Samstag, 5. März 2011

Fliessende Grenzen





Jedes Jahr an Weiberfastnacht kommt es abends in der Tagesschau: am Alter Markt in Köln wurde am Morgen pünktlich um 11:11 der Straßenkarneval eröffnet. Das nichtkarnevalistische Restdeutschland wird dann mit synthetischer Bunt- und Aus­gelassenheit dicht gedrängter Menschen­massen in zweifelhaften Kaufhaus­kostümen und kätzchengeschminkten Ge­sichtern erschreckt. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, aber leider findet eben diese Hälfte den medienwirksamsten Niederschlag.
Dass man nicht zur industriell gefertigten Plüschküh oder zum Lappenclown mutieren muss, davon kann man sich, zum Beispiel, in meinem letztjährigen Karnevals-Post ein Bild machen. Dieses Jahr sind mir bei meinem Streifzug besonders die Kostüme ins Auge gefallen, von denen ich sagen würde, dass man sie so oder ähnlich eigentlich auch im richtigen Leben tragen könnte. Meist ist es nur ein Accessoire oder die Schminke, die ein Kostüm zur Verkleidung werden lassen.
Jens eröffnet heute die Serie der Männer. Er hat eine Agentur für Kommunikations­design mit dem schönen Namen Der 103. Tag, und er zieht sich gerne gut an. Das sieht im Alltag natürlich dann doch noch mal anders aus, aber in dieser Aufmachung würde er inmitten von Hipster-Mitte auch nicht weiter auffallen.
Every year at womens carnival day it occurs at the news: at the Alter Markt in Cologne the street carnival season was opened at 11:11, just on time. The rest of non-carnevalistic germany gets frightened with pictures from a crowded together crush of people in synthetical and colorful party-mood, wearing questionable warehouse costumes and kitten-make up faces. That, of course, is only half the story. But unfortunately it's the part which catches most attention of the media.
That one hasn't to walk around like a plush-cow or a plastic-clown you may find out reading my last years carnival post, if you like. This year, on my long stroll through carnival Cologne, costumes which could also be worn in all-day-life have caught my attention. Often only the make-up or an accessory makes a costume to become a masquerade.
Jens opens my series of men at carnival this year. He runs an agency for communications, called The 103rd day, and he likes to dress up. In all-day-life it looks a bit different, of course. But this style wouldn't catch too much attention at the hipster Berlin-Mitte, I guess.


Das ist Julien, und auch ohne Karneval hätte ich ihn auf jeden Fall angesprochen. Weiter geht's, bitte hier entlang...
That's Julien and I definitely would have approached him, carnival or not. Explore more, please follow....


Axel ist Karnevalstourist aus Essen. Dort betreibt er eine Bar: Fcuk Yoga heißt sie. Ein kurzer Text auf seiner Seite berichtet über den Zusammenhang zwischen Bar­keeper und Apotheker und  läßt auch er­ahnen wie der eigenwillige Name zustande kam. Anzug und chice Kleidung gehören für Axel quasi zum Berufsbild des Barkeepers, und das karierte Ensemble hat er in einem Second Hand Shop in Holland gefunden. 
Axel is a carnival-tourist from Essen. There he runs a bar, called Fcuk Yoga. A short text written on his website explains the connection between being a barkeeper and a pharmacist, and it also vaguely explains the background of the bars name. Wearing suits and fine clothes somehow is part of his job, and the chequered suit is from a thrift store in the netherlands.


Daniel, Fotograf
Daniel, photographer


Janno ist mit einer Freundin unterwegs, die mir begeistert beipflichtet als ich erkläre, dass mich alltagstaugliche Kar­nevalskostüme faszinieren: "Ja, grade bei Männern denk ich Karneval oft: ach, lauft doch immer so herum."Janno selbst findet den Unterschied zu seiner normalen Kleidung nicht sehr groß: "Ist irgendwie wie immer, nur mit Accessoires."
Janno hangs around with a friend and she enthusiastically agrees with me, when I tell them that costumes which are suitable for daily use fascinate me: "Yeah, especially concerning menswear I often think at carnival; oh, please, get dressed like that in all-day life." Janno himself doesn't feel a big differnce to his usual clothes: "It's a bit like always, plus accessoires."


Max richtet sein Kostüm jedes Jahr nach seiner Kappe aus, die er über alles liebt: "Zeitungsjunge, Botenjunge, Schuhputz­er...immer aus den 20er Jahren, und die Kappe ist immer der Anfang." Max' Verkleidung gehört definitiv zu meinen persönlichen Highlights dieses Jahr.
Max masquerade always starts with his hat, which he loves so much: "Paper boy, messenger boy or shoeshine boy...it's always from the twenties, and it always begins with my hat." Max costume definitely is one of my personal highlights of this year.


Den Namen dieses jungen Mannes hab ich vergessen, aber sein Anzug ist von Dolce und Gabbana. Sein Begleiter ist Mode­fotograf, und ich frage mich nun ob er wohl sonst bei ihm vor der Kamera steht.
I totally forgot the name of this young man. But he wears a Dolce and Gabbana suit and his friend who's with him is a fashion photographer. I wonder if he usually strikes a pose in front of his camera. 


Ben hatte Lust sich zu verkleiden, aber nicht so albern. "Ich wollte gerne irgendwie stilvoll und trotzdem lässig aussehen."

Karnevalskostüme sind eine feine Gelegen­heit mal auszuprobieren, was sonst bei der Wahl der täglichen Kleidung nicht vor, oder aber zu kurz kommt. Es wird mit der Kleidung gespielt, man traut sich was, ver­sucht und übertreibt. Allein schon dafür feiere ich das Karnevalfeiern.
Ben felt like getting dressed up, but not so silly: "I wanted to look stylish, but still easy, somehow."

Carnival is a wonderful opportunity to give a try on wearing clothes which usually wouldn't  be chosen in all-day-life. It's possible to play around, to find the courage to try things out, and one even can giddily overdo it. Only for this reason I'd do a deep bow for carnival.

Kommentare:

  1. Ich glaube, vorletzten Herren gesehen zu haben, wobei ich gerade Donnerstag aber auch so viel gesehen habe, daß ich mich irren könnte...
    Zustimmen tu ich dir aber: Viele der männlichen Gesellen könnten wirklich auch 'in echt' so aussehen, Gehrock u.Ä. sind einfach kleidsam!

    Meine Kostümfavoriten war übrigens die Gruppe Straßenschilder mitteljungen Alters, die mir in der 5 und später am Heumarkt begegnet sind - herrlich!

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  2. Dein die nicht medienwirksamen Ecken liebevoll ausleuchtender Blick und die dazu passenden Gedanken reißen sogar Karnevalsmuffel wie mich zu der Überlegung hin, dass man doch vielleicht eventuell wirklich nochmal neu über Karneval nachdenken könnte... Danke Smilla!

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  3. Wow, wenn die Männer in Köln immer so herumlaufen würden, dann wäre Köln die hippste Stadt der Welt ;) ! Ich finde es auch toll, dass Karneval ein bißchen Mut macht, mal modisch mehr auszuprobieren.

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  4. Das gefällt mir!
    Ich glaub, ich mach das so ähnlich. So dass ich manchmal gefragt werde, ob das nun Verkleidung sei oder ob ich auch so sonst rumlaufe.

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  5. mir geht's wie Anna: sich ein wenig neu auszuprobieren wäre ein guter Grund, den Karneval aus einem freundlicheren Blickwinkel zu betrachten.
    Sonst mag ich doch mehr den süddeutschen Ansatz des sehr traditionellen, fast schamanistischen Winteraustreibens.

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  6. Willkommen im 19. Jahrhundert...sehr Retro, cool!!

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  7. meine güte, schön. da stimme ich der begleiterin zu, und auch dir. möge ein mehr karnevalistischer style mein ideal für das kommende jahr sein!

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  8. anonym, stimmt seeehr retro. Ich finds gut!

    Christine; ich bin übrigens auch ganz schön oft gefragt worden, ob ich verkleidet bin, oder ob ich das ernst meine :-)
    Ich war übrigens verkleidet. Aber man könnte auch so rumlaufen ohne Probleme, wenn mans denn aushält so aufzufallen....

    Anna, ach Karneval kann wirklich nett sein. Im Ernst.

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  9. Smilla, im ERNST, echt? Kann Karneval im ERNST nett sein?? ;-)

    Das habe ich mich übrigens auch gefragt, was DU wohl getragen hast - hab' mir aber das Fragen verkniffen, weil ich mir dachte, dass das sowieso nicht verrraten wird... ;-)

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  10. die männer wie auch die frauen die du karneval potraitiert hast sehen allesamt großartig aus. und ich finde auch, sie könnten sich ruhig öfter so anziehen, klasse!

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