Freitag, 4. Februar 2011

Eine Stunde in die Stadt





Es ist noch gar nicht so lange her dass ich Jen das erste mal getroffen habe. Heute bin ich ihr am Dom wiederbegegnet, und ohne dass ich sie auf Anhieb erkannt hätte, fällt sie mir sofort wieder ins Auge. Jen hat gerade etwas besonderes vor; im Zuge der Auseinandersetzung mit Zen will sie eine Stunde lang in der Fußgängerzone verweilen, ohne dort etwas zu tun. Tun bedeutet in diesem Fall etwas erledigen, ein Ziel verfolgen, planvoll sein. Mir fällt sofort etwas ein, von dem ich mich leider nicht erinnern kann, wo ich es gelesen habe: ein junger Mann hat anschaulich geschildert und erzählt, wie er sich in anonymen Menschengruppen, beispielswei­se am Bahnhof, aufhält. Sein Augenmerk liegt dabei auf der genauen Beobachtung persönlicher, innerer Vorgänge; also wann fühlt er sich wie. Das reine beobachten ist sein Ziel, nicht das verändern.
Mitbekommen, wann er sich wie fühlt; bedrängt, beengt, wohl oder unwohl.  Auch, ob er überhaupt noch 'bei sich selbst' sein kann in unmittelbarer Nähe vieler fremder Menschen.
Eine sehr schöne Übung in Achtsamkeit, wie ich finde.
It's not that long ago, that I've met Jen the first time. Today I met her again near the cathedral, and although I didn't recognize her immediately, she again caught my attention. Jen is on her way to try out something special; in the context of focusing on Zen she plans to stay downtown for one hour, without doing anything. Doing, in this case, means to manage something, to be organized or well-planned. I'm instantly reminded on something I've red somewhere, unfortunately I can't rememder where: a young man wrote descriptively  about his experiences he made when he spent time in a crush of people. He concentrated his attention on only observing personal and inner processes, trying not to change or manipulate anything. How does he feel, what's going on inside. Does he feel comfortable or uncomfortable, does he feel cramped or constricted. Is he generally able to keep in touch with himself among a crowd of strangers.
That's a nice excercise in awareness, I think.

Kommentare:

  1. Stimmt, das ist wirklich eine schöne Übung in Achtsamkeit. A propos: Auch wenn sie "planlos" unterwegs war - hat Jen vielleicht dennoch erzählt, was aus den Bechern zum achtsamen (!womit wir doch wieder beim Thema wären!) Trinken geworden ist? Das würde mich interessieren!

    AntwortenLöschen
  2. achtsamkeit generell ist etwas, das bei mir in letzter zeit immer mehr aufmerksamkeit :) erhält. macht auch spaß!

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Smilla, es war schön, Dich so unverhoffter Dinge wiederzutreffen. Für mich ist neben dem "Bei sich bleiben" auch das "Nicht bewerten" als Essenz bei der Übung herausgekommen. Diesen Ort, diese Menschen, diesen Konsum nicht bewerten. Nicht bewerten und die Dinge immer mit der offenen Einstellung eines Anfänger-Geistes anzugehen sind sehr wichtig im Zen...
    @ Anna: Meine Keramik-Schalen warten gerade geduldig auf eine Wiederaufnahme der Arbeit. Es wird passieren, aber mit der nötigen Zeit und Muße

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Jen, vielen Dank für die Antwort von Dir höchstpersönlich auf meine Frage! Ich hoffe, dass Smilla Dich ein drittes Mal aufspürt, wenn es mit den Schalen soweit ist!

    Liebe Grüße

    Anna

    AntwortenLöschen
  5. Jen, danke dass du hier schreibst; Nicht bewerten. Das ist allerdings auch eine Übung... also weder im innen, noch im außen... sicher nicht leicht, beides.
    Schön, dass ich dich an der 'Schleuse' zur Innenstadt nch getroffen habe :-)
    lieben Gruß

    Anna, wie gut, das jen geschrieben hat; ich hatte nämlich nicht gefragt..

    rebhuhn, du warst doch jüngst im Kloster, nicht??

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Smilla,

    das Nicht-Bewerten ist eine sehr schwere Sache. dazu habe ich eine kleine Geschichte : auf meiner Hochzeitsreise nach Rom habe ich mich sehr über Touristen geärgert, die sich respektlos zeigten und davon gab es viele. Als ich also später kniend auf der heiligen Treppe verharrte ( dauerte eine halbe Stunde bis oben) bat ich Gott mir zu helfen andere Menschen gelassener zu betrachten und sie nicht zu verurteilen. Genau das wurde noch auf der heiligen Treppe auf eine harte Probe gestellt. Denn genau vor mir waren drei Damen, die sich gegenseitig fotografierten und laut sprachen, obwohl das ein Ort des stillen Gebetes ist. Und tatsächlich habe ich es geschafft nicht zu werten und mich nicht aufzuregen.

    Liebe Grüße,
    Isi

    PS: Jen kommt dieses Mal viel viel sympatischer rüber, und ein wenig verschmitzt. Das finde ich klasse.

    AntwortenLöschen
  7. Isi, danke für die Geschichte,
    sich nicht aus der Rughe bringen lassen, das ist echt nicht leicht. Vor allem wenn man andere als respektlos empfindet...gar nicht leicht..

    mmh, also ich finde sie sowieso unheimlich sympathisch...auch schon auf den ersten Fotos, und in echt erst recht! Doppel erst recht sogar :-)

    AntwortenLöschen
  8. Das freut mich, ab und zu bin ich in Köln, ich werde mal Ausschau nach den Menschen halten, die Du gefunden hast.

    Ich wünsche Dir und allen anderen noch einen schönen Sonntag Abend.

    Isi

    AntwortenLöschen
  9. smilla, ja, ich war im kloster. aber mehr oder weniger hauptsächlich, um zu lesen :).

    AntwortenLöschen
  10. Jen sieht einfach froh aus und ist ein Hingucker.
    Achtsamkeit ist der direkte Weg zum Nirvana. Sagte Buddha.

    AntwortenLöschen
  11. das nicht-werten, nicht beurteilen- verurteilen- dies ist mir in den letzten monaten auch auf einmal immer wieder untegekommen- als ob mich jemand darauf hinweisen will :-)

    und es geht zum teil.
    meine neue lieblingsübung: mir am abend die am tag erlebten situationen ansehen und sie nach den gefühlen her, die sie verursachten, zu betrachten. und sie dann gehen zu lassen. und es geht! ( bei schwerwiegenden themen/ Problemen mit menschen, die einem nahe stehen, dauert es etwas länger :-))

    AntwortenLöschen