Montag, 17. Mai 2010

Unterpfand





Manchmal ist es ganz besonders schade dass Eile herrscht. So auch heute; die Dame fällt mir während einer Tanzvor- führung von Mönchen aus Bhutan auf der Domplatte auf. Im Rahmen einer Aus- stellung über Heilige Kunst aus Bhutan im ostasiatischen Museum sind die Mönche zu Gast in Köln, und zelebrieren an öffentlich- en Plätzen ihre religiösen Cham-Tänze.
Ausnehmend entspannt und freundlich hat die Dame im Anschluss leider doch nur we- nig Zeit; die anderen warten. Der Mantel, so sagt sie mir, ist selbst genäht. "Ich nähe alles selber; das hier war eine Decke, die mein Sohn im Himalaya dabei hatte. Er hat darin geschlafen, und ich habe mir später diesen Mantel daraus genäht." Un- glaubliche 75 Jahre ist die Dame alt, und auf meine Frage was ihr im Leben wichtig ist lacht sie kurz und sagt. "Familie! Ich habe 6 Kinder und 13 Enkel..." Früher hat sie als Malerin gearbeitet, zusammen mit ihrem Mann; "Wir haben so große Bilder gemalt; in Kirchen zum Beispiel. Heute male ich fast gar nicht mehr; nur Zeich- nungen oder Miniaturen."
In Bhutan war sie selbst nie, auch wenn sie gerne einmal dorthin gereist wäre; "Ich wollte an so viele Orte auf der Welt, und meist bin ich dann doch nach Rom ge- fahren." sagt sie.
Einen Moment nachdem wir auseinanderge- gangen sind, stelle ich fest, dass ich noch immer ihren kleinen schwarzen Schirm in der Tasche habe, der nicht mit aufs Foto sollte. Nun hoffe ich natürlich auf ein Wiedersehen...
Sometimes it's too bad that there is hastiness. Like today; this wonderful lady catches my attention while a dance-performance of Bhutan monks is taking place beside the cologne cathedral. Within an exhibition of sacred arts of Bhutan the monks are guests of cologne; showing their religious cham-dances.
Exceptionally friendly and relaxed the lady tells me after the performance, that she only has a little time; her company is waiting. Her coat is selfmade by her; "I sew everything by myself. This has formerly been a blanket, which my son gave to me. He travelled with it in the Himalaya and slept in it. So then I made a coat out of it." Incredible 75 years old is this lady; and on my question what's most important for her in life she laughs and replys: "Family. I have 6 children and 13 grandchildren." In erarlier days she used to be a painter, together with her husband; "We painted huge pictures, in churches for example. Today I hardly paint; and if only drawings or miniatures."
She has never been to Bhutan, although she would have liked to; "I wanted to travel to a lot of places, but mostly I visited Rome..." she says with a smile.
A few minutes after saying goodbye I realize that I still carry around her little black umbrella, which wasn't supposed to be on the photo. So now I cherish the hope, that we'll meet again...

Kommentare:

  1. War schon die ganze Zeit gespannt, was der Titel nun bedeuten solle ... nun ja, bis jetzt hast du ja viele der besonders spannenden Personen immer zwei mal getroffen, oder nicht? :D Da wird diese Frau sicher auch dabei sein. Sie sieht unglaublich jung und schön aus. Und die Idee mit dem Mantel ... genial.

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  2. What a beautifully serene face - so right amidst the bright colours!

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  3. @pippa; right; this post could be named serenity as well..

    @pip; ja, ich hab auch Hoffnung! :-)

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  4. geniale strumpfhose!! sie sieht irgendwie so aus, wie ich mir eine peruanerin vorstelle... [und ja, ich weiß, daß bhutan ganz woanders liegt ;).]

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  5. Ich wüsste zu gern, wie ihre Bilder aussehen...ob sie da auch so tolle Farben verwendet?

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  6. Ich mag deinen Blog! Er ist so inspirierend!
    Manchmal ist es eben ein Gewinn, sich auf eine Sache zu konzentrieren, so wie du mit den tollen Menschen und deinen Berichten.
    Liebe Grüße,
    Doris

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  7. @taniia; wie ihre Bilder aussehen interessiert mich auch. Aber NOCH viel mehr interessiert mich wie sich guckt, also wie sie sieht..in die Welt hinein, wie sie Dinge sieht. Ich glaube das wäre sehr spannend zu erfahren.

    @Doris; danke! ...ich konzentrier mich gern :-)

    @rebhuhn; naa? bist du ganz sicher? :-)
    hat definitiv was von den anden..
    da waren übrigens einige (wenige) die Bhutan-affin gekleidet waren. Aber viele die schon mal dort waren.

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  8. Sarah moon y soul18. Mai 2010 um 11:46

    Die Mode und die Menschen sind interessant und die Fotos sind großartig! habe mich in der letzten zeit sehr oft über Leute geärgert, die mich und meine Familie und Freunde quasi heimlich, im Park, auf dem Spielplatz fotografieren wollten und sehr unhöflich wurden, wenn ich sie darauf angesprochen habe. Vielleicht gefallen mir deshalb deine Bilder umso besser, weil sie Respekt vor den Menschen zeigen, weil sie in einem Zusammenhang, aus Interesse entstehen und nicht aus Besitzen-wollen oder "Motiv-Jagd" wie bei den Touristen hier leider so oft geschehen. Ich sehe diese Arbeit als eine spannende und angemessene Teilnahme am und Würdigung des öffentlichen urbanen Lebens.
    Außerdem bin ich Exil-Kölnerin und hab gern son bißchen Heimweh bei so schönen Kölnerbildern.
    Ich guck jetzt öfter.
    Mit besten Grüßen, Sarah

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  9. @sarah; vielen Dank für deine neten Worte!! kann ich gut verstehen, was du über das heimlich fotografieren schreibst.das klingt aber auch spannend, wo lebst. bzw wohnst du denn??

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  10. I had given up believing in earth mothers until I saw these photos. Six children, colorful clothes, a warm, relaxed, welcoming face. I like that she does not dye her hair.

    Good work, Smilla!

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  11. Gäbe es blos mehr von solchen schönen menschen.
    XXXm

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  12. Sarah moon y soul19. Mai 2010 um 09:07

    @smilla: wir wohnen in Kreuzberg, und so interessant sind wir auch eigentlich garnicht :))

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