Freitag, 25. Februar 2011

Leipziger Loden





Pia's Lodenmantel weckt eine Kindheits­erinnerung; im Alter von 10 oder 11, ich weiß es nicht mehr ganz genau, hatte ich nämlich ein Lodencape. Was ich jedoch noch sehr genau weiß; mit meinem Lodencape war ich ganz allein auf weiter Flur. Niemand sonst hatte eins, niemand sonst hatte überhaupt etwas aus Loden. Meines war von Lodenfrey; ganz was feines, wie mir nachdrücklich vermittelt wurde, als ich gegen das ungewollte Klei­dungsstück erfolglosen Einspruch zu er­heben gewagt habe.
Pia in ihrem Mantel erfreut mein Auge trotz der leidvollen Lodenerfahrung, und überhaupt hat der traditionsreiche Walk­stoff in meinem Herzen schon lange Reha­bilitation erfahren.
"Ich habe den Mantel bei meinen Eltern auf dem Dachboden gefunden" erzählt Pia: "Eigentlich ist es ein Kindermantel, deswegen sind die Ärmel auch so kurz." Dafür ist er allerdings ganz schön lang, finden wir beide, und Pia führt noch die Kapuze vor. Pia ist aus Leipzig und gerade zu Besuch in Köln bei ihrer Freundin. Eigentlich wollten sie gemeinsam weg­fahren, aber das hat nicht geklappt. Deswegen machen sie jetzt eben hier ein Urlaubswochenende. Was wichtig ist im Leben? "Sich nicht so schnell beirren lassen."
Pia's loden coat awakes a childhood memory: at the age of 10 or 11, I don't remeber exactly,  I could call a loden cape my own. But what I do remember exactly is that I was the only girl wearing a loden cape far and wide. No one else was wearing anything out of loden at all. My cape was from Lodenfrey; something quite exclusive, like they insistently told me when I gave an unsuccessful try on getting rid of this unwanted piece of cloth.
Pia with her coat delights my eyes, despite my bothering loden-experience. I anyway rehabilitated the traditional woolen fabric in the meantime.
"I've found this coat at the attic of my parents house," Pia tells: "It's actually a childrens coat. For that reason the sleeves are so short." But on the other hand it's a pretty long cut coat, we both wonder, and Pia shows me the hood. Pia is from Leipzig, visiting her friend in Cologne. Actually they planned to make a short trip together, but it didn't come off. So they decided to spend a holiday weekend in Cologne instead. What's important to her? "Not to get deterred so easily."


Mittwoch, 23. Februar 2011

September





Ähnlich wie dieser Herr liegt Frau K. mit ihrer Kleidung ganz im Trend, ohne dies allerdings beabsichtigt zu haben. Als ich ihr erkläre, dass mich die Original-Träger­innen der Vintage-Mode faszinieren, bzw. der Umstand dass sich die Generationen quasi auf der Strasse begegnen mit den noch vohandenen oder aber  Second Hand gekauften Kleidungsstücken, nickt sie be­stätigend. Sie selbst hat den Mantel von ihrer Mutter geerbt, und liebt ihn sehr. Frau K. ist 75 und ich frage sie, was sie früher gearbeitet hat: "...oder was ich heute noch arbeite." ergänzt sie und zieht die Augenbrauen ein Stück in die Höhe. "Ich habe früher an einer Schule gear­beitet, unter anderem als Lehrerin. Heute bin ich künstlerisch tätig." Frau K. macht grafische Arbeiten, hauptsächlich in schwarz-­weiss: "Druckgrafiken und Zeich­nungen, Farben benutze ich sehr wenig." Derzeit bereitet sie eine Ausstellung vor, die den 11. September zum Thema hat. "Die Zerstörung, diese Gewalt, das be­schäftigt mich sehr."
Der Fotograf Joel Meyerowitz hat die Abriss- und Bauarbeiten am Ground Zero dokumentiert. Sein Buch "Aftermath" ist bei Phaidon erschienen, und für Frau K. ist es ein wichtiges Werk bei ihrer Ausein­andersetzung mit dem Thema. Auf meine Frage, ob es einen Künstler gibt der sie inspiriert, lacht sie kurz und sagt: "Ich inspirier mich selbst. Ich bin nun so alt, da sollte das doch möglich sein."
Similar to this man Mrs. K is dressed quite trendy, without intending it, certainly. When I approach her I explain that the "originally-dressed" people keep fasci­nating me, and respectively the circum­stance, that the generations meet on the street with their still existing or yet vintage-shopped clothes she nods acknowledging. She herself inherited the coat from her mother. Mrs. K. is 75 years old, and when I ask her what she used to work, she adds: "...or what do I work now?" lightly perking her eyebrows up. "I was working as a teacher at school, and now I do artwork." Mrs. K. creates graphic arts, mainly in black and white: "Prints and drawings, barely usinc colours." Currently she's preparing an exibition on the subject of 9/11. "This enormously devastation, this violence keeps my mind busy."
The photographer Joel Meyerowitz has documented the demoltion and construction work at ground zero. His book "Aftermath", published by Phaidon, is an important item to Mrs. K, concerning her involvement in this topic. On my question which artist perhaps inspires her she laughs, saying: "Well, I inspire myself.  I'm so old by now, so that should be possible."

Montag, 21. Februar 2011

Schule machen





Eher so aufs Geratewohl frage ich Aimée ob sie es in ihrem Leben etwas besonde­res, bestimmtes gibt, was sie beschäftigt; ein Projekt, ein Thema, eine Idee. Und das gibt es tatsächlich: "Ich gründe gerade einen Verein um in der Elfenbeinküste den Bau einer Schule zu ermöglichen. Dort gibt es zwei Dörfer, aber keine Schule. Deswe­gen haben die Kinder jeden Tag einen Schulweg von 12 km, den sie zu Fuß zu­rücklegen müssen. 12 km hin und 12 km wieder zurück." Aimée ist selbst in Afrika aufgewachsen und hat das Problem der langen Schulwege am eigenen Leib er­fahren. Inhaltlich ist sie mit ihrem Projekt schon recht weit gekommen; der Ort an dem die Schule gebaut werden soll ist ge­funden, sie hat Kontakte und Unterstütz­ung vor Ort, es gibt bereits einen Gebäude-entwurf und auch eine Kostenauf­stellung. Rund 30.000 Euro werden be­nötigt, um nicht nur die Schule, sondern auch eine Schulkantine zu bauen. "Die Kinder lernen oft mit hungrigen Mägen, das ist ein großes Problem." Seit kurzem hat Aimée eine Seite auf der sie ihr sehr persönliches Projekt auf sehr persönliche Weise schildert. Wer Lust hat sie zu unter­stützen, auf welche Art auch immer, ist herzlich eingeladen sich bei ihr zu melden, oder einen ermutigenden Kommentar auf ihrer Seite zu hinterlassen.
More or less hapharzardly I ask Aimée if there is anything special in her life, which keeps her busy; a project, an idea, a topic, whatever. And indeed, there is something: "I'm founding an association at the moment, to make the construction of a school possible at Ivory Coast. There are two small villages, but no school. So the kids way to school amounts about 7,5 miles, and they have to walk this way. 7,5 miles to get there and 7 ,5 miles to return. Aimée grew up in Africa and she experienced a long walk to school herself. Basically she's yet at a good point concerning concrete terms: she found a place where the school shall be located, she has local partners and support, there is a construction plan for the building and a statement of cost. About 30.000 euros will be necessary to buld the school with a school canteen. "Many kids have to learn with an empty stomach. That's a big problem." Since a short while Aimée runs a site, where she tells about her personal idea in a personal way. Whoever feels like giving her support, in any way, don't hesitate to contact her, or leave an encouraging comment on her site.

Freitag, 18. Februar 2011

Museumsbesuch






An einem ganz besonders heissen Tag im ganz besonders heissen Istanbuler Sommer bin ich, nicht ganz ohne Hintergedanken, ins Museum gegangen. Die Hitze hatte mir derart zugesetzt, dass sich die Aussicht auf klimatisierte Räume zur unwidersteh­lichen Verlockung auswuchs. Also hab ich mich auf den Weg ins Istanbul Modern gemacht, dass hie und da sogar mit dem MoMa in New York verglichen wird. Dort angekommen fiel mir die Frau im hum­merroten Kleid auf. Der Moment sie anzu­sprechen war jedoch denkbar ungünstig, denn ihre ungeteilte Aufmerksamkeit galt einer jungen Frau, die soeben einen Kreis­laufkollaps erlitten hatte.
Zwei Stunden später habe ich das Museum wieder verlassen; sowohl physisch wie mental in deutlich besserer Verfassung. Das stumme, ruhige und versunkene um­herwandern hatte in mir eine kreative Stille voller Leere und Fülle zugleich ent­stehen lassen. Weiter geht's ... bitte hier ent­lang...
On a very hot day of the very hot Istanbul-summer I decided t visit a museum, having ulterior motives, I have to admit. The opportunity of spending time in air-conditioned rooms becam a hige attraction.So I took my way to the Istanbul Modern, which now and then even is compared to the New York MoMa. Arriving there the woman in the lobster-red dress immerdiately caught my attention. Approaching her wouldn't have been a good idea; her entire concentration laid in caring for a young women, who just had had a circulatory collapse. Two hours later I left the museum, feeling much better in physical and mental shape. Wandering around in silence, all by myself, created a constructive  atmosphere of emptyness and abundance at the same time. Please follow...

Sonntag, 13. Februar 2011

Rote Schuhe





Anka trägt zu allem rote Schuhe. Stiefel, Pumps, Turnschuhe, Ballerinas; alles in Rot vorhanden: "Dann steht schon mal ein Element der täglichen Kleidung, rote Schuhe passen irgendwie immer." Den Rest kombiniert sie dann dazu, und zwar gern in klaren und kräftigen Farben. "Farbe belebt." sagt Anka, und Schwarz mag sie gar nicht. Anka ist freie Grafikerin und arbeitet viel am Schreibtisch alleine vor sich hin; trotzdem zieht sie sich auch dafür bewusst an: "Es wär ja manchmal egal wie ich dasitze, sieht ja keiner. Aber für mich ist es eben nicht egal, mit der Kleidung än­dert sich irgendwie auch die Energie, die Stimmung." Ich weiß genau wovon sie spricht; ich ziehe für so manches beruf­liche Telefonat extra Schuhe an. Manch­en Menschen mag ich  eben nicht auf Socken begegnen, auch wenn sie es gar nicht mitbekommen.
Anka geht in ihren roten Schuhen übrigens gerade nach Hause um Mullholland Drive zu gucken. "Ich bin da im Moment mit etwas beschäftigt innerlich, und im Zuge meiner Überlegungen fiel mir letzte Woche eine Szene aus diesem Film wieder ein. Nun gucke ich ihn mir noch mal an, wer weiss was da zutage kommt..."

PS: hab kürzlich mal ein kleines Interview gegeben, zufälligerweise auch zum Thema Kleidung...
Anka always wears red shoes. Boots, pumps, ballerinas, sneakers; she's got them all in red: "So one part of my daily clothes is certain; red shoes somehow do always fit." She then combines the rest, and she prefers clear and intense colors. "Color vitalizes," Anka says, and she doesn't like black at all. Anka is a freelance graphic artist and she often works alone at her desk, all by herself. But anyhow she always dresses up: "It sometimes wouldn't really matter, if nobody is around. But to me it's of importance; clothes change the energy, the atmosphere." I perfectly know what she's talking about; to make professional phone calls I often enough put on my shoes. I don't like to talk barefooted to some people, even if they wouldn't know.
Anka, by the way, is on her way home in her red shoes. She plans to watch Mullholland Drive. "I'm quite busy with something in my mind at the moment, and last week suddenly a scene of this movie came to mind. So I thought it would be interesting to see it again, who knows whatever will emerge..."



PS: I recently gave a short interview, which had to do with, guess what...clothes, of course. 

Donnerstag, 10. Februar 2011

They shoot music





Michael und Sarah leben und studieren in Wien. Und ähnlich wie beim letzten Mal, als ich ein Paar mit gleichen Jacken ange­sprochen habe, erzählen auch sie mir von einem außergewöhnlichen Projekt, dass sie gemeinsam mit Freunden betreiben. "They shoot Music - Don't they?" fragt der Titel ihres Blogs, um sich dann mit einer be­achtlichen Anzahl selbstproduzierter  und planvoll improvisierter Musik-Videos zu präsentieren. Und die entstehen so: Bands die in Wien gastieren werden freundlich gefragt, ob sie denn nicht vielleicht ein, zwei, drei Stücke irgendwo im schönen Wien quasi outdoor spielen wollen. Outdoor kann schon auch mal indoor sein; die Locations sind über das Stadtgebiet verstreut und diese Karte verrät, dass sie schon ganz schön rum­gekommen sind. Die Bands, die zum musi­kalischen Stelldichein gebeten werden, können vage beschrieben werden mit dem verschwommenen Begriff Indie. (Zitat) Tja, und ich kann nur empfehlen sich einfach mal durch die Videos hindurch­zuhören; da ist so viel fei­nes dabei: Get well soon, Midlake(!!), Shout out Louds, Hidden Cameras, und ach noch so viele mehr. Jeweils ein bis drei Songs gibt's pro Band, einen kurzen Text zum Hintergrund und noch ein paar Standfotos obendrauf. Ich bin begeistert.
Michael and Sarah live and study in Vienna. And similar to the last time, when I approached a couple in the same clothes, they tell me about an remarakle and extra­ordinary project they realize, together with friends. "They shoot music - Don't they?" their blog-title is asking, just to show up with a large and respectable number of selfproduced, methodically improvized music-videos. And that's how they occur: Bands playing in Vienna are requested if they're interested to play an outdoor-gig somewhere in the streets. It may also be an indoor gig; the locations are spread out all over the city; this map tells about it. Those bands who get asked 'can be vaguely described by the blurred out term indie' (quote) Well, I just can recommend to visit their blog and spend some time watching all those videos; precious stuff is waiting! Get well soon, Midlake, Shout out Louds, Hidden Cameras, and...aah so many more. From one to three videos per band are presented, a short backgroundinformation and some stills on top. I'm totally delighted.



Meine persönliche Neuentdeckung ist dies hier, zur Abwechslung mal in Berlin ge­dreht,  und auch Adam Turla, Sänger von Murder by death, oder Bored man over­board haben es mir angetan. Zum Schluss noch mal zwei der Verantwortlichen...
My personal favorite new-found is this one, shot in Berlin for a change. But also Adam Turla, singer of Murder by death, or Bored man overboard are fascinating me. To conclude this; two more photos of the responsibles (well, two of them)...

Samstag, 5. Februar 2011

Berliner Junge





Ich kann mir nicht helfen; Luis macht auf mich definitiv den Eindruck als hätte er ziemlich viele, ziemlich gute Ideen. Und sehr gerne hätte ich ein bisschen mehr Zeit gehabt mit ihm zu reden. Leider war er aber gerade auf dem Weg zum Zug zurück nach Berlin. So kann ich nur wiedergeben, was ich in der kurzen Zeit erfahren habe; er macht Judo, spielt Klavier und Trom­pete, und die Musik, die er gern hört wählt er ganz nach Stimmung aus. Wichtig sind ihm Freunde und Familie, und das mit dem Blog ist für ihn völlig ok. Sein Opa, der ne­ben uns steht, meint, Luis soll zuhause lieber noch mal nachfragen. Für mich ist das ganz selbstverständlich, und doch be­schreibt die entschiedene Klarheit, mit der Luis selbst fröhlich seine Zustimmung äußert, ihn tausendmal besser als jede Auf­zählung von Hobbys oder sonstigem.
Ach so; Luis ist 12, und nur mit Mühe und Not kann ich mir gerade noch verkneifen zu fragen, was er denn mal werden möchte.

Nachschlag: Luis hat nun per Kommentar auf meine nicht gestellte Frage geant­wortet: Regisseur möchte er gerne werden. Und seit kurzem hat er auch eine  eigene, kleine Kamera mit der er nun eigene, kleine Filme dreht.
I can't help it; Luis appeals to me like someone who has quite a lot of quite good ideas. And I'd appreciated it, if I've  had  a little more time to talk to him; but unfortunately he was heading to his train back to Berlin. So I just can tell what he told me during our short meeting: he's a judo student, he plays the piano and the trumpet, the music he listens to he chooses according to his whim. His friends and his family are of fundamental importance to him, and to occur in my blog is totally fine to him. His grandpa, who accompanies him, instructs Luis to ask for permission at home. To me that's self-evident, but anyway the pronounced clarity of Luis given consent describes him much better than any list of hobbys or something like that.
By the way; Luis is 12 years old, and I barely can stop myself from asking what profession he'd like to choose later.



Edit: Luis answerd my question in a comment below: he wants to become a director. And since a short while he's got his own camera to shoot his own films. 

Freitag, 4. Februar 2011

Eine Stunde in die Stadt





Es ist noch gar nicht so lange her dass ich Jen das erste mal getroffen habe. Heute bin ich ihr am Dom wiederbegegnet, und ohne dass ich sie auf Anhieb erkannt hätte, fällt sie mir sofort wieder ins Auge. Jen hat gerade etwas besonderes vor; im Zuge der Auseinandersetzung mit Zen will sie eine Stunde lang in der Fußgängerzone verweilen, ohne dort etwas zu tun. Tun bedeutet in diesem Fall etwas erledigen, ein Ziel verfolgen, planvoll sein. Mir fällt sofort etwas ein, von dem ich mich leider nicht erinnern kann, wo ich es gelesen habe: ein junger Mann hat anschaulich geschildert und erzählt, wie er sich in anonymen Menschengruppen, beispielswei­se am Bahnhof, aufhält. Sein Augenmerk liegt dabei auf der genauen Beobachtung persönlicher, innerer Vorgänge; also wann fühlt er sich wie. Das reine beobachten ist sein Ziel, nicht das verändern.
Mitbekommen, wann er sich wie fühlt; bedrängt, beengt, wohl oder unwohl.  Auch, ob er überhaupt noch 'bei sich selbst' sein kann in unmittelbarer Nähe vieler fremder Menschen.
Eine sehr schöne Übung in Achtsamkeit, wie ich finde.
It's not that long ago, that I've met Jen the first time. Today I met her again near the cathedral, and although I didn't recognize her immediately, she again caught my attention. Jen is on her way to try out something special; in the context of focusing on Zen she plans to stay downtown for one hour, without doing anything. Doing, in this case, means to manage something, to be organized or well-planned. I'm instantly reminded on something I've red somewhere, unfortunately I can't rememder where: a young man wrote descriptively  about his experiences he made when he spent time in a crush of people. He concentrated his attention on only observing personal and inner processes, trying not to change or manipulate anything. How does he feel, what's going on inside. Does he feel comfortable or uncomfortable, does he feel cramped or constricted. Is he generally able to keep in touch with himself among a crowd of strangers.
That's a nice excercise in awareness, I think.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Nachgelaufen





Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass ich sehr schnell gehen kann. Schailan ein­zuholen fällt mir dennoch schwer, und so haste ich einer jungen Frau hinterher, deren Gesicht ich bislang noch nicht mal, wenigstens kurz, gesehen habe. Als ich sie anspreche, und sie sich schließlich zu mir umdreht bin ich erleichtert; ich blicke in le­bendige Augen. Schailan, und das schreibt man wirklich so, lebt seit kurzem in Köln. Davor hat sie in Wien Orientalistik stu­diert. Das liegt zum Teil an ihren Wurzeln; sie selbst ist in Deutschland geboren, ihre Familie stammt aus dem Iran. Wohin ge­nau die Reise hres Lebens führt weiß sie noch nicht. Aber in einem ist sie sicher: "Man muss seine eigenen Wünsche erfüllen. Anderen gefallen oder genügen zu wollen, das bringt nichts. Zur Not muss man sich sogar gegen die Erwartungen von anderen entscheiden." .
I don't overstate when I call myself a fast-walker. To catch up with Shailan nevertheless isn't easy for me, and so I run after a young women, whose face I haven't seen yet, not even for a second. When I fainally approach her and she  turns around to me I'm quite relieved: I look into vibrant eyes. Schailan, and that really is the right way to spell it, just moved to Cologne. Before she was studying Oriental studies in Vienna. That partially was motivated by her family origin; she herself was born in Germany, but her family is from Iran. She doesn't yet excactly know what to do with her life; but she's sure about thing: "One has to fulfill his own desires. To please or to comfort others can't be the point. In case of doubt you even have to make your decisisons against the expectations of others."


Dienstag, 1. Februar 2011

Ressourcenfluch





Themba und Ngwaugw leben in Bremen und besuchen einen Freund in Köln. Themba, links im Bild, ist vor 19 Jahren nach Deutschland gekommen. Er arbeitet in der Backstube einer kleinen Bäckerei: "Wir sind dort 7 Leute." Sein Freund hat für deutsche Ohren einen schwierigen Namen: Ngwaugw, das spricht man Nuangua. Er lebt seit 10 Jahren hier, ist LKW-Fahrer, und beide kennen sich noch aus ihrem Heimatland Kongo. Es ist nun das vierte mal, dass ich auf der Strasse Menschen aus Kongo angesprochen habe, und jedesmal stelle ich fest; die Nachrichten von dort sind immer schlecht. Obwohl, oder gerade weil es eins der rohstoffreichsten Länder der Erde ist, lauten die Worte die am häufigsten im Zusammenhang mit dieser Region fallen: Krieg, Armut, Vergewalti­gung. Man spricht auch vom "Ressour­cenfluch". Die Geschichte des Landes ist geprägt von Ausbeutung, von der Gier nach Geld, Macht und Rohstoffen. Und wie es so ist; nur ein paar wenige profitieren. "Was hat mein Handy mit dem Krieg im Kongo zu tun?" Diese Frage rückte zeitweise ins öffentliche Bewusstsein  im Zusam­men­hang mit dem Kongokrieg
Themba and Ngwaugw live in Bremen and are visiting a friend in Cologne. Themba, on the left side, came to Germany 19 years ago. He works in a small bakery at the bakehouse: "We ere only 7 people working there." His friend has a difficult name for german ears: Ngwaugw, pronounced like Nuangua. He lives in Germany since 10 years, and they knew each other from before, when they lived in their native country Congo. It's the fourth time now that I approach people on the street from Congo, and each time I notice: news from Congo are always bad. Although, or maybe just because Congo is one of the richest countrys in the world concerning resources, the most used words in context with this region are: War, poverty and rape.  There is a theory of Resource curse. The history of this country is a history of exploitation, it's about greed for money, power and resources. And like always; only a few capitalize on it. "Is your mobile phone made with conflict minerals?" this question temporarily was sinking into public consciousness during the Congo war.


Die Menschen in den Industrienationen haben einen Lebensstandard, den sich die Welt nicht leisten kann. Würden alle knapp 7 Milliarden  Menschen so leben, "wären drei Planeten nötig, um die Erde aus­reichend mit Ressourcen zu versorgen" (n-tv). Von den Mülldeponien mal ganz ab­gesehen. Allerdings ist das Bild der Lebens­weise in Westeuropa und Nord­amerika  "für die überwiegende Mehrheit der Men­schen das Idealbild einer erstre­benswerten Zukunft- und das nicht nur wegen ihrer greifbaren materiellen  Vor­teile, sondern auch aufgrund der emanzipatorischen Hoffnungen, die sie mit der europäischen Urbanität verbinden." (aus Häusermann/ Siebel: Stadtsoziologie. p.69, Campus 2004).  Jedoch "(...) ist diese Lebens­weise nicht universalisierbar. Damit ver­liert sie auch ihren humanen, emanzi­patorischen Gehalt, und entpuppt sich als ein auf Herrschaft beruhendes Privileg." (ebd, S.70)
Das, so denke ich, kann man sich gar nicht oft genug klar machen.
Humans of industrial nations have a standard of living which is unaffordable to the earth. If all the nearly  7 billions of people would live like that, "3 more planets were needed to supply the world with enough resources." To say nothing about waste disposal sites. Nevertheless the image of  western-european or north-american lifestyle is to " the vast majority of humans the ideal of a desirable future, not only because of it's available material advantages, but also because  the hope in emancipation, associated with the european urbanity." (from Häusermann/ Siebel: Stadtsoziologie. S.69, Campus 2004. However "(...) it's not possible to universalize this lifestyle. And thereby, as a result, it looses it's human, emancipatory  content, turning out to be nothing more than a principle of dominance." (ibid, p70.)
Everybody, in my opinion, should be very aware about this.