Sonntag, 14. August 2011

Dieses ewige mehr, mehr...





Dietrich ist um die ganze Welt gekommen. Er war auf allen Kontinenten, manchmal für eine lange Zeit. Er ist Zimmermann und Architekt gewesen, und heute arbeitet er, quasi ehrenamtlich, in einer kleinen Schrei­nerei in Ehrenfeld: "Aus Freude an der Arbeit, und damit mir die Zeit nicht zu lang wird." Dietrich ist 74, und wenn er auch nur ein kleines bisschen aus seinem Leben erzählt wird schnell klar; der Mann steckt voller Geschichten. Als Architekt war er "in Beton tätig, wie man in der Branche so sagt. Ich hab viele Brücken gebaut, gerade im Ausland, ich war aber auch Schiffszimmermann, ach ich hab so vieles gemacht." In Köln war er am Bau der Zoobrücke beteiligt: "Ja, da war ich noch ganz jung. Ich war da als kleiner Bauleiter, und Vermessungen und so."
Ich frage Dietrich was ihm, der so viel von der Welt gesehen hat, im Leben wirklich wichtig ist: "Die Menschen, die man kennt, und die einen umgeben." Er überlegt einen Moment: "Gemeinschaft ist wichtig. Wissen Sie dieses ewige 'mehr, mehr...' in unserer Gesellschaft, das verabscheue ich."
Dietrich has travelled the world. He's been to every continent, sometimes for quite a long time. He was a carpenter and architect, and today he still works in a carpentery, honorary so to say. "Just for the fun of it, and to prevent that time hangs heavy on my hands." Dietrich is 74 years old, and if he starts telling only a bit of his life, one can clearly recognize that this man is full of storys. As an architect he was "busy in concrete, as we say in this business. I have built a lot of bridges, mostly abroad, but I also worked as a ship carpenter, well, I've done so many things." In Cologne he was engaged when the Zoo-bridge was built: "Yeah, I was very young back then, I've been a little construction manager, I did measurings and stuff like that."
I ask Dietrich what he, as a well-travelled man, considers really important in life: "The people you live with, who surround you." He pauses for a moment: "Community is of importance. You know, this permanent 'more, more' in our society, I detest it."




"Je ärmer die Menschen in einer Gesell­schaft sind, desto besser ist ihr Zu­sammenhalt." Das hat Dietrich auf seinen Reisen so erlebt. "Einmal war ich drei Jahre lang auf den Philippinen. Dort hab ich im Dschungel einen Palast gebaut. Ich hatte ein Team von 200 Leuten, alles Ein­heimische. Die waren arm, aber die haben zusammengehalten. Die waren irgend­wie glücklich. Mehr als die Menschen hier."
Bevor Dietrich Zimmermann geworden ist hat er einen anderen Handwerksberuf ge­lernt. "Ich hab auch ein Jahr lang als Geselle gearbeitet. Aber das war nicht das richtige."
Tja, hiermit also lade ich ein zum dritten Teil des heiteren Beruferatens: Was war wohl der erste Lehrberuf von Dietrich?
"The poorer a society is, the better they built a community." That's what Dietrich has experienced on his trips. "Once I lived at the Philippines for three years. I was building a palace in the djungle, with a team of 200 people. All of them natives. They were poor, but they stuck together. They were happy somehow. More than people here."
Before Dietrich became a carpenter he was educated in a different craftmans trade: "I ve been working as jouneyman in this profession for about one year. But it wasn't the right thing for me.
So now I invite you to the third part of "What's my line?" in this blog. What could possibly be Dietrichs first profession?

Kommentare:

  1. Ich sag' einfach 'mal ins Blaue: Dietrich war Glaser!

    "Ich hab viele Brücken gebaut..." ist doppeldeutig gedacht übrigens wirklich SEHR schön!

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  2. Wie ein Buch ohne endenwollende Seiten. So kommen mir ältere Menschen oft vor, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und ihnen zuhört.

    Schön, das hier eben nicht nur die modisch auffälligen Menschen einen Platz bekommen.

    Hm... erster Beruf. Müßte ja was sein, was nicht Architekt, Zimmermann, Seemann und so ist :O)

    Dreher? Frisör?

    Grüße
    Oona

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  3. :-) ich sag mal noch nix...

    Anna, das stimmt, ist mir gar nicht aufgefallen. Schön..

    Oona, ja da ist woj
    hl was dran, und ich dachte auch, dass ich gerne mehr hören würde von Dietrich.

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  4. Matrose glaub ich...

    Sooo schöne Portraits <3

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  5. that quote about the 200 natives being happier with just each other than people here really struck me. i think our surroundings and the people we are surrounded by are very important too. this man seems very interesting and wise.

    come visit us at our new site!
    at: www.abutterflybyday.com

    hope to hear from you soon!
    xx, camilla and valerie

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  6. Es ist ja ein Beruf wahrscheinlich, in dem man sich häufiger als Geselle als denn mit der Berufsbezeichnung benennt, also etwas, wo der Meister gegenwärtig ist, z.B. weil er die Arbeit abnimmt. Bäcker oder Glaser ist da ja schon einmal eine gute Richtung. Mir fallen jetzt da auch noch der Metzger, Klempner, Elektriker oder Bodenleger ein.

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  7. ...ich finde er hat so ein tolles lächeln...
    ich tippe mal auf metzger....

    ganz liebe grüße
    sabine

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  8. Ein wunderbar schalkhaftes Lächeln hat Dietrich. Tja, vielleicht war er Drechsler, Werkzeugbauer, Glockengießer?

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  9. What a great guy: The salt of the earth!
    My guess: Koch.

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  10. Friseur! Er war Friseur!

    Winke, winke,

    Caterina

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  11. er war Pfarrer oder Missionar

    ich finde ihn sehr sympathisch

    bye-bye

    Mimi

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  12. Bootsbauer, Auto-Mechaniker, Maler, Bauzeichner, Schornsteinfeger...?

    Verschmitztes Grinsen, er sieht sehr nett aus, und ich find's toll, dass er immer noch und freiwillig arbeitet!

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  13. ich tippe mal auf Metallbauer? oder Maurer?
    Auf jeden Fall triffst Du immer interessante Leute..

    LG Birgit

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  14. :-) schön geraten...-
    Leider alle falsch.

    Der erste Lehrberuf von Dietrich ist Goldschmied.
    Aber das war wie gesagt nicht das richtige: "Ich brauchte was zum zupacken." so hat er selbst es kommentiert, und dabei die entsprechende Bewegung gemacht.

    Nick, "Salt of earth" nicely said!

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  15. Deftiger, in sich ruhender, positiv gestimmter Altmann! Klasse!

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  16. Er wirkt wie ein ehemliger Schuhmacher Geselle auf mich. Und das ganze drinnen sein, das scheint eben nicht zu ihm zu passen...

    Tolles Blog, btw, gleich in meiner Leseliste gelandet.

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  17. Schön war's heute mit Dir in meinem Radio, Smilla! Wenngleich die Frau K. ja wohl eine "Rot-blond-Schwäche" hat, gell - wie Du an anderer Stelle ja auch schon angemerkt hast... ;-)

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  18. anna, haha, danke :-)
    hast du den podcast gehört?

    picturebook mine ,danke. :-)

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  19. Smilla, nee, ich lese doch "heimlich" bei Facebook mit und höre ohnehin viel WDR 5 - also hab' ich's gleich direkt gehört; nur eben erst kurz vor Mitternacht darauf reagiert...

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  20. Hallo Smilla,
    das ist ja spannend hier bei Dir und die Menschen die Du Fotografierst sind wirklich sehr individuell.Ich tippe übrigens auf Steinhauer im Steinbruch oder so ähnlich.
    Viele Grüße Manuela

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  21. also, ich hätte auf Kunstschmied getippt. Da war ich ja dicht dran, nur ein bisschen spät ;)

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  22. Das' ja n Ding: ich dachte beim Lesen sofort Goldschmied. Weil das so frickelig ist und Dietrich sonst ja alles eher Berufe hat(te), die ins Große gehen. Aber dann las ich die Kommentare und das Rätsel war schon aufgelöst. Hab mich aber trotzdem gefreut, dass ich richtig lag. Nettes Gesicht.

    Ich glaube, in Köln gibt es weniger Verbiesterte als in Berlin. Oder ist das dein Talent, Smilla, die Leute so aufzutauen und zum Strahlen zu bringen?

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  23. Sibylle, ja, das ist ja wirklich n Ding! Sehr guter Riecher :-)
    Also, ich war jetzt schon länger (leider) nicht mehr in Berlin, aber ich fand es da nicht verbiesterter als hier...
    Wenn ich mal wieder nach Berlin fahr werd ichs testen :-)

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  24. Er war Goldschmied,

    aber er hat noch eine Menge versteckte und offensichtlicher Talente.
    Kann das mit ziemlicher Sicherheit sagen. ;-)

    Ich hätte aber nicht gelöst wenn Smilla es nicht verraten hätte.

    Und er kann die tollsten Geschichten aus seinem Leben erzählen

    D.

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