Freitag, 18. Februar 2011

Museumsbesuch






An einem ganz besonders heissen Tag im ganz besonders heissen Istanbuler Sommer bin ich, nicht ganz ohne Hintergedanken, ins Museum gegangen. Die Hitze hatte mir derart zugesetzt, dass sich die Aussicht auf klimatisierte Räume zur unwidersteh­lichen Verlockung auswuchs. Also hab ich mich auf den Weg ins Istanbul Modern gemacht, dass hie und da sogar mit dem MoMa in New York verglichen wird. Dort angekommen fiel mir die Frau im hum­merroten Kleid auf. Der Moment sie anzu­sprechen war jedoch denkbar ungünstig, denn ihre ungeteilte Aufmerksamkeit galt einer jungen Frau, die soeben einen Kreis­laufkollaps erlitten hatte.
Zwei Stunden später habe ich das Museum wieder verlassen; sowohl physisch wie mental in deutlich besserer Verfassung. Das stumme, ruhige und versunkene um­herwandern hatte in mir eine kreative Stille voller Leere und Fülle zugleich ent­stehen lassen. Weiter geht's ... bitte hier ent­lang...
On a very hot day of the very hot Istanbul-summer I decided t visit a museum, having ulterior motives, I have to admit. The opportunity of spending time in air-conditioned rooms becam a hige attraction.So I took my way to the Istanbul Modern, which now and then even is compared to the New York MoMa. Arriving there the woman in the lobster-red dress immerdiately caught my attention. Approaching her wouldn't have been a good idea; her entire concentration laid in caring for a young women, who just had had a circulatory collapse. Two hours later I left the museum, feeling much better in physical and mental shape. Wandering around in silence, all by myself, created a constructive  atmosphere of emptyness and abundance at the same time. Please follow...


Ein Freund von mir macht es sich gerade zur Gewohnheit  einmal die Woche ins Museum zu gehen. Dabei behält er genau im Auge, wie er sich dort bewegt, was seine Aufmerksamkeit weckt, wann intel­lektueller Druck entsteht. So wie ich es verstehe geht es ihm darum Räume, Kunst und Inspration bewusst zu erleben und dabei gleichzeitig den Ausnahmecharakter eines Ausstellungsbesuches zu reduzieren. "Museum normal" quasi. Ich finde das eine sehr gute Idee, gerade für Menschen die am kunstelitären Anspruch zu scheitern drohen. (...zähl ich mich durchaus dazu...)

Die Frau im hummeroten Kleid habe ich wiedergesehen als ich das Mu­seum ver­lassen habe. Ich bin ihr sogar ins Neben­gebäude hinterhergerannt. Sie ist die ge­schäftsführende Managerin des Museums, und  sie war außerordentlich freund­lich.
Glück bedeutet für sie im Museum zu arbei­ten; sie liebt die Malerei und die scheinbar kleinen Momente des Lebens, wie das Lachen eines Kindes.
A friend of mine currently is contracting the habit of visiting a museum once in a week. He thoughtfully keeps an eye on how he tends to move in the museum, what catches his attention, at what moment intelectual pressure starts to bother him. As far as I understand it, it's all about experiencing spaces, arts and inspirations in a very aware way, minimizing the extraordinary moment of visiting exhibitions. "Ordinary museum" in a way. To my mind this is a very good idea, especially for tose who suffer on intelectual and arts requirements. (...I indeed live in a sense of belonging to this group)

When I was leaving the museum I met the woman in the lobster-red dress again. I even ran after her to an adjacent building.She's the executive manager of the Istanbul Modern, and she's an extremly friendly person. Working at the museum to her means happyness, she loves paintings and the so-called little moments of life, like the laughter of a child.

Kommentare:

  1. ich liebe deine Art zu schreiben und einfach deine Posts :)

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  2. Einmal Museum normal, bitte.
    Du triffst es ziemlich gut, liebe Smilla, was die Museumsbesuche des Freundes betrifft.

    Witzigerweise hat er heute, wo es doch recht kalt in Köln war, im Museum Ludwig darüber nachgedacht, wie wohl die klimatischen Verhältnisse daherinnen im Sommer sein mögen, da es ihm heute drinnen recht warm erschien. Als Thermophobiker klingt ein kühles Museum im Sommer sehr verlockend.

    Neben solch "banalen" Gedanken auch zum Thema der Erweiterung des eigenen Wohnzimmers durch regelmäßige Besuche öffentlichen "Raums" geht es ihm um das Lernen der Sicht der Künstler und das Wiederfinden dieser Sicht in der Wirklichkeit, auf der anderen Seite aber auch um die eigene Sicht auf die Dinge, die ständig durch das Einfallstor der Augen ihren Weg ins Bewusstsein schaffen und der Möglichkeiten, diese wiederum in wie auch immer geartete Werke umzusetzen.

    Genau das tust Du ja auch mit Deinen Bildern, die Menschen schauen durch Dein Objektiv erst in Deine Seele und von da durch das Bild in die Seele der Betrachter wieder heraus.

    Ein beachtenswerter Kreislauf.

    Kunstvolle Grüße,
    et Schnitzel.

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  3. "Emptiness and abundance" together. A fresh idea, a paradox that clears the mind.

    Red dress reappears in winter. Warm face!

    Be well, dear Smilla!

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  4. ... ja, der Blick in die Seele und dann der intensivere Blick ins Außen.

    Genau so ist es. Ich empfinde, dass mein Blick - obwohl schon immer auch in die Tiefe gehend - sich verändert hat, seitdem ich hier lese ... schaue ... denke -
    Heute nehme ich die Gedanken vom Glück mit ....
    und die Idee zu einem wöchentlichen Museumsbesuch ...

    Auch heute schicke ich dir ein *Danke* und liebe Grüße

    Ulla

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  5. celine; danke sehr!

    Schnitzel, na da bin ich froh, dass ich es ganz gut getroffen habe...ist ja immer so'ne sache.
    Und ich find deine Idee einfach nachahmenswert.

    Ulla, vielen dank, das ist schön!

    Mim, I din't know why I didn't post her before, somehow I thought that I missed the moment. But now, inspired by the idea of my friend....

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  6. Mir fehlt oft etwas Gescheites, um dir hier einen schönen Kommentar zu hinterlassen - jetzt zum Beispiel -, aber ich bin immer wieder erstaunt wie sehr mich deine Beiträge oft inspirieren. :)

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  7. ein tolles foto, schön auch wie die farben sich wiederholen.
    mag ich sehr!

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