Dienstag, 15. März 2011

...wirft sein blaues Band





An einem der ersten, etwas sonnigeren Tage in diesem Jahr, kurz vor Karneval, treffe ich Ken, der so ganz ohne Jacke doch noch auffällt. In diesen Tagen macht sich, zumindest in Köln, der Frühling lang­sam breit, und von Flip-Flops bis Woll­mütze ist mir heute so ziemlich alles be­gegnet. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich schnell sich die Menschen den anbrechenden Jahreszeiten anpassen.
Ken studiert Medizin im siebten Semester, und weil ich ein so neugieriger Mensch bin frage ich ihn, wo seine Wurzeln liegen. Sei­ne ersten Lebensjahre hat er im Kongo verbracht, bis er mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen ist. Warum die meisten Schwarzen die ich anspreche aus dem Kongo sind ist eine Frage die ich zunehmend amüsiert in meinem Kopf hin und her schiebe. Was mir allerdings auf­fällt ist, dass mich in der Regel die offenbar sorgfältig gewählte Kleidung neugierig macht, und so frage ich Ken ob er mir das erklären kann: "Ich glaube schon, dass es für Afrikaner wichtig ist, sich schön anzuziehen. Nicht in allen Ländern, aber im Kongo bestimmt. Das hat nichts mit Ober­flächlichkeit zu tun, es ist mehr ein Ver­gnügen am sich kleiden."
Wichtig im Leben ist für Ken: "...die Liebe zu meiner Familie. Und das ich glücklich bin mit dem, was ich mache. Ich studier ja jetzt Medizin, aber auch wenn ich später mal was anderes machen sollte; dass ich damit glücklich bin."
On one of the first days of this year which let the sun appear, just before carnival, I've met Ken, who caught my attention by already not wearing a jackett anymore. In these days, at least in Cologne,  spring is approaching, and today I witnessed many different states of dressing up; from flip-flops to woolen caps, everything was represented and, as every year, I'm surprised how varying the tempi of people are, concerning the adaption of upcoming seasons.
Ken studies medicine, and for the reason that I'm such a curious person I ask him where he's originally from. His first years he lived in Congo, before he came to Germany with his parents. More and more I amusedly wonder why most of the black people I approach are from Congo. But what strikes me for sure, are the carefully arranged clothes, and so I ask Ken if he's able to explain that to me: " Well, I guess Africans like to get dressed. Maybe not in every country, but in Congo for sure. It's not a thing of superficiality, it's about being delighted by dressing up."
What Ken concerns most important in life is: "The love to my family. And to be happy with what I'm doing. So now I study medicine, but even if I'll do anything else down the road ; it's important to be happy about it."

Kommentare:

  1. Die Farben!!! WOW! Das Blau steht ihm sehr gut. Wunderhübsch ist der Mann auch;) Besonders sein Blick ... ich kann gar nicht weg gucken ...

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  2. In Köln gibt es ja definitiv eine größere Kongolesen-Community, kein Wunder bei der Nähe zu Brüssel und Paris. Außerdem fällt mir das Stichwort Sapeur ein, ein Phänomen aus Kinshasa.Tolles Foto wieder! Ein großartig aussehender Mann :)

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  3. Superhübscher Mann, schöner Stil!

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  4. beautyjagd,
    danke, das war mir vorhin auch mal durch den Kopf geschwurbelt...
    In der Geo 07/09 gabs nen sehr interessanten Artikel über die Sapeurs;
    Geo: Die Sapeurs von Brazzaville

    und bei blica gabs ende 09 auch eine Post zum Thema, der mich sehr begeistert hat:
    Blica: Mein Hut, mein Stock

    und in dem sie widerum auf eine Artikel in der Faz verlinkt:
    FAZ.net: "Die Sapeurs"

    Darin geht es unter anderem auch um Mode und Armut, und der Schluß liegt nahe, dass die Sapeurs eine Rolle spielen im Stilbewußtsein der Kongolesen.

    Ah, sehr guter Hinweis, vielen Dank!!
    Ob es eine größere Kongolesen Community hier gibt weiß ich nicht...Vermutest du das, oder ist es so?

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  5. @ Smilla:
    ich glaube schon, daß es in Köln einige Kongolesen gibt...Wo genau die wohnen kann ich jetzt nicht sagen...Ich weiß nur,daß ich kurz vor Weihnachten eine ziemlich große (und scheinbar großartige)kongolesische Party in Ehrenfeld verpasst habe...

    @ Beautyjagd:
    Es freut mich zu lesen, daß du die Sapeurs kennst...Viele Kongolesen oder Afrikaner haben generell aufgrund der Geschichte noch oft einen Minderwertigkeitskomplex den Europäern gegenüber...Wenn sie wüssten, daß sich die Europäer für deren "Sape" (la sape, Substantiv) interessieren, wären die glaube ich positiv überrascht...

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  6. anonym; mh, vielleicht wohnen ja viele in Ehrenfeld? Hier gibt es viele Afrikaner, ich hab nie darüber nachgedacht aus welchen Ländern sie ursprünglich kommen, bzw, ob es zum Beispiel viele aus dem Kongo sind. Aber es gibt eine richtige Infrastruktur hier, mehr als in anderen Stadtteilen; einige Afro-shops, mit Nahrung und Kosmektikprodukten usw... und ja...laute Partys gibts hier um die Ecke häufiger :-), da ist immer schwer was los...

    und noch ein lesenswerter Artikel bei Vice:

    Vice: La Sape

    Dass die Kongolesen mit einem Minderwertigkeitskomplex den Kolonialisten gegenüber zu tun haben ist mal wieder ein Teil der wirklich absurden Weltgeschichte

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  7. Kongolesen gibt es in Deutschland vorwiegend im Raum Düren, Aachen und Köln. Laut Ausländerzentralregister leben in Deutschland ca. 11.000 Menschen aus der Demokatischen Republik Kongo (aus Kongo Brazzaville sind es viel weniger). In Köln und Umgebung sind es ca. 4000 aus der DRC.

    Ich weiß das deswegen so genau, weil ich enge Kontakte zu einem Migrationsforscher pflege ;) Außerdem bin ich ziemlich stark an der Thematik interessiert, seitdem ich ich oft in Belgien bin.

    Danke für deine Sapeur-Links, ich stöbere mich gleich mal durch :). Ich bin auf das Phänomen durch einen Film über Papa Wemba (=kongolesischer Musikstar) aufmerksam geworden.

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  8. Marvelous intense color in that shirt. Here's a man not afraid to wear pink! And not afraid of being called "proud." Long let him preen!

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  9. beautyjagd, da gibts ja bei youtube ne mehrteileige serie über Papa Wemba:
    Papa Wemba King of sape, part 1

    die werd ich mir mal zu Gemüte führen in den nächsten Tagen.
    Vielen Dank auch für diesen Hinweis :-)

    Mim: he's (maybe) proud and/but definitely very nice. I'm glad I approached him, all the best to you Mim, there over the far ocean....

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  10. Superdoofes Klischee, ich weiß, aber trotzdem:
    Attraktiv und Arzt, wow :D

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  11. oh wow, da kann man nur sagen, was für ein schöner mann, sein ausdruck hat so viel stolz und entschlossenheit, imponierend!!!

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  12. immer toll: Männer, die ein Gefühl für und Mut zur Farbe haben. Er ist ein tolles Beispiel dafür!

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  13. Normalerweise lese ich ja nur still mit ... aber zu den Sapeurs gibt es auch einen Bildband, "Gentlemen of Bacongo" - in dem hab ich zum ersten Mal etwas über La Sape gelernt! Ein Interview mit dem Fotografen Daniele Tamagni gibt´s hier (mit Bildern aus dem Buch):

    http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/tableau/daniel_tamagni_gentlemen_of_bacongo_1.5772977.html

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  14. Christinae, danke für den Link, hier noch mal zum direkt anklicken:

    NZZ: Daniel Tamagni "Gentlemen of Bacongo"

    und auch schön, dass du dich nun mal zu Wort gemeldet hast :-)

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  15. Mensch, Smilla, du rettest schon wieder mal meinen Tag mit diesem Eintrag. Und ich ruinier meine Arbeitsdisziplin, weil ich, statt zu knechten, lieber von Link zu Link hüpf und mich in das spannende Sapeur-Thema einlese - VIELEN DANK DAFÜR!

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  16. Ach Smilla, ich lese Deinen Blog schon lange mit, er wurde mir von einer Freundin empfohlen, die meinte, da ich mich auch "anders" kleide, gefällt er mir bestimmt.
    Nun wohne ich in England und sehe so oft Leute, von denen ich denke, die müssten Smilla sofort auffalen und die würde sie bestimmt fotografieren wollen. Wie überzeugst Du die Leute, sich fotografieren zu lassen? Neulich habe ich an Dich denkend einer Frau zu ihrem Hut gratuliert und sie hat ganz beschämt weggeschaut...

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  17. absolut schickes outfit - new dandy ist mir dazu spontan in den sinn gekommen! :D

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  18. Einfach ein schöner Mann mit einer schönen inneren Einstellung. Ich meine, wer sich so einkleidet, da muss man hinschauen. Das Blau ist einfach super!

    Grüße
    Oona

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  19. du hast echt ein wunderbares händchen, die "richtigen" leute anzusprechen - und was für ein schöner anlass mit so schönen und/oder tatsächlich interessanten menschen ins gespräch zu kommen ;)

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  20. liebe smilla,

    "cool" ist noch untertrieben... eine schöne begegnung! herzliche sonntagsgrüße: elke

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  21. ... und wenn der frühling auf diese schöne art sein blaues band wirft, muss er bald kommen! nochmal herzlich: Elke

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  22. ja also ich hab auch auf das bild gescrollt und "WOW" :D schwarze kleiden sich nicht selten besser als wir... ich würde mir gern eine scheibe abschneiden ^^ meine güte... wie machen die das nur xD ich wills wissen!!!

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