Freitag, 15. Juli 2011

Erste Geige





Eigentlich wollte Frau Z. in Köln nur Musik studieren, und anschließend nach Korea zurückkehren. Aber dann hat sie hier ihren Mann kennengelernt, und alles kam anders. Nach dem Studium hat sie im Gürzenich Orchester die erste Geige gespielt, ihren Beruf dann aber aufgegeben, weil sie ihr erstes Kind bekommen hat. Diese Ent­scheidung ist ihr nicht sehr schwer ge­fallen, und Frau Z. hat ohnehin wenig Verständnis für die mangelnde Wert­schätzung die Müttern und Hausfrauen entgegengebracht wird: "Das kann mich richtig wütend machen. Ich bin keine Feministin, aber das Frauen, egal ob im Beruf oder zuhause, selbst in westlichen Ländern immer noch weniger wert sind als Männer, das ist verkehrt." Sie selbst hat immer sehr viel Wert darauf gelegt, sich nicht unterzuordnen, und mit Männern auf Augenhöhe zu sein. "Es ist viel leichter, zu sagen 'Ich arbeite hier, oder da' als 'Ich bin Hausfrau'." Dabei erachtet sie beispiels­weise die Erziehung von Kindern als sehr bedeutsam: "Man muss sich mit seinen Kindern auseinandersetzen. Das ist nicht immer leicht, aber es ist wichtig."
Außerdem wichtig ist für Frau Z, dass sie einen weiten Horizont behält: "Dass ich nicht immer nur sehe, was ich schon kenne, sondern dass mein Blick offen bleibt. Deshalb reise ich sehr gern."
Initially Mrs. Z came to Cologne just to study music and then go back to Corea. But she met her husband here, and everything turned out differently. After her study she was playing the lead violin at the Gürzenich Orchestra, but when her first child was born she quitted her job. This hasn't been a hard decision for her, and Mrs. Z. anyway is unsympathetic to the absence of appreciation for mothers and housewifes: "I can get really angry about that; I'm not a feminist, but that women, whether in the job or at home, even in western countrys still are less worth than man, that's wrong." She herself always took care that she wouldn't have to accept a subordinate role, and to stay at eye level with men. To educate children she considers important: "You have to talk and to dispute with your children. That's not easy at all times, but it's of importance."
Furthermore keeping a wide horizon is of importance to Mrs. Z: " That I don't only lay eyes on what I already know, but rather having a wider view. For that reason I like to travel."

Kommentare:

  1. Frau Z. hat eine gute Einstellung, finde ich, zur Kindererziehung: "Das ist nicht immer leicht, aber es ist wichtig", trifft wohl den Nagel auf den Kopf.

    AntwortenLöschen
  2. Wie wunderbar, daß sich noch jemand traut, das auszusprechen! Wie immer, ein bereichernder Post von Ihnen - DANKE! Es ist so menschenfreundlich, was Sie hier immer schreiben .... Gruß aus München

    AntwortenLöschen
  3. Oh, Frau Z. "Ich bin ja keine Feministin, aber..."
    Dabei hört sich ihre Einstellung zu Gleichberechtigung sehr vernünftig an. Trotzdem schickt sie diesen Satz voraus, wie ich ihn sehr oft in solchen Gesprächen höre - warum? Haben die Frauen Angst, in den Augen von (männlichen) Rezipienten Attraktivität zu verlieren? Als Gefahr angesehen zu werden? Oder woran liegt's?

    AntwortenLöschen
  4. Da hast Du die Richtige getroffen, Smilla, denn erstens gefällt mir ihre Einstellung und zweitens sorgt (auch) Dein Blog dafür, "Dass, ich nicht immer nur sehe, was ich schon kenne, sondern dass mein Blick offen bleibt." Danke dafür!

    AntwortenLöschen
  5. spielt sie denn noch geige, heute?

    AntwortenLöschen
  6. Elana, ich hab sie das auch gefragt, warum sie sich davon so distanziert. Die Antwort kann ich leider nicht genau wiedergeben, aber ea hatte damit zu tun, dass Feministin gemeinhin oft als Schimpfwort gesehen wird. Ich habe den Eindruck, da gibt es seltsame Bilder in den Köpfen, was genau eine Feministin ist.
    Im Februar gings in der OnlineTalk Sendung vom Seutschlandradio Wissen auch, neben anderem, um dieses Thema; da waren Susanne Klingner und Barbara Streidl von der Mädchenmannschaft zu Gast:

    Hier der Link zur Sendung

    Rebhuhn, ja, so privat eben

    Anna, ...ist ja auch ein Grund, warum ich das hier mache

    AntwortenLöschen
  7. Schade, das sie aufgehört hat Geige zu spielen. Ein Musikinstrument spielen zu können ist doch ein Geschenk. Hoffentlich spielt sie zumindest privat. Kinder her oder hin.

    Ich finde es ja immer erstaunlich, das Männer die mal für ein halbes Jahr oder 2 Jahre zu Hause bleiben so enorm aufgewertet werden, während die Frauen dieser Welt schon seit der Steinzeit die Kinder aufziehen.
    In Schweden erscheint es mir ein wenig entspannter zu sein, wie ich einem Spezial zu Schweden vor kurzen gesehen habe. Andererseits: machen die das vielleicht auch nur um ihr Ansehen zu verbessern. Denn ein Mann, der Zeit zu Hause verbracht hat mit Kindern, der hat bessere Chance auf der Karriereleiter.

    TJA! Wer es nämlich schafft 3 Kinder gut zu ernähren, den Haushalt zu schmeißen, die Einkommensteuer zu machen, die Ehefrau glücklich zu machen, die Eltern zu pflegen, im Kindergarten oder in der Schule sich einbringt, Hausaufganben betreut und nebenbei 10 Maschinen Wäsche gebügelt bekomt und und und und und DER hat es wirklich drauf.

    Puh... ein ewiges Thema.

    Ihre Schuhe peppen das obere Outfit gut auf.

    Grüße
    Oona

    AntwortenLöschen