Dienstag, 25. Januar 2011

Nicht einfach wild drauflos helfen





Als Herr M. noch gearbeitet hat musste er immer sehr früh aufstehen. Es lag ihm viel daran pünktlich zu sein, um so auch seinen Mitarbeitern mit gutem Beispiel voran­zugehen: "Morgens am Küchentisch hing, mir direkt gegenüber, eine große Uhr." Seit ein paar Jahren ist er nun in Rente; Herr M. ist 70 Jahre alt. Dass ihm die Uhr jetzt keine Vorgaben mehr macht, das genießt er: "In Ruhe Zeitung lesen zu können ist schon toll." Herr M. war über 40 Jahre lang Sozialarbeiter, die meiste Zeit hat er mit ehemaligen Gefangenen ge­arbeitet. Das war nicht immer leicht: "Man muss sich mal in die hineinversetzen; da sind sie endlich wieder frei, und dann ist da sofort wieder jemand, der etwas will. So empfinden es zumindest viele." Wild drauf los zu helfen macht da keinen Sinn: "Das allerwichtigste ist Kontakt herzu­stellen, also eine wirkliche Verbindung. Dazu ist viel Vertrauen nötig, und auch Zeit." Seine Arbeit hat Herr M. mit viel Herzblut gemacht, das ist auch heute noch deutlich zu spüren."Einmal hat mir ein Exhäftling von seiner Geschäftsidee er­zählt. Das war gar nichts weltbewegendes an sich; aber es war seine Idee, und sie hat auch funktioniert." Über den Erfolg haben sie sich gemeinsam gefreut, und diese Geschichte beschreibt ganz gut, worum es eigentlich ging bei seiner Arbeit: "Da zu sein, wirklich Anteil zu nehmen."
When Mr. M still had been working he always had to get up very early in the morning. It was important to him to be in time, in order to serve as an example for his staff, as well: "At my kitchentable, right in front of me, there was this huge clock." A few years ago he retired; he's 70 years old now. Not to be bothered by the clock anymore makes him happy: "To read the morning papers without ruffle or excitement, that's great." Mr. M has been working as a social worker, most of the time with ex-prisoners. That hasn't been easy throughout all times: "Just imagine that; they're just released from custody, and then immediately someone shows up, demanding things again. That's at least how it seems to many of them." Helping away doesn't make any sense then: "The most important thing is to get connected, to get in rapport. That requires a lot of trust, and a lot of time." He has been doing his job with much abandon, that may easily be imagined. "Once an ex-prisoner told me about his business idea, that hasn't been a big deal, by itself. But; it was his own idea, and it worked out quite well." They shared their joy about the success, and this story describes pretty well what really mattered concerning his work:" To be there, to really take an interest."

Kommentare:

  1. Mr. M. has a sensitive expression. Muted, serious colors. The taupe coat is intriguing. Is "taupe" the right word for that color? His look is such a contrast to the perky couple in the previous post.

    Warm regards from South Beach

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  2. Gut, daß es solche Menschen wie Herrn M. gab und gibt!
    Das ist das Schwerste überhaupt. Da sein und Anteilnehmen. Interessanterweise ist das auch ganz besonders so in der Arbeit als Sterbebegleiterin in einem Hospiz. Schnell habe ich gelernt: Gar nichts tun, aber mit ganzer Seele DA SEIN ist die größte Hilfe.
    Danke für diesen Beitrag!
    Grüße
    Oona

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  3. rebhuhn: ..."und wenns nur ein Punkt ist..." :-)

    Oona, du bist Sterbebegleiterin? Das ist interessant, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es genauso ist wie du sagst, und auch, dass man das erst mal anerkennen muss; wenn man helfen will ist es gar nicht leicht zu begreifen, dass dazu kein wilder Aktionismus nötig ist, mal so salopp formuliert.

    Mim: I think it's not really taupe, but as we now by now our screens are a bit different concerning the colors; yous seems to be more red...
    And yes, I totally forgot to say some wrds about his very special coat; it's quite old, but except for it's cut, you wouldn't expect it. The sloping lapel-cut is quite rare, and looks very extraordinary. I really like this coat a lot, and it looks like it really belongs to him.

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  4. ... das ist es übrigens auch, was Dein Blog so besonders macht, liebe Smilla: Du nimmst Anteil, hast aufrichtiges Interesse und gehst auf jeden Menschen ein, mit Fotoapparat und Seele.
    Toll.
    Weiter so!

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  5. LuZu, danke, (äh.. verlegenräusper..)

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  6. Erstaunlich, aus wie vielen verschiedenen Blickwinkeln man zu ein und derselben Einschätzung kommen kann - aus meinem (Rolli-)Alltag heraus kann auch ich der Überschrift und des Statements des Herrn M. jedenfalls nur zustimmen! Und auch das, was Du, Oona, sagst, kann ich nur bestätigen, wenn auch nur aus der Sicht einer, deren Großtante vor Jahren im Hospiz starb.

    Auch LuZu möchte ich mich unbedingt anschließen! In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum 501. Post, liebe Smilla!

    Liebe Grüße
    Anna

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  7. ich bin gerade reingestolpert und begeistert!
    tolle menschen, lebendige fotos und stimmungsvolle portrais. wunderschön!

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  8. Anna, ja das denk ich mir, das du da auch ein Liedchen singen kannst... Und schönen Dank für die Glückwünsche zum 501sten; ich fand der Herr passt prima als Nummer 1 :-)

    podruga, na, dann herztlich willkommen :-)

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  9. toller blog! gefällt mir. :-P

    http://bling-bling-blogstyle.blogspot.com/2011/01/bericht-street-fashion-fotografen.html

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  10. unglaublich. er sieht bertolt brecht zum verwechseln ähnlich.

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