Montag, 18. Oktober 2010

Captain of the hearts





Michel, gesprochen wie der französische Männername,  zieht gerade von Köln in ein Dorf  nördlich von Hamburg. Dort hat er sich ein Boot gekauft: "Ein kleines hatte ich schon, nun hab ich noch ein größeres, mit Kajüte und ein bisschen Platz." Getauft hat er das Boot auf den Namen "Shee's the mare" was er jedoch wie Chisimare aus- spricht. In diesem Namen steckt für ihn "irgendwie alles drin." Das Wort Chi für Kraft und die Aussage, dass die Frau wie ein Meer ist. "Ihr Frauen dürft nicht vergessen was ihr seid." erklärt er mit Nachdruck, und verweist auf Hildegard von Bingen, die in seinem Leben eine Leitfigur darstellt. Michel bringt mich definitiv an die Grenze meiner Merkfähigkeit; in kurzer Zeit schneidet er zahlreiche Themen- bereiche und Weltanschauungen an. Von Naturheilkunde über Religion, Beziehun- gen, Wirtschaftsethik ( ja, auch die!), Dro- genkonsum und Nüchtern-Sein,  nichts lässt er aus. Er ist mit viel Leidenschaft bei der Sache, das merke ich schnell, wenngleich ich immerzu nachfragen muss. Irgendwie bekomme ich den Eindruck  überhaupt nicht informiert zu sein. Im beinahe verzweifelten Versuch etwas Ordnung ins gesagte zu bringen, frage ich was er im Leben als wichtig erachtet. "Die Kunst der Gunst" ist seine Antwort. "Wir alle sind auf Hilfe angewiesen, wir haben viel von unseren Vorfahren übernommen. Das muss man würdigen. Keiner baut aus dem Stehgreif eine Kirche oder erfindet eine MP3." Michel ist der Ansicht, dass jeder Mensch in der Relation zur Ewigkeit nur ganz kurz auf der Welt ist und dass man sich das bewusst machen muss. "Und dann muss man auch wieder gehen können, und nicht immer nur denken Ich, Ich, Ich."
Michel, pronounced like the french name, is currently moving from Clogne to a small village in the north of Hamburg. There he bought himself a boat: "I already had a small one, now I bought a bigger one with a cabin and some space." He named his boat "Shee's the mare" which he pro- nounces italian, like Chisimare. This name "somehow includes everything". Chi for strength, and that women are like an ocean. "Women should never forget how wonderful they are!" he says emphatically and mentions Hildegard of Bingen, who is a leading figure in his life. Michel definitely shows me my limits of retentiveness; in no time he raises quite some topics and ideologies. From natural healing to religion, relationships, economic ethics (yes, again this word), the consumption of drugs and staying sober; he didn't omit anything. He talks about all this with much passion, and I keep inquiring. Somehow I get the feeling of not beeing informed at all. Almost desperately I finally attempt to bring some structure in our talk, and I ask him what he considers most important in life. "The art of benevolence." he replys. "We all need help, we adopted a lot from our ancestors. No one is able to built a church just like this, or to invent the MP3 without learning from others." In Michaels oponion everybody is, related to eternity, just for a small moment on our earth, and he thinks that anyone should be aware of this. "And after all you must be able to leave again, not always thinking Me, Me, Me."



Das sind Michels Arbeitshandschuhe, die er normalerweise nur auf dem Boot trägt: "Ich bin der Kapitän der der Herzen; the captain of the hearts" sagt er und lacht. Seine Kleidung ist aus Hanf: "...extrem robust und Hanf ist außerdem auch eine Heil- pflanze."
These are the work gloves of Michel; usually he only wears them on his boat: "I'm the captain of the hearts." he says with a smile. His clothes are made from hemp: "...very robust and besides this hemp is a plant with medicinal properties."

Kommentare:

  1. Bis auf die Tatsache, dass ich den Namen Hildegard von Bingen schon gehört habe und einigermaßen einordnen kann, da meine Mutter sich früher für das Leben dieser Dame interessierte, fühle ich mich gerade - nach dem bloßen Lesen über Euer Gespräch - auch total uninformiert... Mir wird nicht einmal ganz klar, was er meint, wenn er sagt, dass ich (als Frau) nicht vergessen darf, was ich bin... ?? Wie Du, Smilla, Dir all das, was Du dann über ihn geschrieben hast, merken konntest, ist mir hier umso mehr (zu vielen anderen Gelegenheiten auch schon) ebenfalls ein Rätsel!? Hast Du ein auditives Gedächtnis oder kannst Stenografie?? Ich bin fasziniert von Euch beiden - war ich gestern schließlich schon damit überfordert, etwas Sinnvolles zum Thema Wirtschaftsethik zu Bildschirm zu bringen, auch wenn ich hier doch noch sagen muss, dass ich in Deine Fassungslosigkeit angesichts dieser Nichtwürdigung Deiner Arbeit und wie ich finde auch der Nichtwürdigung der Abgebildeten mit einstimme!

    AntwortenLöschen
  2. Anna, das hab ich dann wohl zu kurz wiedergegeben; Michel meinte, dass Frauen sich oftmals ihrer Größe oder Besonderheit nicht bewusst sind, bzw. oft Männer die Gesellschaft dominieren, dabei ist die Frau diejenige die die Kinder auf die Welt bringt, also Leben gibt, bzw. geben kann.
    Ich kann kein Steno, ich schreibe auch nicht mit, oder habe ein Aufnahmegerät; das würde ja alles stören. Aber danke für die Mutmaßung :-)
    Ich kann mir einfach gut Sachen merken, die ich erlebe. Dafür hör ich bei reiner Theorie oftmals nur ein hohles pfeifen zwischen den Ohren, das war bei mir schon immer so. In der Schule war das nicht immer lustig.
    und zum letzten Post; ich muss ja sagen, dass ich von einer Marketingfirma gar nicht unbedingt eine Würdigung meiner Arbeit erwarte. Meine Naivität hält sich da doch in Grenzen. Aber geschäftsmäßig übertölpelt werden zu sollen, das bringt mich auf die Barrikaden.
    Und auch die Abgebildeten waren ein Thema, bzw deren Zustimmung, auch wenn es bei den Fotos tatsächlich "nur" um die Kleidung ging, und die Gesichter nicht zu sehen sein sollten. Allerdings hatte ich bei dieser Sorgfalt bezüglich der Zustimmung auch den Eindruck, dass es eher um die Vermeidung von juristischen Problemen ging, als um etwas anderes. Aber du sprichst auch noch einen anderen wichtigen Punkt an; das Thema "Modelhonorar", Gesicht hin oder her, Mensch auf Foto ist Mensch auf Foto, in meinen Augen. So weit sind wir in unseren Verhandlungen aber ja nicht mal ansatzweise gekommen.

    AntwortenLöschen
  3. Ich bin immer wieder erstaunt, welch interessanten Menschen du so begegnest. Auf der anderen Seite glaube ich, dass JEDER Mensch auf seine Art interessant ist. Man nimmt sich nur kaum die Zeit, diese Menschen kennen zu lernen oder ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Ich arbeite auch täglich mit Menschen, doch die Zeit, sie näher kennen zu lernen,fehlt. Außerdem ist da auch die anerzogenen Scheu/Diskretion, so offen auf andere zuzugehen. Auf jeden Fall werde ich meine Augen etwas weiter öffnen und all meinen Mut zusammennehmen, wenn ich mal wieder jemanden treffe, der mich interessiert.
    Ich wünsche dir noch ganz viele interessante Begegnungen!

    AntwortenLöschen
  4. Au, das ist ja ein wunderbarer Träumer, der Michel. Dass wir ein Teil eines Ganzen sind, immer auf den Schultern der vorherigen Generation stehen, vergiss man schnell.
    Zuerst dachte ich: Charles Lindbergh lebt.
    Seine Kleidung gefällt mir sehr gut.
    Aber wovon lebt Michel eigentlich?

    AntwortenLöschen
  5. Margit; wirklich näher kennenlernen tu ich die Menschen ja auch nicht. Dafür fehlt auch mir die Zeit und auch die Möglichkeit.
    Was ich aber immer wieder feststelle ist, dass es durchaus möglich ist direkt in ein "richtiges" Gespräch einzusteigen, auch mit Fremden.
    Ich mag das.
    Croco, lustig, an Charles Lindbergh dachte ich nun gar nicht. Eher an eine zu groß geratenen Michel aus Lönneberga :-)
    Interessant finde ich, dass du fragst, wovon er lebt. Macht er den Eindruck auf dich, als gäbe es nichts wovon er leben könnte?
    Ganz genau weiss ich es übrigens nicht. Mein Eindruck ist aber, dass seine Aktivitäten die den Lebensunterhalt betreffen genauso vielfältig sind wie seinen Interessnsgebiete. Auf jeden Fall baut er Kürbisse, Sonnenblumen und noch anderes an. Außerdem verkauft er selbstgemachte Buttons, und er bedruckt T-Shirts. Soviel weiss ich...

    AntwortenLöschen
  6. *lach* ... Michel aus Lönneberga in XXL ist mir auch gleich in den Sinn gekommen. ;o) Ein wirklich interessanter Typ, mit dem man sicher sehr gut diskutieren kann! Ich mag ja grundsätzlich Menschen, die vielseitig interessiert sind und das nicht nur oberflächlich, sondern durchdacht und in die Tiefe! :)

    AntwortenLöschen
  7. Liisa, jetzt fällt mir erst auch die Namansgleichheit auf...
    Mensch Liisa, wie lange geht denn deine Herbstpause noch? Nicht, dass ich sie dir nicht gönne, aber....mir fehlen deine Blog-Preziosen :-)

    AntwortenLöschen
  8. Es war mehr so eine Haltung, die mich an Charles Lindbergh erinnerte. Er hatte auch dieses jungenhaft Verwegene im Blick.
    http://library.thinkquest.org/04oct/01249/imagesc/lindbergh.jpg
    Warum ich nach dem "wovon lebt er " gefragt hatte, ist der: mir ist es schon öfter passiert, dass dann was diametral Verschiedenenes herauskam,
    dass manchmal die Alltagstätigkeit so garnicht passt zu den Idealen und dem ersten Eindruck. Und hier habe ich Ähnliches vermutet.

    AntwortenLöschen
  9. Aaah, klar, das wär gut möglich gewesen: Wie bei der Zahnärztin damals, wo ich ja sogar ein Ratespiel drausgemacht hab...
    Stell dir vor er hätte Architekt gesagt...
    schöner Link!

    AntwortenLöschen
  10. Ein aussergewöhnlicher und interessanter Michel.
    Solche Menschen zu treffen, ich glaube für mich würde das tagelanger Gesprächsstoff bedeuten.
    Captain of the hearts beschreibt es sehr treffend.
    Die Arbeitshandschuhe mit den Herzen drauf, bedeuten für mich, die Arbeit die man tut, mit Liebe tun. Das Schönste, was ich mir vorstellen kann.
    Liebe Grüsse
    Anita

    AntwortenLöschen
  11. Er sieht so aus, wie Heath Ledger hätte aussehen können, hätte er die Chance gehabt, dieses Alter zu erreichen ...

    Deine Bilder und Deine Ausführungen dazu rühren mich immer sehr.

    Danke!

    Herzliche,
    Ev

    AntwortenLöschen
  12. Michel hat eine wunderschöne Ausstrahlung. Ich meine, es ist fast egal, was er trägt. Ich war sofort fasziniert, als ich die Bilder sah.

    AntwortenLöschen