Samstag, 18. Juni 2011

...was sonst ungesagt bliebe





"Ich ziehe mich nicht bunt an, um auf­zufallen, sondern manchmal zieh ich mich nicht bunt an, um nicht aufzufallen." Das sagt Elena, die ich unmittelbar nach einem stürmischen Platzregen anspreche, und anschliessend im Eilschritt zum Bahnhof begleite, um noch ein wenig mit ihr sprechen zu können. Und genau genommen sagt sie diesen Satz auch erst dort. Vorher, auf dem Weg, erzählt sie mir von ihrer soeben vollbrachten Aufnahmeprüfung an einer Kunstschule. Elena kommt aus Ham­burg. Sie hat Heilpädagogik studiert, und möchte sich mit dem Kunststudium zur Kunsttherapeutin weiterentwickeln: "In der Kunst ist alles möglich. Kunst kann ausdrücken, was sonst ungesagt bliebe; das gilt für alle Menschen, da gibt es keine Behinderung." Ob sie an der Schule ge­nommen wird oder nicht kann sie nicht absehen: "Aber es hat mir dort gefallen, und das allein ist schon gut. Zu sehen, dass es so einen Platz gibt." In ihrer Mappe sind Bilder, mit denen sich Elena beworben hat, und es ist leider so wenig Zeit, dass ich nicht einmal frage, ob sie mir davon etwas zeigen würde.
Elena, gib doch mal Bescheid, wie es ausgegangen ist...
"I don't dress colorful to get attention, but sometimes I don't wear colors so as not to get attention." Elena says, who I approach immediately after a stormy cloudburst. Then I accompany her on her way to the trainstation, to catch my chance to talk to her for a while. An to be exact she says these words there. Before, on our way, she tells me about her entrance examination at a school of arts, which she just passed. Elena is from Hamburg, and she has studied therapeutic pedagogy. She wants to improve herself further by studying arts, and become an art therapist: "Art makes anything possible. Art enables to express things, which would be kept unsaid otherwise. That applies to all humans, disability doesn't count at all." Elena can't foresee if she will be admitted or not: "But anyway I liked the place, and it's good to know, that a place like that exists." In her huge portfolio she carries her paintings and drawings, and she's in such a hurry that I don't even ask if she would let me have a look. Elena, please let us know how it turned out...

Kommentare:

  1. Ich wünsche Elena sehr, dass die entscheidenden Leute an der Kunstschule ein Gespür für ihr Gefallen an diesem Platz hatten - wenn das keine gute Voraussetzung für (so) ein Studium ist - was dann!?

    Ich kenne und genieße dieses Empfinden auch sehr, dass (meine) Behinderung in (meiner) "Kunst" wohl immer wieder zum Thema wird und werden darf, OHNE dabei eine Rolle im Sinne eines K.O.-Kriteriums zu spielen; sehr wohltuend!

    Man lese und staune: Elenas Worte über das Auffallen, finde ich sehr nachvollziehbar! ;-) Am besten an ihrer Kleidung gefällt mir das pinkfarbene T-shirt und die gleichfarbigen Strümpfe / Stulpen (?)! Ich kann das nicht erklären, aber die Farbe Pink, genau in dieser Intensität, "wärmt" mich immer ganz tief drinnen, wenn ich sie anschaue; obwohl ich sie selten trage...

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  2. Das ist ein witziger Satz, den man gut mal hier und da bei sich selbst in abgewandelter Form ausprobieren sollte: Ich bleibe nicht für mich, um nicht allein zu sein, sondern ich bleibe für mich, um allein zu sein...
    oder:
    ich esse, nicht weil ich Hunger habe, sondern ich ich esse nicht, weil ich nicht Hunger habe...
    hä?
    ist das jetzt therapeutisch Kunst gemacht oder nicht?
    ich denke, das ist jetzt wieder einer dieser Kommentare, die man nicht veröffentlichen sollte, weil man sonst das Gefühl bekommt, einige deiner Leser tickern nicht mehr richtig. Gute Nacht
    Danke für diesen Post!

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  3. ich liebe solche bunten Outfits und drück dem Mädel mal die Daumen, da sie bestanden hat!

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  4. Anna, geht mir genauso, finde ich auch sehr nachvollziehbar. Was auffällig ist liegt ja eher im Auge des Betrachters.

    Klickerklacker, danke für deinen dada text. Sonst alles klar soweit?

    Anna Schüler, da drück ich mit

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  5. super farben ! im sommer mag ich es bunt :)

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  6. *g das ist lustig, denn mit dem anziehen mache ich es ganz genau so :D.

    ich drücke ihr die daumen!

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  7. ich wünsche elena mehr glück als ich es bisher hatte! (wurde schon zweimal abgelehnt...)

    toller blog! hab ich leider erst vor kurzem entdeckt. es bräuchte mehr so menschen wie dich, smilla, die mit so offenen augen und offenen herzen durch die welt gehen!

    liebe grüße aus wien

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  8. das rohr (lustiger name übrigens...) danke sehr, nicht verzagen, abgelehnt werden auch immer wieder die falschen...

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  9. Immer wieder schoen hier vorbeizukommen und neue (nette) Leute kennenlernen.

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  10. Super! You caught up with her and she stopped. Her colors are sometimes called "clashing." I prefer "flashing."

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  11. Congratulations, Elena. I wish you all the best!

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  12. Was für ein herrlicher Blog! Bin von Köln in die Provinz gezogen und gönne mir hin und wieder eine Lese- und Staunpause bei Dir. Die Welt ist so bunt - ich danke Dir, dass ich den Tellerrandblick kostenlos bekomme!!!

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  13. panki, danke,um welche provin handelt es sich denn wohl?..
    das mit dem kostenlos ist so eine sache, wenn ich geld dafür bekäme wär ich auch nicht traurig.
    ganz ehrlich gesagt.

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