Donnerstag, 30. September 2010

Unter Beobachtung





Das ist Clemens aus Melbourne, Australien. Er ist extra für die Photokina den langen Weg nach Köln geflogen; beruflich bedingt natürlich. Aus unterschiedlichen Gründen bin ich leider etwas unkonzentriert bei un- serer Begegnung. Unter anderem, weil ich ein (sehr nettes) Kamerateam im Schlepp- tau habe, dass mich bei der Arbeit filmt.  Einmal mehr wird mir nur allzu deutlich, wie wenig eine tatsächlich authentische Berichterstattung über meine Blogtätigkeit überhaupt  möglich ist, wenn man den Um- stand bedenkt, dass die Beobachtung einer Situation diese bereits verändert. Wer den passenden Fachausdruck dafür kennt, bitte melden. Jedenfalls ist es einfach nicht das Gleiche, ob ich alleine einen fremden Men- schen anspreche, oder wir dabei gefilmt werden. Ich stelle andere Fragen, höre anders zu und mein Gegenüber wird gleich doppelt überrumpelt. Clemens schlägt sich aber souverän; er lobt das kölsche Bier und freut sich auf die nächsten Messetage (die inzwischen ja schon wieder vorbei sind). Seinen Anzug hat er sich übrigens in Taiwan auf den Leib schneidern lassen. Reisen gehört bei ihm zum Berufsbild: "Reisen und Menschen treffen, das ist das Beste daran."
This is Clemens from Melbourne, Australia. He came all the way just to visit the Photokina, for professional reasons, of course. Unfortunately I'm not quite myself when I meet him. That's, among others, be- cause a (very nice) camera-team accompanys me at that day, to film me at work. Once more I realize that an authentical report about my blog-work hardly is possible at all, concerning the circumstance, that watching a situation changes it at the same time. If anyone knows the right term for this, please comment. It's just not the same, if I approach someone on the street all by myself, or being watched by a camera- team. I ask the questions in a different way, I listen in a different way and my collocuter is caught on the hop even twice. But Clemens puts up a good show: he commends the cologne beer and is looking forward to the next days at the trade fair (which already is over now). His suit, by the way, is custom-made for him in Taiwan. Travelling is a term in his job discription: "To meet many people, and to travel a lot, that's the best about my profession."

Mittwoch, 29. September 2010

Spätsommer


So, heute gibt's zur Abwechslung einfach mal nur ein Foto. Antonia studiert Medizin: "Aber erst seit kurzem", wie sie mehrfach betont. Welche Richtung sie damit ein- schlagen will ist noch total offen, aber "Kinderärztin würd ich vielleicht gerne werden." Chirurgie interessiert sie aller- dings auch, möglicherweise könnte sie also Kinderchirurgin werden. Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg, denn nach dem regulären Medizinstudium muss man in Deutschland noch mal 6 Jahre Weiter- bildungszeit dranhängen. Da Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, müssen Kinder- chirurgen viel systemischer zu Werke ge- hen; denn meist sind bei Erkrankungen mehrere Organsysteme betroffen. Außer- dem ist der Aspekt der Wachstumsphase und der damit einhergehenden Dynamiken von entscheidender Bedeutung.
Ich bin mal wieder erstaunt wie sich manche Begriffe und Zusammenhänge mit fassbarem Inhalt füllen, wenn man nur einen Menschen dazu im Sinn hat. Leider habe ich vergessen was für Antonia im Le- ben besonders wichtig ist, aber ich meine es war irgendwas mit guter Laune...
Today, for a change,  my post includes only one photo. Antonia studies medicine: "But I just started" she tells me once or twice. She doesn't yet know which subject area she will choose later, but "maybe I'd like to be an pediatrician." She's also eagerly interested in surgery, so why not becoming a pediatric surgeon? But till then it's quite a long way. After the regular medicine study, in germany, you need 6 more years of further education. For the reason that children are no "little adults", pediatricians must approach their young patients very systemically. Mostly diseases affect more than one organ system in the growth-period, which anyway causes special dynamics.
Again I'm amazed how some terms and circumstances become tangible, if you can associate a person with it.
Unfortunately I forgot what Antonia re- plied, when I asked her what she considers most important in life. But as far as I re- member, it was something about cheer- fulness...

Dienstag, 28. September 2010

Bunter Ernst


Demo von Köln-Pelzfrei am Samstag in der Innenstadt. Und weil Sex nicht nur sells, sondern auch zum hinsehen animiert, hat Peta viele Jahre lang das Motto "Lieber nackt als im Pelz" ausgerufen, nun abgelöst vom Sinnspruch "So trägt man Pelz". Das Erlebnis, über das Paul McCartney hier spricht, muss man nur ein bisschen abstra- hieren, und den Ort der Handlung an eine schicke Ladenkasse verlegen. Und wenn man dann noch dieses Video, mit dem Titel "Wenn Schlachthäuser Wände aus Glas hätten, wäre jeder Vegetarier" ansieht, in dem er als Erzähler auftritt, dann endet die Gedankenkette schnell auf dem eigenen Teller.
Nix für schwache Nerven übrigens, das Video.
Demonstration of fur-free-cologne, down- town on saturday. And for the reason that sex doesn't only sell, but also lures to view, Peta was running the campagne "Fur? I'd rather go naked" for years. The experience which Paul McCartney is talking about here can easily be abstracted and relocated to some stylish store-register. And if one furthermore takes a look on this video, called "If slaughterhouses had glass walls, everyone would be vegetarian" which he narrates, the line of thoughts quickly ends at the own dining table.
The video, besides, is not for the faint-hearted.

Montag, 27. September 2010

Familien-Welt





Ein Buch das ich seit vielen Jahren wieder und wieder geschenkt bekomme ist der Bildband "1000 Familien" dieses Herren. 1996 hat Uwe Ommer sich auf den Weg ge- macht und in 4 Jahren über 1000 Familien auf der ganzen Welt fotografiert. In sei- nem stichpunktartigen Vorwort erfährt man kurz und knapp was er dabei so erlebt hat. Das liest sich bisweilen sehr amüsant; er stieß "Hunderte Male auf den Erfolg und die Gesundheit seiner Modelle an" und "versprach überall, eines Tages wieder- zukommen". Ich kann's mir lebhaft vor- stellen. An diesem Wochenende hat er im Rahmen der Photokina vor dem MAK Fa- milien aus Köln fotografiert. Das hatte ich gelesen und wieder vergessen, wie Uwe Ommer der "ein paar Brocken in allen mö- glichen Sprachen" lernte und sofort wieder vergaß. Um so erfreuter also war ich, als ich plötzlich zufällig vor ihm stand. Die Idee zu diesem Langzeit-Projekt kam ihm, so erzählt er mir, als er mit Freunden in einem Restaurant saß, und an den Neben- tischen Familien mit Kindern waren: "Die waren aus ganz unterschiedlichen Ländern und jede Familie war ganz anders als die andere." Trotzdem hatte er den Eindruck dass es eine Ähnlichkeit gab: im Umgang mit den Kindern. Diese Ähnlichkeit hat ihn interessiert, und so ist er in die Welt gefahren, sie zu ergründen.
A book, which I, since years, get as a gift over and over againis the Album "1000 Families" by the man above. In 1996 Uwe Ommer started his journey, which should last for 4 years. In this time he took photos of about 1000 Families all over the world. In his shorthandes introduction, which is quite amusing, he tells briefly what he experienced during his trip: he "made countless toasts to everyone's good health and success" and "promised to come back one day...everywhere!" I just can picture it. In the context og the Photokina, at this weekend he took pictures of cologne Families. I've red that the other day, and than forgot all about it, like Uwe Ommer, who "learned 3 words in all sorts of languages and forgot them as quickliy." So I was quite excited, when I, by accident,  met him anyway. The idea to this long-term-project first crossed his mind, when he was in a restaurant, together with friends. At the tables around were families with children; "They were from different countries, and they didn't look similarat all." But nevertheless they seemed to be related somehow; in the way they behaved with their children. This similarity made him curious, and so he travelled around the world, to get to the bottom of it.




Die Familien hat er stets vor weißem Hin- tergrund fotografiert, ein Konzept, das mich persönlich nach wie vor irritiert. "Ich wollte dass kein Hintergrund von den Menschen ablenkt." erklärt er mir. Bei seinem neuen Projekt Teen-Families geht er anders vor; das natürliche Umfeld ist gleichberechtigter Bildinhalt. Für Uwe Om- mer ist und war es immer am wichtigsten, das zu machen was er möchte. "Da bin ich Egoist, ich fotografiere nur was ich foto- grafieren möchte." Dazu gehören auch ero- tische Fotografien junger Frauen, die alle im Titel-gebenden  "Do it yourself" Look daherkommen. Da die Damen alle wunder- schön sind bin ich nur mäßig enthusiast- isch, um es mal so zu sagen. Deutlich mehr erfreut mich, dass Herr Ommer mal eben schnell ein paar Fotos von mir gemacht hat, mit meiner Kamera.
He always shot the families in front of a white background; a concept which still irritates me. "I didn't want no background to distract the viewer from the families." For his new project "Teen-families" he proceeds differntly; here the personal surroundings of the people is picture content as well. For Uwe Ommer it still is and always has been most important to do what he wants to do; "Call me egoist, I just photograph what I want to." For example erotic  pictures of young women which all appear in the eponymous  "Do it yourself"-look. For the reason that all these ladys are wonderfully beautiful I'm just moderatelly enthusiastic, to put it like this. More exciting to me is the fact, that Mr. Ommer, quasi en passent, took some quick shots of me, with my camera.

Samstag, 25. September 2010

Durchbruch


Es steht inzwischen fest, dass das Kölner Schauspielhaus nicht abgerissen sondern saniert wird. Dieser glückliche Umstand ist ganz besonders der Initiative Mut zu Kultur zu verdanken, die im Frühjahr eine über- wältigende Unterschriftenliste für das Bür- gerbegehren zusammen gesammelt hat. Am runden Tisch wird derzeit entschieden, wie genau die Sanierung vonstatten geht, und noch immer müssen die Kulturmutigen mit viel Idealismus und Enthusiasmus am Ball bleiben. So zum Beispiel Ruba Salim und Jörg Jung, Mitbegründer der Initiative. Heute haben sie im Schauspielhaus im Rahmen von Plan 10 aktuelle Entwicklungen erläutert. Anhand eines beeindruckenden 3D Modells des gesamten Opernquartiers wurde anschaulich, wie mögliche Umsetz- ungen aussehen könnten, die dann aller- dings erst im Rat der Stadt Köln be- schlossen werden müssen. Mir persönlich gefällt eine Idee besonders gut; auf dem Dach des Theaterparkhauses könnte ein eigenes Tanzquartier entstehen.

Wer soviel plant und kämpft braucht Unterstützung und vor allem Geld: Mit einer SMS kann man Mut zu Kultur ganz leicht und unkompliziert eine kleine Spende von 3 Euro zukommen lassen.

Einfach das Wort "Mut" an 81190 sen- den. Zur Belohnung gibts eine Antwort von Wilhelm Riphahn, dem Erbauer des Schau- spielhauses. Mehr Spendenmöglichkeiten gibt es hier.

In the meantime luckily it's a fact, that the Cologne Theatre will be reconstructed and not pulled down. This is due in no small part to "courage for culture", an initiative which collected a remarkable list of signatures from cologne citizens for the petition earlier this year. At the round table currently the discussions take place, how the reconstruction could proceed, and still the activists need a lot of idealism and enthusiasm to keep things rolling. For example Ruba salim and Jörg Jung, two of the founders of "courage for culture". Today they explained their ideas of the new opera-and theatre district at the lobby of the theatre. An impressing 3D view exemplified how this area could be re-built. Those plans, of course, still need to be decided by the local town council. I personally prefer especially one idea: at the rooftop of the theatre-parking block an own dance-quarter could come up.

Who keeps fighting so unrelentingly needs support and money. With a sms you can easily and fuss-free make your little 3 Euro-donation for "courage for culture".

Just send the word "Mut" to 81190. In reward you'll get an answer by Wilhelm Riphahn, the architect of the theatre-complex. More informations for making donations you'll find here.




Jörg Jung im März; allüberall in der Innen- stadt wurden Unterschriften für das Bür- gerbegehren gesammelt.
Dies soll auch mein Beitrag zum Ehrenwort sein, das nun wieder jede Woche ausge- rufen wird.
Jörg Jung in march; all over the city "courage for culture" collected signatures for the citizens initiative.

Freitag, 24. September 2010

Strassencafé





Es gibt Situationen in denen ich stets zögere Menschen anzusprechen, auch wenn ich noch so gerne würde. In der Regel behellige ich also niemanden der gerade telefoniert, isst, rennt, raucht, streitet oder im Cafe sitzt. Bei dieser Dame mache ich eine Ausnahme, und das obwohl sie im Strassencafe sitzt und sich soeben auch noch eine Zigarette anzündet. Frau B. hört sich gutgelaunt meine Frage an und steht kurzentschlossen auf. Sie erzählt dass sie 3 Kinder hat, und lange mit ihrer Familie in Afrika gelebt hat, weil ihr Mann beruflich dort verankert war. Sie reist auch heute noch gerne, liebt Farben, das Leben, ihren Garten und macht überhaupt einen sehr positiven Eindruck. Am Wochenende ist sie oft in Köln: "Ich bin Witwe, und seit einer Weile habe ich eine Beziehung mit einem Mann aus Köln, quasi eine Fernbe- ziehung.." sagt sie und lacht. Ganz so groß ist die räumliche Distanz nun nicht, aber Frau B. genießt auch die Zeit die sie allein verbringt: "Es ist ja ein gewähltes Allein- sein, das ist wichtig."
Weil es beim Cafe zu voll war habe ich Frau B. übrigens vor das Museum für ange- wandte Kunst gelotst. Im Hintergrund ist eine beachtenswerte Photoinstallation von Michael von Graffenried zu sehen, mit dem Titel "Rosanna, Astrid, Peter und die an- deren." Das ganze findet statt im Rahmen der Photoszene Köln, die ohnehin zahl- reiche sehenswerte Ausstellungen zu bieten hat an diesem Wochenende.
There are situations which let me hesitate to approach people, even if I'd only love to. So I hardly approach someone who eats, runs, smokes, argues or is sitting in a cafe. I make an exception in this case, although this lady is sitting in a cafe and even lights up a cigarette in this second. Mrs. B. listens cheerfully to my question and stands up spontaneously. She tells me that she's a mother of three children and that she has been living in Africa for some years, because her husband was engaged there. She still loves to travel, and furthermore she loves colors, life, her garden and anyway she seems to be a very positive woman. Lots of her weekends she spends in cologne: "I'm a widow and since a while I have a relationship with a man from cologne. So it's kind of a long-distance-ralationship..." she says and laughs. The distance, by the way, isn't that long, but she prefers her time alone as well: "It's a chosen solitude, that's important."
Because it was too crowded around the cafe I ask Mrs. B to walk to the Museum od Applied Arts. In the background you can see a remarkable photoinstallation by the swiss photographer Michael von Graffenried, titled "Rosanna, Astrid, Peter and the others." which shows pictures of the life of drug-addicted persons. The photographer wants to show people like they really are.

Donnerstag, 23. September 2010

Schürzenstil





Nun ist sie schon wieder vorbei meine kleine Köln-Istanbul-Ausstellung, und ich bin glücklich und auch sehr, sehr müde nach dieser schönen und intensiven Zeit. Das allerbeste waren die Tage in Istanbul; reich beschenkt mit tollen Begegnungen und Eindrücken bin ich von dort zurück- gekehrt. Dies zu feiern hier nun noch ein paar Bilder aus Kadiköy, wo Montags Markt ist. Dort gibt es angeblich die besten Lebensmittel der Stadt. Auch Sherife hat hier, gemeinsam mit ihrem Mann, einen Stand. Sie verkaufen Obst und Gemüse, und weil gerade Ramadan ist frage ich nach, ob sie ihn einhält. Sherife nickt: “Natürlich, immer, jedes Jahr. So steht es im Koran.“ Ich möchte gerne wissen wie es ist den ganzen Tag Gemüse zu verkaufen aber nichts essen zu dürfen, und mich interessiert auch ihr ganz persönlicher Grund zu fasten. Essen zu verkaufen in der Fastenzeit macht ihr nichts aus, sagt sie. „Es ist auch viel weniger los während des Ramadans, da ist es nicht so hektisch hier.“ Für Sherife ist das Fasten ein Weg zum inneren Frieden und eine Form der Meditation. Sie wird ruhig in dieser Zeit und kommt mehr zu sich, und das tut ihr gut, sagt sie. Am wichtigsten im Leben ist ihr glücklich zu sein. Und sie ist glücklich darüber, dass sie glücklich ist, sagt sie und lacht.
Und nein, die Schürze hat sie nicht selbst- genäht; auch ihre männlichen Kollegen tragen Variationen dieses Modells...bitte hier entlang...
My little Cologne-Istanbul-exhibition is yet over again, and I'm happy and very, very tired after this wonderful and intense time. The best thing was my trip to Istanbul, from where I returned with so many wonderful experiences and where I had fantastic meetings. In honor of this here are some photos of Kadiköy, where a huge market is taking place on mondays. There you reportedly find the best groceries in town. Together with her husband Sherife runs a stall for vegetables and fruits here. For the reason that ramazan lasts I ask her if she participates the fastingperiod: "Yes, of course, every year. It's written in the Quran." I ask her if it's hard to sell food while she's not supposed to eat, and further I'm interested in her personal reasons for fasting. No, she's not bothered by selling food, and she says that the business is low during the ramazan anyway; so it's not too busy in these days. For Sherife fasting is a possibility to calm down, to come to inner peace. It's a form of meditation which allows her to commune with her heart, which is just good for herself. In life she considers important to be happy. And she's happy about being happy, she's says and laughs.
And no; she didn't do the working apron by herself. Her colleagues, by the way, wear a similar design...please follow...


Dienstag, 21. September 2010

Planänderung





Da ich momentan die meiste Zeit in der gegenwärtigen Heimstatt einiger meiner Blogbewohner verbringe, ist es mal eine ganz angenehme Abwechslung einfach abzuwarten wer so vorbeikommt, um Fotos zu machen. Dieser Dame muss ich dennoch hinterher rennen, denn gemeinsam mit ihrem Mann eilt sie zielstrebig der Seilbahn entgegen. Bestens gelaunt freut sie sich, dass ich sie fotografieren möchte und ruft ihren Mann herbei, der schon fast an der Kasse steht. Während wir draussen Fotos machen guckt er sich drinnen welche an, und liest sich sogar richtig fest. So haben wir ein wenig Zeit zum reden; Frau B. malt: "und zwar meistens Menschen und Gesichter." Die faszinieren sie einfach, sagt sie, und ich bin gleichfalls von ihr selbst fasziniert. Sie tänzelt umher, redet und lacht sehr viel, und mit ihrem Mann pflegt sie einen gutgelaunten Umgang, gespickt mit munteren Sticheleien. Ich bin derart angetan von ihr, dass wir uns verabreden, damit ich auch ihre Bilder sehen kann. Zunächst sieht sie sich erst mal meine an, und als die beiden schließ- lich aufbrechen haben sie den Plan Seilbahn zu fahren inzwischen verworfen: "Nee, das hat sich jetzt hier schön ergeben, und nun ist es richtiger so..." Wichtig ist für Frau B. übrigens das Lachen im Leben, und das hätte ich eigentlich auch gut raten können.
Since I currently spent most of my time at the present home of my blog-residents it is quite a nice way of variation just to sit an wait who comes along, to make some photos. Nevertheless I have to run after this woman; together with her husband she's heading to the ropeway near by. Cheerfully she agrees to getting photographed and she calls her husband, who is almost about to pay at the register yet. While we take photos outside he looks at photos inside, and even gets caught by reading the texts below. So we have a few minutes to talk; Mrs. B loves to paint, and her favourite subjects are people and faces. She simply is fascinated by them, and I am definitely fascinated by her. She dances around, laughs and talks a lot, and she and her husband have a very humorous contact together, codding each other quite nice. I'm so amazed by her that we plan to meet again, so that I can have a look at her pictures as well. For this time she's interested in mine, and when they leave they changed their plan; they don't want to take the ropeway any for today: "This was a nice coincidence, and now it is good the way it is..." In life Mrs. B. considers laughing important, and I could have made a guess on that.

Sonntag, 19. September 2010

Ehrengast





Ein Sonntag, der mit Herrn Pleuger als erstem Ausstellungsgast beginnt, kann nur schön werden denke ich mir, und damit behalte ich erfreulicherweise auch Recht. Erneut beeindruckt mich die gut gelaunte Eloquenz und Dynamik seines Auftretens, und bald schon werde ich auch endlich sei- ner Einladung folgen, auf einen Armagnac bei ihm vorbeizuschauen. Natürlich führe ich ihn erst einmal zu seinem eigenen Bild und Herr Pleuger erzählt ein bisschen von den Reaktionen die seinerzeit daraufhin kamen. Dann sieht er sich ein wenig um und entdeckt Bekannte an der gegenüber- liegenden Wand: "Ah, die kenn ich ja; die Kleins. Das sind Kunden von mir." sagt er gutgelaunt, und es macht eher den Ein- druck als wären es Freunde. Das Fräulein Passerine hier aus dem Blog war übrigens auch schon in seinem Geschäft um sich beim Stoffkauf fachkundigst beraten zu lassen. So findet die Online-Welt auch offline zusammen, was mich wirklich freut. Außerdem erwähnt Herr Pleuger wiederholt einen treuen Kunden, dem er ebenfalls auf beinahe freundschaftliche Weise verbun- den zu sein scheint: "Den müssen Sie mal kennenlernen. Der ist immer sehr korrekt gekleidet, dagegen bin ich geradezu lässig." Das sagt er lachend so dahin, und ich fühle mich sofort wieder nachlässig. Für den Armagnac werd ich mich dann aber mal extrafein machen, das steht fest. 
A sunday beginning with Mr. Pleuger as the first visitor of  the exhibition shall become a great day I think, and happily I'm proved right. Again he impresses me with his cheerful eloquence and his dynamic appearance. Soon I will accept his invitation, and visit him to give a try to the armangnac, he offers to his guests. Of course I show him the picture of himself first, and he tells some stories of the reactions of people who found it on the blog and in the papers back then. Then he looks around and spots some aquaintances on the opposite wall: "Ah, I know them; the Kleins, they're customers of mine" he says with a warm smile, and it seems that they're more friends than only customers. Miss Passerine from this blog has yet been at his shop as well, to ask for an expert advice concerning fabrics. So the online-world gets connected in the offline-world, and that's a good thing to my mind. Furthermore Mr. Pleuger again mentions another loyal customer, to whom he also seems to be very grateful: "You should get to know this man; he's always dressed up very correctly. I'm almost dressed casual compared to him." he says laughingly, and again I feel quite sloppy compared to him. I'll dress to the nines for the Armagnac, that's for sure!

Samstag, 18. September 2010

Ein Zimmer und Essen





Ein Bild das momentan in meiner Aus- stellung hängt und mich immer wieder in seinen Bann zieht ist das Portrait von Adile. Ich habe sie an meinem letzten Tag in Istanbul getroffen.Wenn man Sultan- ahmet, das touristischste Viertel Istanbuls, hinter sich lässt gelangt man schon recht bald nach Kumkapi. Hierher verirren sich nur sehr selten Touristen, und ich stelle mit einiger Verblüffung den rasanten Wechsel im sich daraus ergebenden Strassenbild fest. Kumkapi ist ein armes Viertel. Viele Griechen und Armenier leben hier, aber ich sehe auch schwarze Men- schen und komplett verschleierte Frauen. Es ist ein bunter Mix der Kulturen. Adile ist Armenierin und gehört zur nicht-muslim- ischen Minderheit von Istanbul. Sie ist 53 Jahre alt und lebt in einem kleinen Zimmer dessen Tür direkt auf die Strasse führt. Morgens stellt sie einen Stuhl nach draußen und baut einen kleinen Tisch auf, auf dem sie ein paar Dinge ausbreitet und zum Verkauf anbietet. Sie ist Witwe: „Seit mein Mann gestorben ist lebe ich hier in diesem Zimmer.“ Es gehört der armen- ischen Kirche, die sich direkt um die Ecke befindet. Die Sachen die sie verkauft - Kleidung, billiger Schmuck, ein bisschen Hausrat – wurden der Kirche gespendet. Davon lebt sie, und sie sagt sie braucht nicht viel zum leben. Adile ist froh, dass sich eine Fremde für sie interessiert denn sie fühlt sich von der Welt vergessen. „Ich habe ein Zimmer und ich habe zu essen. Da bin ich froh. Aber das reicht nicht um glücklich zu sein. Man braucht andere Menschen um sich herum, Kontakt, das Gefühl jemandem wichtig zu sein.“
One of the pictures in my current exhibition is the portrait of Adile, and it keeps catching my attention.I met her on my last day in Istanbul. If you leave Sultanahmet, the most touristic district of the city, you reach Kumkapi after a short stroll. Almost no tourists find their way to this part of Istanbul, and I'm quite surprised about the sight of the streets and the atmosphere which occurs. Kumkapi is a poor district. Many Greeks and Armenian people live here, but I also meet black people or women with full-lenght veils. It's a varied mixture of cultures. Adile is Armenian, and so she belongs to the minority of non-muslim people of Istanbul. She's 53 years old and she lives in a small room, directly on the roadside. In the morning she puts a table outside in front of her room and there she offers things to sell. She's a widow: "Since my husband died I live in this room." It belongs to the armenian church right around the corner. The things she offers were contributions to the church, and Adile earns her money by selling them. She tells me that she doesn't need much in live. She's glad that someone from outside is interested in her story, because she feels forgotten: "I have a room and I have food. That's good. But to be happy you need more than this. You need other people, you need to be connected and someone who cares about you."

Freitag, 17. September 2010

Perspektive





Als ich noch ein Kind war, hatten wir zuhause ein Poster hängen, auf dem eine riesige, schwarze Katze zu sehen war. Das Bild war aus der Froschperspektive foto- grafiert, und die Katze lief direkt auf einen zu. Mich hat das Bild immer verstört, und in meiner Erinnerung ist das Tier noch immer nahezu elefantengroß. Die jüngste Besucherin meiner Ausstellung war heute Selma. Sie war mit ihren Eltern da, und von weit her angereist waren sie zudem; nämlich aus dem Libanon. Zu mir haben sie natürlich eher zufällig gefunden. Aber so beeindruckt wie Selma von den großen Gesichtern in luftiger Höhe zu sein schien, so beeindruckt war ich von ihr und ihrer Familie. Der Vater im Jogginganzug, die Mutter im bodenlangen beigen Mantel mit Kopftuch, die wenig ältere Schwester eher unauffällig gekleidet, haben die vier schon ein interessantes Bild abgegeben. Selma ist drei und somit nicht nur die jüngste in ihrer Familie, sondern nun auch hier im Blog. Dicht gefolgt von Daya. Geredet hat Selma übrigens fast nichts. Aber geguckt hat sie sehr viel.
When I was a little child we had a poster at home, showing a huge black cat. The photo was taken from a low angle and the cat was heading directly to the camera. I always got confused by the picture, and in my memory the cat still is big like an elephant. The youngest visitor of my exhibition was Selma for today. She came together with her parents, and they had a long way. They are from Libanon. Of course they found my place only by accident. Selma seemed to be quite impressed by the photos of huge faces up on the wall. But I was impressed by her and her family as well; her father, wearing a jumpsuit, her mother, dressed in a floor-length beige-colored coat and a head-scarf, and her sister finally dressed quite normal, the four of them have been a special sight. Selma is 3 years old and so she's not only the youngest in her family, but in this blog also. Closely followed by Daya. Selma didn't speak much, by the way. But she kept watching.


Zu gerne hätte ich für einen Moment mit ihren Augen geguckt. Und eins noch...
I wish I could have been looking with her eyes for a second. One more...

Donnerstag, 16. September 2010

Endspurt





Heute abend ist es soweit: mein Projekt "Partnerlook - Vom Rhein an den Bosporus" wird auch offline öffentlich. Wie das so ist, und egal wie früh man beginnt; am Ende ist noch immer so viel zu tun, dass die Sorge nicht fertig zu werden ständiger Begleiter ist. Das Bier steht aber schon mal kalt, vielen Dank an Veltins dafür. Und überhaupt an dieser Stelle ein Dank an alle Sponsoren die dieses Projekt ideel, finanziell oder materiell unterstützt haben. Ohne diese Hilfe wäre das alles überhaupt gar nicht möglich gewesen. Und auch wenn da ganz schöne viele Logos im Bild sind; wieder mal lässt mich der finanzielle Spagat den ich hinlegen muss nachts mit weit offenen Augen fieberhaft überlegen wie ich das denn alles mal hinbekommen könnte.
Nun will ich mich aber nicht beklagen; niemand zwingt mich dies alles zu tun. Aber warum tu ich es trotzdem? Weil ich das Gefühl hab, es ist das Richtige.

Heute abend gibt's zur Eröffnung einmalig eine Außenillumination mit dem Licht- künstler Stephan Brenn, mit meinen Fotos und seinen Bildkreationen. Das ist ein Experiment und ich bin selbst schon ganz gespannt.
Um 19.00 geht's los, um 20.30 ist die Illumination, das alles im Eventraum der Seilbahn am Zoo. Auf, auf... :-)
Tonight it's happening; my project "Partnerlook - from Rhine to Bosphorus" will be exhibited offline. As life goes, no matter how early you start; during the last hours the fear of not getting ready on time becomes an uninvited attendent. Well, the beer is in the fridje yet; thanks to Veltins! Anyway I want to say thanks to all the sponsors, who gave their support to this project; without their material, non- material and financial support all this would`nt have been possible. And even though there are quite some logos in the picture; once again the financial balancing act which I try to handle keeps me awake at night, thinking about solutions to get all the bills paid.
But I don't want to complain. Nobody forces me to do all this. So why do I do it anyway? Because I have the visceral feeling, that it is the right thing.

Tonight an outdoor-illumination will take place as well. Togehther with the light artist Stephan Brenn there will be pictures of both of us projected. The vernissage begins at 7 pm, the illumination starts at 8.30 pm. Up, up... :-)

Mittwoch, 15. September 2010

Niemals in Rente





Dieser Herr kann gar nicht glauben dass ich ihn fotografieren möchte; er ist sich ganz sicher, dass ich ihn bitte mich zu foto- grafieren. Herr Uysol ist Rechtsanwalt und keineswegs im Ruhestand, obwohl er 67 Jahre alt ist: „ Das wichtigste im Leben ist für mich Arbeit. Ich möchte niemals aufhören zu arbeiten. Ich möchte vielmehr arbeiten bis ich tot bin. Wenn ich nicht mehr arbeiten kann sterbe ich, da bin ich mir sicher.“ Das hat er auch bei Kollegen schon beobachtet: „Die sind in Rente gegangen und kurz danach sind sie gestorben. Für einen Mann ist es furchtbar nicht zu arbeiten. Für Frauen ist das anders; die sind irgendwie sozialer und kommen anders im Leben zurecht.“ Das alles sagt er und wirkt doch ungemein ent- spannt. Neben seiner Tätigkeit als Rechts- anwalt ist er noch Präsident einer Textil-Firma, die Kleidung von Zara und H&M vertreibt. Herr Uysol überlegt kurz ob wir nicht Geschäftspartner werden könnten und gibt mir dann für alle Fälle seine Karte. Falls ich mal einen Anwalt brauche in Istanbul. Sofort sehe ich vor meinem inneren Auge wie ich von der türkischen Polizei abgeführt werde und stecke erschrocken die Karte ein. Das liegt nur an Midnight-Express, den ich mal vor endlos vielen Jahren gesehen habe..
This man can't believe that I'd like to take a picture of him. He's convinced that I ask him to photograph me. Mr. Uysol is a lawyer and although he's 67 years old he doesn't even think about getting retired: "The most important thing in life to me is work. I never want to stop working. Quite the contrary; I want to work till I die. I think I'll be dead immediately when I would stop working." That's what he experienced with colleagues who retired. "They stopped working and they died. For a man it's terrible not to work. It's different to women; they have more social skills and they manage their life differently." Although he says all these things he seems to be very relaxed. Besides beeing a lawyer he is the president of a textile company which supplys Zara and H&M clothes. Mr. Uysol considers for a second if we possibly could become business-partners and then hands out his card to me; just in case I need a lawyer in Istanbul. Immediately I have a vision of beeing arrested by the turkish police and I put the card in my pocked, feeling scared a bit. That, for sure, is because of Midnight expess; a movie I saw years and years ago...

Sonntag, 12. September 2010

Schreiben Sie Hausfrau





Früher gab es noch ganz normale Berufe. Da war man Hausmeister, Industriekaufann oder Filialleiter. Heute sagt man dazu Fa- cility Manager, Key Account Manager oder Store Manager. Es gibt Production Engin- eers, Buyer und Controller. Da muss man schon mal nachfragen, was eigentlich ge- meint ist. Diese Dame übt die Tätigkeit einer Service Coordination Managerin in der Druck-Branche aus. Sie vermittelt Gra- fiker an Druckereien: "Wenn zum Beispiel eine Druckerei aus Bulgarien einen Gra- fiker braucht.." Weil ich mir ihre Berufs- bezeichnung nicht merken kann wiederholt Frau M. sie mehrmals geduldig. Frau M. legt Wert auf ein stabiles Umfeld, gute Freundschaften und Beziehungen; "Mein persönliches Netzwerk eben, das ist mir wichtig." Außerdem zieht sie sich gerne schön an, und dafür nimmt sie sich auch Zeit. Beim Abschied, als sie bereits einen Bekannten auf der Strasse getroffen hat, muss ich ernsthaft nochmal nachfragen wie ihr Beruf heisst. Sie lacht und sagt: "Schreiben sie Hausfrau. Da muss man auch unheimlich viel organisieren."
In former days professions in germany used to have names which gave a kind of indication or information; understandable to anyone. Ths changed and the change is still going on. So in these days more and more jobs are named in english, which makes them misterious in way. What is the function of the today facility manager, formerly called groundskeeper? This lady works as a Service coordination manager, and I ask her several times to repeat it.She puts graphic artists in contact with printing companys: "If, for example,  a printing company from bulgaria is asking for a graphic artist..." Mrs. M. puts emphasis on good relationships and  to take good care for friendships to keep up a solid personal environment: "My personal network means a lot to me." Furthermore she likes to dress up nicely, and she takes her time to do so. While saying goodbye to Mrs. M. I seriously have to ask again for her profession. She laughs and says: "Write housewife. That's a lot of oragnisation work as well."

Samstag, 11. September 2010

Freak des Tages





Fotografieren läßt B. sich eigentlich nicht gerne, aber wenn's ganz schnell geht darf ich trotzdem. Vor lauter beeilen fällt mir erst später auf, dass die Kamera total falsch eingestellt ist, und zuhause bin ich böse mit mir selbst. Dabei war die Be- gegnung mit B. ganz besonders nett. Er erzählt mir, dass er heute das erste Mal den ganzen Tag und die ganze Nacht alleine auf seine 20 Wochen alte Tochter aufpasst, die übrigens unser Blitz-shooting und das Gespräch fast komplett ver- schläft. Sie ist auch das allerwichtigste momentan in B's Leben; "...und Freiheit." B. hat gut 10 Jahre lang auf dem Bauwagenplatz gelebt. "Das geht jetzt natürlich nicht mehr. Man muss aber auch nicht denken, dass da alles so frei ist. Da gibt's auch viel spießiges, unausgesproch- ene Regeln, Platzhirsche und Stuten- bissigkeiten." B. arbeitet als Altenpfleger, empfindet Lohnarbeit aber tendenziell als moderne Sklaverei. Dass ich fremde Menschen fotografiere kann er nachvoll- ziehen; "Ich suche mir auch jeden Tag jemanden aus, den ich im Stillen zum "Freak des Tages" küre, nur so, für mich. Gestern war es so einer mit nem Vokuhila."
B. ist der erste, an dem ich mein neu erworbenes Fragekartenset mit dem Namen "Gesprächsstoff" ausprobiere... bitte hier entlang...
B. doesn't like people to take photos of him, but if it doesn't take long I may shoot him anyway. So I hurry up, not realizing, that the camera is in the wrong mode. Back at home I'm angry with myself. Nevertheless meeting B. is a pleasure. He tells me, that this is the first day, and night, he takes care for his 20 weeks old daughter all by himself. She, by the way, misses almost all of our quick-shooting and talking by sleeping. Of course she's most important in B.'s live: "...and freedom:" B. has been living for about 10 years on a mobile squatters space. "That's not possible for any longer, of course. But one shouldn't think that there is no babbittry. There are a lot of unexpressed rules, alphamales and cattiness." B. works as a geriatric nurse, but he considers wage work as a form of modern slavery. That I take pictures of foreign people makes sense to him: "I have my personal every-day election of the "freak-of-the- day". Yesterday, for example, it was a man with a mullett."
B: is the first person I ask for drawing a card from my brandnew question-deck of cards, called "conversation-topics". ... please follow...

Donnerstag, 9. September 2010

Spettatori





Anfang März, als es noch kalt war, hab ich Marie-Joëlle das erste mal getroffen. Nun ist Anfang September und es ist schon wieder kalt. Marie Joëlle 'in sommerlich' hab ich also leider vepasst. Allerdings war sie sowieso kaum in Köln; mit ihrer The- atergruppe "Spettatori" ist sie ganz schön rumgekommen. Unter anderem waren sie, eingeladen von der russischen Botschaft, in Moskau und anschließend in Beslan. Dort hat 2004 die tragische Geiselnahme in einer Schule stattgefunden, die über 300 Menschen das Leben gekostet hat. An einem Ort mit solcher Geschichte zu spie- len ist natürlich bewegend. Spettatori ist Theater, dass ohne Worte auskommt. Musik, Tanz, Bewegung kann man überall verstehen, ganz ohne Sprachbarriere. "Und doch rufen die Bilder und Geschichten des Stückes überall unterschiedliche Assozi- ationen hervor", erzählt Marie-Joëlle. So auch in Beslan: "Wir haben hinterher mit dem Publikum darüber geredet." Besonders eindrucksvoll schildert sie die Freude des Beslaner Publikums darüber, dass Spetta- tori als Besuch aus der weiten Welt ganz ohne therapeutischen Hintergrund, und ohne den Beigeschmack der Hilfe,  an- gereist ist. Für Beslan die beginnende Zurückeroberung einer verlorengegangenen Normalität.
Early in march, when it still was cold outside, I met Marie-Joëlle for the first time. Now it's early september, and again it's cold outside. So I'm afraid I missed Marie-Joëlle in summer-look. But she has not been around anyway: with her theatre-performance group Spettatori she has been travelling around a bit. For example they were invited be the russian embassy to play in moscow and afterwards in Beslan. There in 2004 the school hostage crisis has happened, which ended in the deaths of over 300 people. To perform at a place which this history of course is quite special. Spettatori is theater which gets along without words. Music, dance, move- ment can be understood all over the world, with no barriers of language. "Nevertheless the play anywhere evokes most different associations and connotations." Marie-Joëlle tells: also in Beslan. "We talked with the audience about that afterwards." Impressingly she tells about the pleasure of the Beslan audience about Spettatori as visitors from outside, for not coming with any therapeutically reason or in a manner of help. This is for Beslan the beginning of a recapture of  a lost normality.


Nächste Woche spielen Spattatori übrigens 2 Tage in Köln. Hier gibt's einen kleinen Trailer als Vorgeschmack, der aber sicher nicht annähernd die Stimmung vermitteln kann, die es im echten und lebendigen Raum zu erleben gibt.
Next week Spettatori will perform twice in cologne. Here you can find a short trailer as a teaser, which probably doesn't convey the atmosphere which can be experienced at the live-event.

Sonntag, 5. September 2010

Weder falsch noch alleine





Anil ist einer der ersten die ich in Istanbul fotografiert habe. Ich treffe ihn Samstag- abends in Beyoglu auf der Istiklal Caddesi; der Fußgängerzone und Hauptader des Stadtteils. Besonders am Wochenende sind hier abends und nachts unglaublich viele Menschen unterwegs, das Istanbuler Nacht- leben hat es in sich. Passenderweise be- deutet Istiklal Caddesi auf deutsch Strasse der Unabhängigkeit, denn genau dieses Thema liegt Anil sehr am Herzen. "Ich selbst zu sein, oder es zu werden, das ist für mich das wichtigste. Unabhängig zu sein von dem was mir beigebracht wurde, und selbst zu entscheiden und herauszu- finden was mich ausmacht." Anil engagiert sich als Freiwilliger bei Lambda Istanbul, einer Vereinigung die sich für die Rechte von homo- und bisexuellen Menschen in der Türkei einsetzt. Verboten ist Homosexuali- tät zwar nicht. Allerdings ist der gesell- schaftliche Druck enorm, und es besteht auch kein rechtlicher Schutz in Form eines Antidiskriminierungsgesetzes. Das Thema hält auch einige Absurditäten bereit; so gilt nur der passive Teil des Paares als schwul, zum Wehrdienst wird man nicht zugelassen, wobei allerdings mitunter Beweisfotos verlangt werden.
Das Motto „Ne yanlış ne de yalnızsınız“ von Lambda Istanbul bedeutet übrigens "Ihr seid weder falsch noch alleine".
Anil is one of the first persons I asked for a photo. I meet him on a saturday night in Beyoglu at Istiklal Caddesi, the pedestrian zone and center of the district. Especially at nighttime at the weekends a large crowd of people is on the road; the Istanbul nightlife is a world of it's own. Approppriately enough the translation of Istiklal Caddesi means Street of Independency. This is a subject which means a lot to Anil: "To be myself, or to become myself, that's most important to me. To be independent of what I was taught, of what others may think, to decide by myself what I consier right or wrong and to find out who I really am." Anil is involved as a volunteer at Lambda Instanbul, an organization which is fighting for the rights of gays and lesbians in Turkey. Being homosexual actually is not forbidden. But the social pressure is of extreme significance, and there is no legal protection like an anti-discrimination law. The subject, besides, includes some absurdities; so only the passive part of a couple is classified as gay, gays are not permitted at the military service, but it may be requested of the military doctors that the homosexuality is proofed by photos.
The motto „Ne yanlış ne de yalnızsınız“of Lambda Istanbul, by the way, means "You're neither wrong nor alone".

Donnerstag, 2. September 2010

Pferdekutsche





Wenn man eine sehr große Stunde mit der Fähre von Kadiköy fährt, dann gelangt man schließlich zu den Prinzeninseln. Die größte heißt Büyükada und dort fahren keine Autos. Wer sich also fortbewegen möchte, muss, oder besser kann, mit der Kutsche fahren. Über 260 gibt es hier davon, und der größte Teil des Geschäftes besteht da- rin Urlauber über die Insel zu kutschieren. Ramazan ist einer der vielen Kutscher, und das bereits seit 50 Jahren. Früher hat er im Winter auf der Werft gearbeitet und dort Schiffe angestrichen. Das macht er heute nicht mehr; er ist jetzt 66 Jahre alt. Ich bin an einem Montag auf Büyukada, und es ist nicht viel los. Gut 30 Tee trink- ende Fahrer gucken also höchst inter- essiert zu wie ich Ramazan fotografiere, und einer erbarmt sich schließlich und ver- sucht das Gespräch zu übersetzen. Das ist sehr nett und auch sehr lustig, aber ich greife schliesslich doch auf telefonische Unterstützung zurück. So bekomme ich die Übersetzung per Handy, während ich Ramazan nun mehr zusehe als zuhöre. Die Frage was ihm wichtig ist im Leben schmälert nicht sein Wohlwollen, wie mir scheint. Aber amüsant und etwas seltsam scheint er sie schon zu finden, wenn ich seine Blicke richtig deute...weiter geht's..
If you take the ferry from Kadiköy it lasts about one hour to arrive at the Princess-Islands. The biggest is called Büyükada and there are no cars at all. Who wants to move along has to take one of the horse-drawn carriages. About 260 of them are available, and the major part of the business are tourists, making a little sightseeing tour. Ramazan is one of the coachmen, since 50 years already. In earlier days he used to work at the wharf in the wintertime as well, but not any longer in these days; he's 66 by now. I visit Büyükada on a monday, so there isn't too much business, and about 30 tea-drinking drivers watch me taking pictures of ramazan, and one of them is even helpful enough and trys to translate our little speech. That's very friendly and also very funny, but finally I decide to ask for telephonically support. So, I get the translation via handy and no it's more that I watch Ramazan, than listening to what he says. The question what he considers important in life doesn't diminish his sympathy, as it seems to me. But obviously he is quite amused and apparently finds it strange somehow, if I interpret his behaving in the right way...please follow...



Mittwoch, 1. September 2010

Deutsche Fremdwörter





Am Tag vor meiner Reise nach Istanbul begegne ich Wolfgang. Er ist ein Kind des Ruhrpotts, mit entsprechendem Dialekt und einer Stimme die stark an den "Nicht- raucher" aus dem verfilmten Kinderbuch- klassiker "Das fliegende Klassenzimmer" von 1973 erinnert. Heute arbeitet Wolf- gang als Speditionsfahrer; gelernt hat er Betriebsschlosser im Bergbau. Diesen Beruf gibt es heutzutage gar nicht mehr, man sagt nun Industriemechaniker. Während Wolfgang mir erklärt was seine Aufgaben waren bin ich zunehmend erstaunt; zum einen beschreibt er einen sehr umfassen- den Tätigkeitsbereich; vom Maschinen warten bis zur Betriebsfeuerwehr ist alles dabei. Zum anderen aber benutzt er mit größter und unprätentiöser Selbstverständ- lichkeit lauter Begriffe die ich nicht ver- stehe: da ist von Pütt und Flöz die Rede, und ich freue mich dass ich immerhin weiß, was eine Kaue ist. "Ja, lauter Fremd- wörter," sagt Wolfgang und lacht, "aber alles deutsche Fremdwörter." Seinen Bart hat er seit über 40 Jahren: "Als ich fast mit der Hauptschule fertig war, da hat mein Rektor mir gesagt 'Wolfgang, mit dem Bart wirst Du keine Lehrstelle finden, du mußt dich rasieren.' Aber da hab ich längst schon meinen Vertrag in der Tasche gehabt."

Meine Istanbul-Reihe soll hiermit übrigens noch nicht beendet sein...
I meet Wolfgang the day before my trip to Istanbul. He's a child of the Ruhr district, where a special dialect is spoken, and his voice is deep and rough. Wolfgang works as a haulage driver in these days, but once he learned what we call in germany operations fitter at the mining. This profession doesn't exist any longer, today it's named industrial mechanic. While Wollfgang explains his former job to me I'm getting more and more confused. On one hand he describes a wide range of  tasks he was responsible for; from maintaining machines to duties of a fireman. On the other hand, with great self-evidence, he uses a lot of words which I don`t understand. All these words belong to the special dialect of the Ruhr district and the profession of the mining men. Unfortunately I'm not able to translate them, but Wolfgang translates them to me: "Yeah, quite a lot foreign words. But there all german foreign words." he says and laughs. He's got his beart since about 40 years: "When I almost finished secondary school the director came to me and said 'Wolfgang, you won't find an aprenticeship place with this beart. You'll have to get shaved.' But I had my contract already in my pocket.."

My Istanbul series isn't finished yet, besides...