Samstag, 2. Oktober 2010

Jakobsweg





Es ist ja immer wieder die Sache mit dem Kontext; an einem Samstag Nachmittag im eher hippen belgischen Viertel fällt Wan- derkleidung eben mehr auf als im Eifel-Express. Annett kommt aber von viel wei- ter her, als nur aus dem Kölner Umland. Sie ist in den letzten 6 Wochen den Jakobsweg gewandert, bzw. teilweise auf einer Neben- strecke: "Weil dieses Jahr heiliges Jahr ist, da ist der Hauptweg einfach zu voll." Annett ist auf dem Weg nach Hause, freut sich auf frische Klamotten und muss erst mal wieder ankommen hier. Den Jakobs- weg ist sie schon zum zweiten Mal gelaufen: "Manche sagen sie finden etwas auf dem Weg, ich finde eher mich dort." Natürlich habe ich das Buch von Hape Ker- keling gelesen und erinnere mich lebhaft an die Beschreibung der Unterkünfte am Wegesrand. "So dreckig sind die aber nicht", versichert Annett ganz entspannt. Die Frage, was sie im Leben wichtig findet, erscheint mir heute ganz besonders passend. Wer so lange kontemplativ dahin- gewandert ist, hatte sicher einige Einsich- ten: "Auf den Bauch hören" ist ihre prompte Antwort, und mir fällt sofort ein Buch dazu ein: "Wie der Bauch dem Kopf beim denken hilft" von Bas Kast, der sich für seine Recherchen zum Thema Intuition ebenfalls in die weite Welt hinaus begeben hat.
It is, like before, again a thing of context; on a saturday afternoon at the hip belgian district hike clothes attract more attention than at the train to the countryside. But Annetts way is much longer than just the cologne hinterland. For the last six weeks she has been hiking the Way of St. James, respectively a secondary line: "For the reason that this year the namesday of St. James is on a sunday, it's the sacred year and so the mainway is much too crowded." She walked this way twice yet: "Some say they find something on the way. I'd say I find myself there."Annett is now on her way home, and she's looking forward to clean clothes and to give herself some time to acclimate again. Of course I red the famous german book about the way, and I remember pretty well those discriptions about the hostels; "They are not that sticky and bad", Annett says with a relaxed smile. My question what she considers important in life today seems to fit even better than usually. Someone who has been contem- platively walking for weeks probably has had some insights. "To go with your gut." is her quick answer. Immediately the name of a book crosses my mind: "How the gut helps your brain thinking", which unfor- tunately is not translated yet. Bas Kast travelled around the world, to do his researches about intuition.

Kommentare:

  1. toller buchtip - dankeschön :)! - ich finde, sie sieht so richtig 'richtig' aus, falls du weißt, was ich meine ;).

    AntwortenLöschen
  2. Mir scheint, "sich selbst finden" ist eines der wichtigsten, schwierigsten, aber auch schönsten Unterfangen überhaupt!

    Danke für die beiden Buchtipps - nicht einmal das von Hape Kerkeling habe ich bisher gelesen, obwohl alle Welt davon redete... Vielleicht sollte ich das mal ändern. Das andere klingt auch sehr spannend! Die Buchliste wird bei mir derzeit immer länger...

    AntwortenLöschen
  3. hallo,

    ich habe deinen log heute zufällig durch den blog stil in berlin gesehen und sitze nun seit gut einer stunde hier und lese mir deine beiträge durch. es ist lange her, dass mich ein blog so beschäftigt hat.
    bemerkenswert finde ich deinen mut, auf "fremde" menschen zuzugehen und sie anzusprechen und dann auch noch ein foto von diesen zu schießen.
    ich werde hier noch sicherlich auch in zukunft viele tolle beiträge lesen.
    viele menschen sprechen negative kritik bedenkenlos und auch hemmungslos aus , wobei positives entweder verschwiegen wird oder bewusst nicht mitgeteilt wird, aus welchem grund auch immer.
    ich wollte dir hiermit mein gefallen an deiner arbeit mitteilen.

    liebe grüße aus krefeld

    www.hatchipuseflilatun.blogspot.com

    www.poetryslamimpapp.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  4. ..ürigens fand ich auch dein istanbul projekt sehr interessant.

    wenn du nicht genug von istanbul hast und noch mehr wissen möchtest, auch tiefgründigeres über das wesen der stadt, dann empfehle ich dir den roman von orhan pamuk "istanbul".

    AntwortenLöschen
  5. Die Wanderin wirkt auf mich sehr "bei sich" und der Text dazu erinnert mich an meinen Vorsatz mal eine Pause von der Kommunikation und Reizüberflutung zu machen.Mit sich selbst allein sein und das auch auszuhalten ist eine wirklich spannende Erfahrung. Danke auch für den Buchtipp mit dem Bauchgefühl,

    liebe Grüße

    Juni

    AntwortenLöschen
  6. Annett does look relaxed. Open, too, and sturdy.

    AntwortenLöschen