Mittwoch, 23. Februar 2011

September





Ähnlich wie dieser Herr liegt Frau K. mit ihrer Kleidung ganz im Trend, ohne dies allerdings beabsichtigt zu haben. Als ich ihr erkläre, dass mich die Original-Träger­innen der Vintage-Mode faszinieren, bzw. der Umstand dass sich die Generationen quasi auf der Strasse begegnen mit den noch vohandenen oder aber  Second Hand gekauften Kleidungsstücken, nickt sie be­stätigend. Sie selbst hat den Mantel von ihrer Mutter geerbt, und liebt ihn sehr. Frau K. ist 75 und ich frage sie, was sie früher gearbeitet hat: "...oder was ich heute noch arbeite." ergänzt sie und zieht die Augenbrauen ein Stück in die Höhe. "Ich habe früher an einer Schule gear­beitet, unter anderem als Lehrerin. Heute bin ich künstlerisch tätig." Frau K. macht grafische Arbeiten, hauptsächlich in schwarz-­weiss: "Druckgrafiken und Zeich­nungen, Farben benutze ich sehr wenig." Derzeit bereitet sie eine Ausstellung vor, die den 11. September zum Thema hat. "Die Zerstörung, diese Gewalt, das be­schäftigt mich sehr."
Der Fotograf Joel Meyerowitz hat die Abriss- und Bauarbeiten am Ground Zero dokumentiert. Sein Buch "Aftermath" ist bei Phaidon erschienen, und für Frau K. ist es ein wichtiges Werk bei ihrer Ausein­andersetzung mit dem Thema. Auf meine Frage, ob es einen Künstler gibt der sie inspiriert, lacht sie kurz und sagt: "Ich inspirier mich selbst. Ich bin nun so alt, da sollte das doch möglich sein."
Similar to this man Mrs. K is dressed quite trendy, without intending it, certainly. When I approach her I explain that the "originally-dressed" people keep fasci­nating me, and respectively the circum­stance, that the generations meet on the street with their still existing or yet vintage-shopped clothes she nods acknowledging. She herself inherited the coat from her mother. Mrs. K. is 75 years old, and when I ask her what she used to work, she adds: "...or what do I work now?" lightly perking her eyebrows up. "I was working as a teacher at school, and now I do artwork." Mrs. K. creates graphic arts, mainly in black and white: "Prints and drawings, barely usinc colours." Currently she's preparing an exibition on the subject of 9/11. "This enormously devastation, this violence keeps my mind busy."
The photographer Joel Meyerowitz has documented the demoltion and construction work at ground zero. His book "Aftermath", published by Phaidon, is an important item to Mrs. K, concerning her involvement in this topic. On my question which artist perhaps inspires her she laughs, saying: "Well, I inspire myself.  I'm so old by now, so that should be possible."

Kommentare:

  1. Zweifellos kenne ich ein Alleinsein, was unschön ist. Spätestens dann bin ich auch sehr gern unter Menschen. Genauso zweifellos bin ich aber oft dann am tiefsten zufrieden, wenn ich allein und dabei ganz bei mir bin. ("Muschelkompetenz" nanntest du es letztens auf Twitter, Smilla, glaube ich.) Wenn sich dann noch ein (in meinem Fall schreibendes) Kreativsein einstellt, ist's der Gipfel der ZuFRIEDENheit! Immer mal wieder passiert es mir, dass Menschen, die (von außen) mitkriegen, "wie viel du (ich) allein bist, wie wenig Input du (ich) kriegst", sich ziemlich (über-)ausgeprägt dafür zuständig zu fühlen scheinen, mir eben solche Input-Angebote angedeihen zu lassen... Auf die Idee, ihnen dann einfach zu sagen: "Ich inspirier' mich selbst!", bin ich noch nicht gekommen! Danke, Frau K., für diesen guten, selbst-bewussten Tipp!

    Herzliche Grüße

    Anna

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  2. "ich inspirier' mich selbst" - das ist famos!
    wieder einmal hast du einen verletzlich wirkenden menschen mit geradezu zärtlichem respekt im bild festgehalten. kisses!

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  3. Anna, ja Muschelkompetenz...das Wort ist aber nicht von mir, das hab ich irgendwo gehört.
    Inspiration geht ja uch nach hinten los, wennd as vergleichen anfängt, und man denkt die anderen machens sicher besser, da ist es schon hilfreich sich immer wieder auf sich selbst zu besinnen. was einem von allein einfällt...

    Mo, danke sehr :-)
    famos...lange nicht gehört...

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  4. eine frau, die etwas in mir anrührt. die wirkt auf mich, als wäre sie mir seit langen jahren innigst bekannt. was nicht der fall ist. allein das gesicht! und der mantel. lange angeschaut, diese fotos. was sie über sich sagt, klingt allumfassend, sich selbst genug sein- gern würde ich einen blick in ihre kreativwohnhöhle werfen...gruß von sonja

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  5. Ich bin seit langem fasziniert, mit welchem blick Du Menschen auf der Strasse betrachtest und immer wieder interessante und kreative Menschen herauspickst. Inzwischen schaue ich auf der Strasse anders auf Menschen und frage mich oefter, wie ist die Geschichte hinter dem Gesicht oder der Kleidung. Toll wie immer, der Blick auf die aeltere Generation. Wache und an der Welt interessierte Menschen, die Lust auf neues haben. Kann man da Angst vorm altwerden haben? Toll und Danke und bitte weiter so. Gruss von Heike

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  6. Heike; keine Angst vorm altern :-)
    mein Empfinden für "ab wann ist eigentlich alt?"
    ändert sich übrigens auch drastisch seit einer Weile

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  7. These could be the original buttons! Such durable material, made to last for generations.

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