a song. But that's what Gottfired does, and he does it with an naturalness which is as effortless as unspectacular. He accompanies himself on his cavaquinho. I wish I've had a video-camera, but the original song from Jack Johnson below is all I can offer.
Gottfried is from Heilbronn, he came to Cologne for carnival and he studies culture and econmics in Passau. Yet he doesn't really know what he will be later: "I'm interested in different cultures, in their backgrounds." For his civilian service he went to Brasil, but except for the latin-american culture he's interested in the arabian culture as well. "Furthermore I learn russian, Russia also attracts me." In life Gottfried considers important: "To gather experiences. That's what I currently do, with my stay in Brasil for example."



Gottfried beschreibt sich selbst als einen Menschen, der gern mit anderen zusammen ist. "Viele Freunde von mir machen Musik, und wir spielen oft zusammen. Für mich ist das leichter als alleine Musik zu machen. Und auf meiner kleinen Gitarre kann ich noch ganz gut mit­halten" sagt er und lacht.
Gottfried descibes himself as a person who enjoys spending time with others. "Many of my friends are musicians, and we play together a lot. For me that's more easy than playing alone. And with my small guitar I'm still able to keep up." he says with a smile.


Mittwoch, 9. März 2011

Lebendige Mischung





Zuerst sehe ich das Auto, dann die Kappe, dann warte ich wer aussteigt. Und das alles im Parkhaus. Wolfgang Leidhold ist ein Mann mit 2 Professionen. Zum einen ist er Politikwissenschaftler, zum anderen Künstler. Wolfgang Leidhold malt, und als ich ihn treffe ist er eigentlich mit einem Bein schon im Flugzeug nach New York, wo in diesen Tagen seine Ausstellung Knots and other stories im Chelsea Art Museum eröffnet wird. Das Malen und die Kunst begleiten ihn schon eine ganze Weile: "Ich habe aber lange quasi nebenbei gemalt. Freunde haben immer versucht, mich zu überreden, mir ein Atelier zu mieten. Das fand ich übertrieben." Seit einiger Zeit hat sich allerdings die Einstellung zu seiner Kunst geändert: "Ich nehme sie jetzt ernster. Und dann passieren auch plötzlich andere Dinge." Die Ausstellung in New York ist durch eine lebendige Mischung aus passender Gelegenheit, eingeleitetem Zufall und forschem Unternehmungsgeist zustande gekommen, und gar zu gerne würde ich sie mir ansehen. Was Wolfgang Leidhold wichtig ist im Leben: "Die Liebe. Sie ist Grundlage jeder menschlichen Beziehung."

Einen kleinen Überblick über sein Werk kan  man auf seiner Seite bekommen, aber ist eben nur auf dem Bildschirm...
First I see the car, then I see the cap, and then I wait who backs out. And all that at the parking-garage. Wolfgang Leidhold is a man with two professions. On the one hand he's a political scientist, on the other hand he's an artist. Wolfgang Leidhold is a painter, and at the moment I meet him he's somehow already with one foot at his plane to New York, where his exhibition Knots and other stories is opened at the Chelsea Art Museum since a few days. Painting and art loom large in his life: "But for a long time I've been painting as a sideline. Friends of mine always tried to convince me to rent a workshop. I thought that was too overstated." Since a while his attitude concerning his art changed: "I take it more serious. And suddenly things start to happen." The New York exhibition came into being by a vibrant mixture of  oportuneness, initiated coincidence and perky entreprenaurial spirit, and I wish I could see it. What Wolfgang Leidhold considers important in life: "Love. It's the basis for all human relations."

His website gives an overview of his work, but it's just that it's only on screen...

Dienstag, 8. März 2011

The Ladys


Die "Könnte man im echten Leben doch auch mal so tragen"-Serie widmet sich nach den Männern nun den Frauen, und beschließt gleichzeitig meinen diesjährigen Karnevals-Ausflug. Und das alles ohne viele Worte. (Nach vielen Worten ist mir nämlich gerade einfach nicht.)
The "why not dressing like this in all-day-life" series today is dedicated to the women, after starting with the men. At the same time it ends my this year's carnival stroll. And all this in brief (because I currently don't feel like talking too much.)


Nicht unerwähnt möchte ich allerdings lassen, dass Linda ihr alltagstaugliches Rot­käppchenkleid flott über Nacht selbst ge­näht hat. Und sie ist nicht etwa Schnei­derin von Beruf. Mein Kompliment!
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But this should not get unmentioned: Linda has tailored her ready-to-wear little red riding-hood-dress herself over night. And that's not that this is her profession. Kudos!
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Samstag, 5. März 2011

Fliessende Grenzen





Jedes Jahr an Weiberfastnacht kommt es abends in der Tagesschau: am Alter Markt in Köln wurde am Morgen pünktlich um 11:11 der Straßenkarneval eröffnet. Das nichtkarnevalistische Restdeutschland wird dann mit synthetischer Bunt- und Aus­gelassenheit dicht gedrängter Menschen­massen in zweifelhaften Kaufhaus­kostümen und kätzchengeschminkten Ge­sichtern erschreckt. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, aber leider findet eben diese Hälfte den medienwirksamsten Niederschlag.
Dass man nicht zur industriell gefertigten Plüschküh oder zum Lappenclown mutieren muss, davon kann man sich, zum Beispiel, in meinem letztjährigen Karnevals-Post ein Bild machen. Dieses Jahr sind mir bei meinem Streifzug besonders die Kostüme ins Auge gefallen, von denen ich sagen würde, dass man sie so oder ähnlich eigentlich auch im richtigen Leben tragen könnte. Meist ist es nur ein Accessoire oder die Schminke, die ein Kostüm zur Verkleidung werden lassen.
Jens eröffnet heute die Serie der Männer. Er hat eine Agentur für Kommunikations­design mit dem schönen Namen Der 103. Tag, und er zieht sich gerne gut an. Das sieht im Alltag natürlich dann doch noch mal anders aus, aber in dieser Aufmachung würde er inmitten von Hipster-Mitte auch nicht weiter auffallen.
Every year at womens carnival day it occurs at the news: at the Alter Markt in Cologne the street carnival season was opened at 11:11, just on time. The rest of non-carnevalistic germany gets frightened with pictures from a crowded together crush of people in synthetical and colorful party-mood, wearing questionable warehouse costumes and kitten-make up faces. That, of course, is only half the story. But unfortunately it's the part which catches most attention of the media.
That one hasn't to walk around like a plush-cow or a plastic-clown you may find out reading my last years carnival post, if you like. This year, on my long stroll through carnival Cologne, costumes which could also be worn in all-day-life have caught my attention. Often only the make-up or an accessory makes a costume to become a masquerade.
Jens opens my series of men at carnival this year. He runs an agency for communications, called The 103rd day, and he likes to dress up. In all-day-life it looks a bit different, of course. But this style wouldn't catch too much attention at the hipster Berlin-Mitte, I guess.


Das ist Julien, und auch ohne Karneval hätte ich ihn auf jeden Fall angesprochen. Weiter geht's, bitte hier entlang...
That's Julien and I definitely would have approached him, carnival or not. Explore more, please follow....

Mittwoch, 2. März 2011

Karnevalsflüchtling





Wenn der Strassenkarneval in Köln los geht rollt so mancher Einheimische mit seinem Koffer lieber schnell in Richtung Bahnhof. Dort anzutreffen ist eine große Zahl wei­terer Rollkoffer, die allerdings von Aus­wärts extra für die tollen Tage angereist sind, und die Stadt aus umgekehrter Rich­tung erobern. Ich habe heute allüberall solcherart höchst unterschiedlich moti­vierte Menschen mit ihren Rollkoffern ge­sehen, und Raoul beantwortet meine Frage ob er ein Karnevalsflüchtling ist mit einem klaren "Ja!" Er ist auf dem Weg nach Innsbruck, und was er dort tun wird liegt auf der Hand. An Karneval stört ihn so einiges; vor allem aber "diese Distanz­losigkeit, mit der die meisten Menschen spätestens nach einem halben Tag unter­wegs sind."
Raoul ist Friseur, und er hat seinen eigen­en Laden: Hauptquartier heißt er. Was ihm wichtig ist im Leben, frage ich: "Dass man so häufig wie möglich bei sich bleibt." Das, so sagt er, gilt auch für die Arbeit und für den Umgang mit anderen Menschen so­wieso.
At the time when Cologne street carnival is about to start one or another cologne resident rather grabs his trolleybag, heading to the train station. There he'll probably meet a large number of many more trolley bags; which certainly especially came over to Cologne for carnival. Today I've seen quite some people with such totally opposed motives pulling trolleys through the streets. Raoul answers my question, if he's an carnival refugee with a clear: "Yes!" He's on his way to Innsbruck, and what he plans to do there is quite obvious, I think. Carnival bothers him in some ways; but above all "that people tend to be so obtrusive after a couple of hours."
Raoul is a hairdresser, running his own shop: It's called Headquarter. What he concerns important in life, I ask him: "To stay true to oneself as often as possible." That, he says, applies to work as well as to human relations."