Freitag, 26. November 2010

Seeluft





Rita überquert die Strasse vor mir und sieht mich mit lächelnden Augen an. Ein paar Sekunden dauert es, dann endlich mache ich mit meinem Rad kehrt und finde sie glücklicherweise auch wieder. Sie will gerade ihren Enkel von der Schule abholen, und nachdem ich sie blitzschnell foto- grafiert habe begleite ich sie auf dem Weg dorthin. Rita erzählt dass sie 25 Jahre durch die Welt gereist ist; gut 15 Jahre hat sie auf dem Meer gelebt. Sofort stelle ich mir Rita auf einem großen Überseetanker vor. Damit liege ich aber falsch; zuerst ist sie alleine unterwegs gewesen, bis sie ihren Lebensgefährten getroffen hat. "Das war ja in den 70ern, zur Hippiezeit. Johnny hat sich gerade einen Bus ausgebaut um nach Indien zu fahren. Schliesslich haben wir dann aber ein Segelboot gekauft, und waren damit unterwegs." Sie sind zwischen Spanien und Afrika hin und hergeschippert auf ihrem 28m Boot und haben Passagierfahrten angeboten. Ihre beiden Kinder, für deren Geburt Rita immer nach Deutschland gekommen ist, sind auf dem Schiff aufgewachsen: "Am Anfang habe ich sie selbst unterrichtet, später sind sie auf verschiedene Schulen gegangen."
Rita crosses the street in front of me and looks at me with smiling eyes. It takes a few seconds, but finally I turn around with my bike, and luckiliy I find her around the corner. She's on her way to pick up her grandson from school. After I took some photos of her with lightning speed I accompany her to school. Rita tells me that she travelled around the world for 25 years, for about 15 years she has been living on the ocean. Immediately I imagine her on a huge ocean-freighter. But I'm off base; first she travelled alone. Then she met her life partner: "That was back in the 70ies, during the hippie-years. Johnny was busy with converting a bus for a trip to india. But finally we bought a sailing boat, and were on our way sailing." They sailed from spain to africa and back again, and they offered tours for passengers as well on their 30 yard boat. Both of her children, for whose births she came back to germany, were brought up on board. "First I tried to teach them myself, but later they went on different schools."


Das Leben auf dem Meer hat Rita glücklich gemacht: "Besonders nachts bin ich gern gesegelt, bei Vollmond. Das ist ganz be- sonders, man ist den Elementen aus- gesetzt." Sie versucht jeden Menschen so zu nehmen wie er ist; "...und zu helfen. Wenn ich das kann." Rita und Johnny haben ihren überschaubaren Lebensunter- halt mit den Passagierfahrten verdient: "Es musste immer genügend Essen und Benzin für die Überfahrt da sein, und natürlich das Geld für die Hafengebühren."

Seit 2008 ist Familie Winkelmann mit ihren Kindern auf Weltumsegelung: hier gehts zu ihrer Reisebericht-Seite.
Living on the sea made Rita happy: "Especially at night-time I loved being on board, at full moon. That's very special, one is exposed to the elements." She trys to accept everybody as he occurs: "...and I try to help. If I can." Rita and Johnny eraned their thriftiliy livelihood with their passengers: "We needed enough food and patrol for the passage, and of course some money for the harbour dues."

Kommentare:

  1. Was für eine interessante Geschichte! Es ist so immer wieder aufs Neue so überraschend ... jeder von uns hat eine interessante Geschichte zu erzählen. Man geht an den Menschen vorbei und ob man es will oder nicht, beurteilt man diese nach Aussehen ... und schwups sind diejenige auch in einer Schublade verschwunden! Und wenn man sich Zeit nimmt diesen besonderen Menschen zu zuhören, ja dann ... kommt wie immer etwas unerwartetes. Du hast Blick für besondere Menschen und hast Talent die Geschichten toll zu erzählen!
    Trägt Rita Haushaltsgummis im Haar?! Das mache ich auch und das ist sehr bequem und diese gibt es in allen Farben;)

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  2. ach seeluft .... da kriege ich so richtig fernweh! und wieder so eine schöne frau, von der eine lernen kann, wie wichtig es ist, die eigenen träume zu leben - und nicht die vorgaben der anderen zu erfüllen

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  3. Liebe Smilla,
    ich kann einfach nicht anders: Rita erinnert mich an meine Kindheitsheldin Pippi Langstrumpf, die heute - so Google - ihren 65. Geburtstag hat. Zumal ja Pippi auch viel gereist und geschippert ist und diese unnachahmliche Weltläufigkeit hatte. Kompliment an Rita, Pippi Langstrumpf und Dich!

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  4. Emma, das dachte ich auch: was für interessante Geschichten! Dann freu ich mich immer.
    Ob das "Küchenhaargummis" sind weiß ich gar nicht, aber ich hab mal gehört die sind nicht gut für die Haare, weil die dann schneller abbrechen??

    Mojour, ich weiss genau was du meinst!

    Elke, echt, sie würde heute 65 werden?
    Lustige Vorstellung,
    wie sie mit Kleber unter den Schuhen unter der Decke herummarschiert zur Feier des Tages

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  5. Na, da musste ich aber schnell mal nachgoogeln...
    Inga Nilson ist 1959 geboren.
    Ganz liebe Grüße
    Mimi

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  6. die überschrift in kombination mit dem ersten foto produziert mir tatsächlich den salzgeruch in die nase :D!

    es sind küchenhaargummis - und ja, die haare brechen davon. :)

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